27.5.2012 | 21:56 von DonAlphonso

N├╝tzliche Twidioten, die einen Hoax verbreiten

Es gibt bei der FAZ nicht zu selten eine gewisse, auch offen zur Schau getragene Geringsch├Ątzung von Publikationsformen im Netz. Und die Vertreter dieser Haltung d├╝rfen sich heute bestens best├Ątigt f├╝hlen, denn einer der Ihren namens Volker Weidermann hat einen Beitrag mit, sagen wir mal, mangelgutem Stil ├╝ber die S├╝ddeutsche Zeitung geschrieben. Zumindest w├╝rde man das unter Journalisten so sehen: Weidermann legt einen Text vor, den man durchaus so auffassen kann, als w├Ąre das j├╝ngste Grass-Gedicht zu Griechenland eine Aktion der Titanic gewesen, um die SZ hinter das Licht zu f├╝hren. Gut, man kann eventuell sagen, dass angesichts der Animosit├Ąten zwischen Grass und FAZ die Idee, die S├╝ddeutsche w├╝rde auf einen fingierten Grass hereinfallen, zu verr├╝ckt ist, um sie zu glauben – dann bleibt das kindliche Bem├╝hen von Weidermann ├╝brig, der S├╝ddeutschen Zeitung und Grass wegen ihres Scoops ohne weitere Argmumente zur Sache ans Bein zu pinkeln, so nach em Motto: Wenn es von der Titanic w├Ąre, w├Ąre es auch nicht schlechter und reisserischer. M├Âglichweise empfinden Leute wie Weidermann so etwas nicht als “perfide”, sondern als “Satire”. Dann darf man sowas, sagt man.

Aber daraus ist jetzt ein veritabler Hoax geworden: ├ťber 500 Tweets verbreiten den Beitrag, und fast alle behaupten, die FAZ h├Ątte sie S├╝ddeutsche dabei vorgef├╝hrt, wie sie von der Titanic geleimt wurde. Das ist n├Ąmlich f├╝r die Benutzer eines Twitteraccounts zu sch├Ân, um wahr zu sein, da haben die bl├Âden Holzmedien mal wieder einen Skandal, das muss nat├╝rlich sofort vertr├Âtet werden, die anderen machen das ja auch. Lesen und ├╝berlegen? I wo. Steht doch auch bei Fefe.Besonders irre ist das hier:

Hey, Medien, aufwachen: Das #grass Gedicht kommt von der Titanic. Recherchiert mal statt zu Kopieren: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/noch-n-gedicht-wo-waere-guenter-grass-ohne-griechenland-11764737.html

Das ist nat├╝rlich fein f├╝r alle, die das Netz schon immer gehasst haben: Da hat man ihn, den Mob, der sofort aufspringt, sobald eine Geschichte seinen W├╝nschen nach Sensation und Dem├╝tiguing entspricht. Leichtgl├Ąubig, nicht nachdenkend, obsz├Ân. Alles, was man gerne sehen m├Âchte. Heute erwischt es die SZ, morgen macht es vielleicht schon Springer. Der Fernsehsender FOX und seine Verschw├Ârungstheoretiker funktionieren nach dem gleichen Schema.

Und das Ergebnis im Netz? Die SZ gilt vielen als trottelige Zeitung. Ziel von Weidermann erreicht. Grass kann man auch als Persiflage lesen. Ziel von Weidermann erreicht. Ein ganzer Haufen hat vorgef├╝hrt, was Schwarmintelligenz im Praxisversuch ist. Und mit welchen Reizen man ihn steuern kann. Herr Weidermann hat seinen Scoop unter Hirnlosen, und wenn es das n├Ąchste Mal darum geht, ob Leser Ansprechpartner auf Augenh├Âhe sind, oder Minderbemittelte, denen man auch den letzten Dreck vorwerfen kann, solange er ihre Vorurteile best├Ątigt, werde ich es mitunter vielleicht nicht ganz leicht haben, f├╝r die Rezipienten zu argumentieren.

Ich glaube, das ist ein Strukturfehler bei Twitter: 140 Zeichen Unsinn sind schnell abgesch├Ąumt, beim Bloggen muss man auch formulieren und nachdenken, und damit ist die Gefahr, auf so etwas hereinzufallen, doch etwas geringer.

Offenlegung: Ich schreibe f├╝r die FAZ, aber mit sowas habe ich nichts zu tun.

20.3.2012 | 1:06 von DonAlphonso

Die Schramm hat es sich mal wieder anders ├╝berlegt

M├Ąrz 2013. Securehypercontroltec Inc. hat eine Junior Consultant Stelle zu vergeben, Domestic Affairs, f├╝r Berliner Verh├Ąltnisse ├╝ber Slumniveau bezahlt und dem Versprechen, dass man dabei wahnsinnig viele tolle Leute aus Politik und Wirtschaft kennenlernt, unter anderem die ganze Riege der Spezialisten f├╝r angewandte B├╝rgerrechtsaus├╝bungsregeln, und Nord-S├╝d-Treffen bis der Maschi und die Veri abwinken. Unter anderem bewirbt sich eine Person, die erst ein Jahr zuvor, von der FDP kommend, die Chefin der Piratenpartei werden wollte, und hier nur darlegt, wieso das alles gar nicht so ernst gemeint war:

———————schnipp———————–

Gut, sie Piraten. Also. Daf├╝r muss man meinen damaligen Zustand kennen: Post-Verlobungs-Depressionen, neue Senatsfraktion ohne mich, neues Leben ohne Postprivacy, der ich gerade abgeschworen hatte, schlechtes Wetter, Zukunftsangst weil der Lektor mein Buch scheisse fand, krasse Frustration ├╝ber die Piraten (zu wenige sagten, ich sollte Chefin werden) und die Entscheidung jetzt doch mal was zu machen in der Partei, weil Job und Medienauftritte und ich sagte so gern dass ich Privilegienmuschi bin. Deswegen erfreute ich mich an Twitter und den Menschen, mit denen ich viel Spass hatte und mit denen ich neue Ideen und Philosophien austauschte. Vor allem die Beitr├Ąge von meinem Verlobten und meinen Kegelklubberinnen inspirierten mich meine Zielvorstellungen zu hinterfragen und ├╝ber den Wert so einer Chefposition nachzudenken.

Was ist so eine Piratenchefin? (Anmerkung: Ich schreibe ├╝ber diese Frage an einem Report f├╝r die FDP, also aus politikwissenschaftlicher Sicht.) Welche Rolle spielt sie in der Gesellschaft? Und nat├╝rlich stie├č ich auf mannigfaltige Probleme, die mein kleines Piratenhirn ersch├╝tterten. Abgesehen davon: Ponys, etc.

Und so diskutierten wir fr├Âhlich auf Twitter und irgendwann kam es dann zur Gr├╝ndung der meiner Unterst├╝tzergruppe. Wir t├╝ftelten an Texten, an Ideen, an Kritik gegen├╝ber konservativen Piratenamtsinhabern, die den Krieg gegen die besseren L├Âsungen f├╝hrten und mir immer noch vorwarfen, ich sei ein U-Boot der FDP. Soweit, so unspektakul├Ąr. (Ich war immer noch mies drauf wegen der mickrigen Hochzeitstorte) An einem Tag nun kam dann die Wahlaufstellung auf mich zu. Wut? Ich war total ├╝berfordert, ├╝berrollt und auch einfach gespannt dieses Amt zu machen. Auch hatte ich Angst den Piraten abzusagen: ich meine, das macht man doch nicht, oder? (Heute bin ich da zum Gl├╝ck weiter! ;))

Die Ideen, die wir haben, sind ja bedenkenswert! dachte ich mir. Und es war eine M├Âglichkeit mal andere Perspektiven abseits der bisherigen Piraten aufzuzeigen. Ich kontaktierte also die Freunde und wir schrieben in einem Pad die Argumente zusammen. Ich selbst war aufgeregt, neu in der Materie und unbedarft – also gab ich stur die Meinung der Unterst├╝tzerruppe wieder, wie sie in dem Pad gesammelt worden war. Ich glaube, dass das die eigentliche Ironie an der Geschichte ist.

Die Partei, die f├╝r alles verantwortlich ist, muss sich gefreut haben, so eine naive junge Frau gefunden zu haben, die bereit ist den ganzen Verfassungssch├╝tzern(tm) den Stinkefinger zu zeigen, ohne das es ihr bewusst ist. Und das habe ich dann auch getan – einen deutlichen Kontrapunkt gesetzt gegen├╝ber einer Welt, die ich bis dahin nicht kannte. Ich kannte diese ganzen V-Leute und PI-Blogger wie den Herre nicht, die Innenministeriums-Granden und paranoide Ausforschungsindustrie, ├╝berhaupt diese ganze Berliner Klitsche, die sich einbildet, dass das Netz ihnen geh├Ârt. Ich kannte das alles nicht. Vielmehr habe ich mich mit Internet und Politik abseits dieser Szene besch├Ąftigt und war der Meinung, dass es doch klar sei, dass verschiedene Meinungen zu verschiedenen Themen existierten. Weit gefehlt. Achja und die Reichweite des Parteitages habe ich auch untersch├Ątzt. Eine wirklich krude Mischung aus Dingen, die ich im Nachhinein in Kontext setzten kann, damals jedoch keinesfalls. Die Medienreaktionen sind hinl├Ąnglich bekannt. Und der Schuft von Jauch woillte mich nicht! Warum haben mich diese Idioten vom Vorstand nicht wenigstens mehr bedr├Ąngt, dass ich auf das Focus-Cover mit drauf gehe!

Im Laufe des letzten Jahres setzte dann ein Wandel ein. Das Piratenamt w├╝rde ich so nicht mehr machen, alleine weil ich heute viel weiter bin, viel tiefer in der Debatte stecke und verstehe, das es hier um mehr geht, als nur Meinungen auszutauschen. Ich habe mich deswegen auch zur├╝ckgenommen die letzten Monate, mich bei der Partei rausgehalten, das Liquidfeedback gemieden, keine Texte mehr in die Richtung verfasst und alle Interviewanfragen seit Dezember konsequent abgelehnt. Warum? Zum einen, weil mich die Debatte nicht mehr so wirklich interessiert, wenn man nicht weniugstens einen Dienstwagen bekommt. Zum anderen, weil mir die exponierte Rolle in diesem Themengebiet unangenehm geworden ist, man hat ja berufliche Pl├Ąne, gell? Ja, ich lebe sehr piratig und sehe gar nicht mehr nach FDP Bonn aus, aber ich habe das niemals als Ideologie gesehen, zu keinem Zeitpunkt. Nun als Ideologin hingestellt zu werden ist … anstrengend, weil ich das nicht bin. Das Ganze war somit eher ein Denkprozess, der live gestreamt wurde :o)

Die Aussage “Ich will dieses Amt Ihr Schweine w├Ąhlt mich gef├Ąlligst oder ich gebe der FAZ ein extrem b├Âses Interview dass ihr alle sexistische Nazis seid” war auch niemals so gemeint, wie sie interpretiert wurde. Ich sagte noch dazu: W├Ąhlt mich oder ich verkaufe das interne Forum f├╝r Drogen an die Kripo. Leider wurde das (lacht) in dem Zusammenhang konsequent ignoriert. Und f├╝r die Aussage “Keine Macht f├╝r ├ťberwachungstaatliche Eingriffe ins Grundgesetz” habe ich mich bereits entschuldigt. Jemand, der so viel redet wie ich, redet manchmal auch Bl├Âdsinn!

Die Missverst├Ąndnisse in der Debatte waren f├╝r mich so anstrengend, dass ich mich da seit der Wahl in NRW, wo sie mir auch keinen Ersatzplatz im Parlament mit Dienstwagen und so geben wollten. ziemlich konsequent versucht habe rauszuhalten. Ich habe einen Kontrapunkt gesetzt, V-Leute von Freidrich auf Hipsterpodien gebracht – next.

Das Gespr├Ąch mit Sch├Ąuble folgte einer Podiumsdiskussion im Rahmen meines Sommerurlaubs bei der Adenauerstiftung. Dort wurde ich dezent darauf hingewiesen, dass nach der BuVo-Kandidatur von mir ein neuer Weg alternativlos sei. Das erste Mal seit Monaten besch├Ąftigte ich mich wieder mit der Frage: PR? Nochmal zur Wahl stellen? Wirtschaft? Will ich das? Am n├Ąchsten Tag folgte nun das Gespr├Ąch mit Sch├Ąuble. Wir sprachen auch ├╝ber die Herausforderungen der digitalen ├ära und er beschrieb, wie er den grossen Lauschangriff damals auf den Weg brachte. Und pl├Âtzlich machte es Klick in meinem Kopf und ich verstand, was Datenschutz ist und welche Rolle er in unserer Gesellschaft keinesfalls mehr spielen darf. Nicht, dass der Prozess nicht schon l├Ąnger im Gang war, ich hatte mir ja schin bei Liquid Feedback so ein paar Gedanken gemacht, wie man feindliche Trolle ausl├Âschen lassen kann – aber dieses Gespr├Ąch war nur der Tropfen, der dass Fass zum ├ťberlaufen brachte. Nun k├Ânnen nat├╝rlich ein paar Leute sagen “Ha, habe ich es doch gewusst!” aber .. naja, alles unter 30 und besonders der ganze Piratenscheiss f├Ąllt unter Jugends├╝nde, richtig? ;)

Nicht falsch verstehen: Ich denke immer noch, dass Datenschutz ein gesellschaftliches Teilelement ist, dass der Name nicht angemessen f├╝r das Ziel erscheint (aber das tut der Feminismus auch nicht :o)) und dass wir systemische Probleme haben, kein “Datenproblem”. Ich denke inzwischen auch wieder, dass privat nicht per se gut ist. Aber das Ganze hat sich ausdifferenziert. Ich denke, dass die Idee hinter Datenschutz wichtig ist, dass wir aber vorsichtig sein m├╝ssen, dass aus Liebe zum Datenschutz nicht die Rechtlosigkeit im Internet wird.

Und erst am Ende dieses Prozesses konnte ich f├╝r mich mit guten Gewissen sagen: Ja, ich will Junior Consultant werden und ja, ich kann Ihre Firma und die ├ťberwachung mit gutem Gewissen vertreten. Ohne diesen Denkprozess, ohne das Gespr├Ąch mit Sch├Ąuble, h├Ątte ich es niemals gewagt mich zu bewerben und mich mit einem A4 als Dienstwagen zufrieden zu geben. Siehe 2010, als ich mit der Spackeria auch schon voll auf Ihrer Linie lag.

——————-schnapp———————-

Achtung Satire (mehr oder weniger)! Original-180-Gradwendung der nach Eigenbehauptung Ex-FDP-Ex-Spackeria Schramm hier:

wiki.piratenpartei.de/Benutzer:Julia/BuVo/Kandidatur/Interviewgeschichte

8.3.2012 | 16:51 von DonAlphonso

Das verschollene H├Ąuserprojekt von Jens Best

Erinnert sich noch jemand an Jens Best?

Das war der Typ, der sich Im Sommer 2010 im Zusammenhang mit Google Streetview bei diversen Medien vorsprach, und sowas wie eine crowdgesourcte STASI zum Ablichten von verpixelten H├Ąusern gr├╝nden wollte. Die sollten dann gegen den Willen der Verpixler zwangsonline gestellt werden, weil, was so ein Jens Best ist, l├Ąsst sich doch nicht vom Willen anderer Leute aufhalten. Besonders nicht, wenn es mit Matthias Kremp von Spiegel Online auch noch jemanden gibt, der so einen als “Deutschlands gr├Â├čter Street-View-Fan” ganz gross in dieser Gosse herausbringt. Es war die Zeit der grossen Hysterie, wenn ich nochmal an die sch├Ânsten Zitate erinnern darf.

Naja.

Und dann gr├╝ndete Jens Best eben seine Aktion, schuf Regionalgruppen, die die Drecksarbeit aus dem Anonymen heraus vor Ort erledigen sollten, aufgestellt nach Bundesl├Ąndern, baute ein Forum auf, bei dem man sich ├╝ber Streetviewgegner aufregen und absprechen konnte, und alle wollten sie losziehen, gleich nach der n├Ąchsten Clubmate, und etwas daf├╝r tun, dass dieses r├╝ckst├Ąndige, paraniode Land endlkich keines mehr ist, f├╝r das man sich sch├Ąmen muss, wenn man abgefuckte Clubmatetrinker aus dem Easyjetset anderer L├Ąnder traf. Die tun was gegen Verpixelung und “digitale Stadtverschandelung”.

Und es gab dann f├╝r jene, die vielleicht noch eine zweite Clubmate tranken, auch noch die Agentur Compuccino. Die brachte f├╝r Sesselantiprivacykrieger eine Seite ins Netz, auf der man schon mal verpixelte H├Ąuser markieren konnte, damit die Einsatzgr├╝ppchen von Jens Best im Internet die Ziele ihrer T├Ątigkeit einfach nur abholen mussten. Die einen suchten und markierten, die anderen marschierten und schossen.

Naja.

Aber irgendwie machen sie nicht mehr Deutsche wie fr├╝her. Ja, fr├╝her, da zitterten die morschen Knochen, wenn sie kamen, aber heute muss erst mal Clubmate sein und dann sehen wir weiter, wenn kein neues Projekt kommt.

Oder die Berliner haben, wie es ja ab und zu auch bei einem anderen Protagonisten des damaligen Aktionismus (huhu MSPRO!) anklingt, auch zu wenig Geld f├╝r eine Fahrkarte.

Ausserdem kam dann der Winter. Das ist nicht die beste Zeit zum Photographieren.

Ja, alo, diese Ortsgruppen, also, nach dem ersten, durch die Medien verursachten ├ťberschwang… da blieb dann irgendwie die Crowd aus.

Und die Bilder, da hatte man schon welche, aber nicht so viele, naja, vielleicht noch eine Clubmate.

Und irgendwann knipste dann jemand das Zwangsforum von Jens Best aus – vielleicht er selbst?

http://streetview.mixxt.de/

Die Community ist derzeit deaktiviert

Die Community wurde vom Gr├╝nder vorr├╝bergehend deaktiviert. In diesem Zustand kann die Community besser bearbeitet werden. Bitte habe ein wenig Geduld und versuche es zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt erneut.

Daf├╝r ist der Jens Best aber nicht zu seinen Freunden bei SPONschleim gerannt und hat ihnen gesagt, dass das alles nix richtiges wurde. Ja warum nur? Das w├Ąre doch auch mal eine Geschichte gewesen: Der gr├Âsste Streetview-Fan gibt allerkleinst bei! Und die Leute von Compuccino sind auch nicht mehr da:

http://findedaspixel.de/

Diese Website ist nicht mehr verf├╝gbar

This site is not longer available

Aber keine Pressemitteilung dazu. Wie kann das passieren? Vielleicht ├╝berlegen sich die ehemaligen Mitl├Ąufer beim n├Ąchsten derartigen PR-Stunt aus Berlin, vor wessen Karren sie sich da spannen lassen. Sowas macht das Internet nicht sch├Âner und Streetview nicht besser und Deutschland nicht offener.

Man merkt nur, wie laut, mediengeil und inkompetent Teile der sog. Internetszene sind.

5.3.2012 | 5:19 von DonAlphonso

Postprifaschismus ist

wenn einer bei Twitter auf einen kritischen Text ├╝ber eine Expostprifaschistin und ihre Entourage verweist, Du es dann wagst, ihn zu retweeten, und prompt von einem Oberpostprifaschisten dieser Entourage daf├╝r ├Âffentlich ger├╝fftelt wirst, nur weil Du auf etwas hinweist, was ein anderer verlinkt hat zu einem, der etwas gesagt hat – ich schreibe das mal auf, damit man es im Sinne der postprifaschistischen Ideiologie ├Âffentlich nachvollziehen kann, wie das so l├Ąuft:

Bea Pirat├ę ‏ @beapirate
Oke oke ich habe einen text retweetet der gegen @laprintemps rantet. Kein Statement aber informiert euch selbst. :-/

fasel ‏ @fasel
@beapirate das irritierte mich @laprintemps

Bea Pirat├ę Bea Pirat├ę ‏ @beapirate
@fasel @laprintemps Mich irritieren die Reaktionen auf einen retweet deutlich.

fasel ‏ @fasel
@beapirate loose retweets sink fleets

Bea Pirat├ę Bea Pirat├ę ‏ @beapirate
@fasel i beg to differ

Wir lernen: Man soll zwar alle seine Daten frei ins Netz stellen, aber nicht alle freien Meinungen. Besonders nicht, wenn sie abweichen. Oder darauf verlinken oder es retweeten. Wie ich schon sagte: Postprifaschismus, die Ideologie, bei der Du alles ans Netz abliefern musst, damit die anderen ihre Herrschaftsmobbopolkompetemz ├╝ber Dich ausdissen k├Ânnen. Google, Facebook, Fasel, der ganze Dreck der Datensauger. “Google hat keine Wasserwerfer und Facebook kann mir nicht die T├╝r eintreten”, sagte Fasel mal dem Handelsblatt.

Aber f├╝r seine Ideologie bei einem Retwwet sofort ├Âffentlich anraunzen, das kann der Fasel. Was hat sowas eigentlich bei den Piraten verloren? Oder liegen da nur die Nerven blank, weil die eine (Julia Schramm, laprintemps) gerade schaumgebremst die 180-Grad-Wende zur Datenschutzfreundin und Nichtmehrvulg├Ąrblafferin hinlegen muss, um bei den Piraten in ein Amt gew├Ąhlt zu werden, uind ein anderer dann an ihrer Stelle eben die Drecksarbeit macht, um die Debatte um den Vorgang klein zu halten? Schliesslich ist Bea Pirate f├╝r die Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus und hat viele Piratenfollower. Postprivacy w├Ąre es ja, wenn diese Leute aus der Postprivacyszene offenlegten, was sie dazu treibt, sich so zu verhalten.

(Postprivacy ist sowas von 2011, wird man hoffentlich bald sagen)

27.2.2012 | 23:01 von DonAlphonso

Postprivacy bei der politischen Arbeit

Wenn die Piraten nicht eine Partei w├Ąren, die drauf und dran ist, in den Bundestag zu kommen, w├Ąre die Geschichte vielleicht lustig.

Wie auch immer: Gestern ert├Ânte ein Hilferuf im Netz. Die unter “Lotterleben” twitternde Bloggerin und Piratin schrieb bei sich einen Beitrag, wie entsetzlich sie all die Shitstorms innerhalb der Piraten mitnehmen w├╝rden:

Nach meinem ersten Heulkrampf wegen einer Scheisseb├Âe habe ich versucht, herauszufinden, wie man dem entgegentreten kann. Wie man sich und andere sch├╝tzen und selber nicht mehr daran teilnehmen kann. Ich versuche seitdem bewusst, nicht mehr zu p├Âbeln (bzw das an meinem Kissen auszulassen), konstruktiver zu werden und anderen den R├╝cken zu st├Ąrken. Ich habe dabei viel dazugelernt, bin aber auch w├╝tender geworden.

Eingeweihte wissen vermutlich, dass diese Piratin aktiv im Bereich “Gender” ist und h├Ąufig im Kegelklub publiziert; eine Art Plattform f├╝r feministisch bewegte Piratinnen, die neben den mittlerweile weitgehend bekannten ├ťberlegungen zur frauenfeidlich/sexistischen Haltung innerhalb der Piraten gerade eine Umfrage analysieren, um das Problem zu erfassen. Und weil nicht jeder die, sagen wir mal, doch recht deutlich feministische Haltung – hat da wer Mohrenlampe gesagt? – teilt, gibt es halt auch Auseinandersetzungen um das Thema. Nicht jede Partei ist restlos begeistert, wenn sich eine Gruppe daran abarbeitet, wie sexistisch und frauenfeindlich es ihrer Ansicht nach zugeht. Streit, F├Ąkalgewitter, ├ärger, innere Distanzierung, w├╝tender Blogbeitrag und dann von vielen Leuten Flausch f├╝r Lotterleben. Alles schon wieder etwas bessser, hoffentlich. Gell?

Tolle @Lotterleben ist toll! #shitstormkritischeratloseria

schreibt Mitkegelklubberin Julia Schramm gestern Abend dazu. Ja, die Frau Schramm, die zugleich auch Mitglied bei der Datenschutzkritischen Spackeria ist, und sich selbst schon ein paar sehr ├Âffentliche F├Ąkalgewitter geleistet hat, was dem Ansehen der Partei vielleicht nicht wirklich zutr├Ąglich war. Aber das hat jetzt ja ein Ende, weil Frau Schramm ja die Position von Lotterleben teilt und ausserdem Bundesvorstand (also Parteichefin) der Piraten werden m├Âchte. Und sie begr├╝ndet das unter anderem so:

Ich komme mit fast jedem klar, bin offline umg├Ąnglicher als online und denke, dass ich mit jedem der jetzigen Kandidaten kooperieren kann. Ich finde die Regelung des jetzigen BuVos in Teilen gut (also sich nicht gegenseitig in den R├╝cken zu fallen)
(…)
Was ich machen werde
Organisieren (wenn man mir Ideen gibt, setze ich sie gerne um.)
denken, schreiben, reden (ich neige deshalb tendenziell zu Selbstzweifeln, Berufskrankheit)
Kompromisse finden und erarbeiten
Vermitteln, Debatten verstehen und alle Seiten ernst nehmen
Reden, l├Ącheln, repr├Ąsentieren (Gr├╝├čaugust)
Projekte vorrantreiben, die eine effizientere politische Arbeit erm├Âglichen

Klingt doch super! Gar nicht nach Randale und F├Ąkalgewitter und Beleidigungen und Anschreien und Pl├Ąrren, sondern ganz dezent und ergebnisorientiert, f├╝r die anderen und das, was sie wollen. Naja, und dann geht die Frau Schramm gleich im Anschluss zu den Gr├╝nen und sagt gleich mal, wie das geht, mit der Zusammenarbeit und dem Nichtindenr├╝ckenfallen, wenn etwa jemand wie der Berliner Fraktionschef eine Erkl├Ąrung f├╝r zur├╝ckhaltende Frauen in der Partei bringt, die nicht in das klassische Unterdr├╝ckungssexistenpostulat passt:

Daf├╝r haben wir ihn auch geshitstormt

Es kommt halt immer darauf an, wof├╝r oder wogegen so ein Shitstorm in der Partei ist, ob man dann lieb ist und weint ob der Brutalit├Ąten, oder ob man das in Notwehr macht. Aber sch├Ân, dass es so offen zugeht! Postprivat├Âs ging es dann heute weiter um die Frage, ob man bei den Piraten Liquidfeedback ausbauen soll, was Frau Schramm haben m├Âchte – hier eine kleine Auswahl der Debattenergebnisse, unter anderem mit dem aktuellen Vorsitzenden:

[Hier steht ein b├Âser Tweet, voler Sarkasmus und Ironie. Und ├╝ber Piraten. Und M├Ąnner.]

ja. ich hasse es, wie die Debatte gef├╝hrt wird. besonders ├Ątzend, wenn leute, die die gleiche meinung haben sie aggressiv f├╝hren

diese debatte ist so kaputt. gruselig. und das in einer “rationalen” partei o.o

aber es wird immer NUR ├╝ber vergangenes geredet, fronten aufgebaut, etc. destruktiv halt.

ich hasse diese diskussion, gerade von den bef├╝rwortern. es ist unertr├Ąglich destruktiv.

Da wird sich der politische Gegner aber freuen, sollte diese Person – oder wer auch immer – Vorsitzende werden. Jaja, die Piraten, da braucht man keine Spione, die U-Boote besorgen das Demontieren der Partei bei Twitter, wenn eine Kandidatin das Wort Rational in Anf├╝hrungsstriche setzt, offen ├╝ber sexistische ├ťbergriffe ihrer Kollegen redet, alles destruktiv findet und gerne mal Sarkastisches ├╝ber M├Ąnner und Piraten schreibt -

wenn sie nat├╝rlich nicht gerade ihre Hilfsshitstormerin h├Ątschelt und schreibt, dass sie eine gute, angenehme Vorsitzende sein will, die auch meint, gut mit Menschen umgehen zu k├Ânnen. Das ist Post Privacy: Offen ausgelebte kognitive Dissonanz. Wenn das jetzt die Republikaner, die jud├Ąische Volksfront oder die AG Gender in der Gesamtschule Wattenscheid w├Ąre… aber es ist eine Partei, die eventuell bald sehr viel mehr politische Macht hat.

Und deren sich vordr├Ąngelndes Personal seine Bekanntheit ├╝ber derartige Einlassungen aufbaut. Es kann sein, dass diese Art der Post Privacy dem einzelnen sogar n├╝tzt, aber insgesamt wage ich es doch zu bezweifeln, dass derartige Offenheit im Netz zusammen mit solchen, ├Ąh, Charakteren die Piraten zu einer besseren Partei machen. Weil: Offenheit ist auch das Wirkungsprinzip der Giftgasflasche.

24.2.2012 | 4:10 von DonAlphonso

Kill Fefe in der Fail-Edition f├╝r Internetzwerge

Irgendwie scheinen gerade ziemlich viele Leute eine starke Antipathie f├╝r Fefe und sein Blog zu empfinden.

Die Typen von der sog. datenschutzkritischen Spackeria, weil sie vermutlich in ihm sowas wie das Zentralorgan einer Szene sehen, die keine Lust auf ihre Postprivacytheorien hat.

Die Leute aus den beiden selbsternannten, vor allen mit Pressemitteilungen auffallenden Lobbyorganisationen, die eine Gr├╝n und die andere Rot und beide nur schlecht getarnt, weil, so vermute ich mal, Fefe den Impact hat, den sie gerne h├Ątten und verkaufen w├╝rden

Etliche nach oben gesp├╝lte Piraten, die gerne was Nettes lesen m├Âchten, nicht nur immer ├╝ber Vetternwirtschaft und lahme PR, und sich nicht gern treiben und shitstormen lassen.

Und dann noch diverse Nebenfiguren des Netzes, die auch gerne vorn dran w├Ąren. Ich denke mal, dass die furchtbar nervt, wie jemand mit so einer ungestalteten Seite ohne Kommentare und Twitter und gegenseitiger Runterholneigung und Schleimerei, die sonst ein integraler Bestandteil jeder Egopromotion sind, das Publikum erreicht, das sie gerne h├Ątten. Und zwar scheinbar m├╝helos und ohne das ├╝bliche Gekr├Ąhe, wie wichtig man doch ist, und wie blendend die Zahlen aussehen

Seit ein paar Wochen grummelte das immer wieder mal so ein wenig hoch, da wurden ├Âffentlich Augen verdreht und Schnaufer abgelassen. Die letzten Tage hat es dann zwei Blogbeitr├Ąge gegeben, die enorm unentspannt waren; einmal von der sich als “gerechtigkeitsliebend” bezeichnenden Julia Seeliger, die f├╝r ihre Privatunterstellungen in Richtung der Piraten und Fefe ihr Blog bei der FAZ missbrauchte [Disclosure: Ich blogge f├╝r die FAZ], und an dieser Stelle f├╝r Fefe das Wort “Verschw├Ârungstheorie-Blog” benutzte [http://faz-community.faz.net/blogs/allerseelen/archive/2012/02/19/warum-stellen-die-piraten-georg-schramm-auf.aspx]. Und dann noch die Raummaschine, deren Folgen man hier betrachten kann: Fefe sei die Bild f├╝r Nerds, ein Vorwurf vermutlich so alt wie sein Blog, aber diesmal plakativ und nach vorne gebracht und vertwittert von vielen Helfern.

Wie auch immer, jetzt ist es mal draussen, es wird gejohlt und gepfiiffern, und ich habe da eine Frage:

    F├ťR WIE BESCHEUERT HALTEN DIE DIE LESER?

Ich mein, Fefe macht an keiner Stelle einen Hehl daraus, dass er voreingenommen ist. Steht so auch in seinem Blog. Fefe macht manchmal Fehler, ist bisweilen vorschnell, stark linkabh├Ąngig und mitunter sehr polemisch. All das in sch├Ânster Offenheit. Man muss schon den IQ einer degenerierten PR-atte haben, um das nicht zu verstehen. Den allermeisten d├╝rfte klar sein, dass sie dort nicht die FAZ oder SZ lesen, sondern jemanden, der aus einer klar erkennbaren Ecke kommt und f├╝r seine Vorstellungen streitet. Und die nehmen dann das mit, was sie unter Einbeziehung von Fefes Haltung f├╝r richtig halten. Das ist dann auch der fundmentale Unterschied zur Raummaschine, die ausgerechnet einen beleidigten Postprivatisten als Zeugen gegen Fefe bzw. Frank Rieger vom CCC anf├╝hrt, oder der gr├╝nen Selbstdarstellerin Seeliger, bei der man erst mal den Twitteraccount finden muss, um zu begreifen, dass da nicht eine neutrale Reporterin emp├Ârt ist, sondern eine Spielerin im System der Netzaktivisten feixend ihr eigenes Ding macht.

Und ich finde es h├Âchst erstaunlich, dass diese Vorw├╝rfe an Fefe bzw. seine folglich geistig recht niedrig eingestuften Leser ausgerechnet von Apparatschiks kommen und vertreten werden, die sonst nicht m├╝de werden, das Hohelied auf das Netz, seine Intelligenz und das erstaunliche Geschick seiner Nutzer zu singen (idealerweise, wenn die Nutzer sie selbst sind). Die sind alle ganz toll im Filtern und Auffassen und irgendwie total dufte T├╝pen, die dicke, warme Zukunft, kluge Menschen, die vor ├ťbergriffen der b├Âsen Politik und ihrer Nixchecker besch├╝tzt werden m├╝ssen. Aber wehe, sie lesen Fefe! Dann sind sie gleich wieder die Deppen, der Mob, die Kamarilla, unbelehrbare Fieslinge, ziemlich genau das, was von der CDU und anderen Internetausdruckern ├╝ber das Netz verbreitet wird. Dass die Leute mit den Inhalten dort kritisch und autonom umgehen k├Ânnen, wird erst gar nicht in Erw├Ągung gezogen.

Nat├╝rlich ist Fefe eine Herausforderung f├╝r diese Leute. Weil er wie sonst niemand in Deutschland im Bereich der Netzpolitik entscheiden kann, ob ein Thema hochkommt und Reichweite erh├Ąlt. Fefe hat eine Reichweite gr├Âsser als wichtige Nachrichtenmedien, und so gut wie keine Streuverluste. Wenn sich Leute auf Demos als “Fefes Block” bezecihnen, dann ist das zuerst mal nur der Hinweis, dass das Blog als Meinungsmedium funktioniert. Und solange da keine frei entstandenen Bl├Âcke von Netzpolitik, Digiges, D64, ElRep, der Spackeria, den daueremp├Ârten Gendertr├Âten. Politkommklitschen, Tanten und Zeitrafferinnen rumlaufen, muss man vielleicht auch mal einsehen, dass Fefe nicht nur einen guten Job f├╝r seine Leute macht, sondern die anderen irgendwelchen Krempel, mit dem sich keiner wirklich identifiziert.

Und das hat Gr├╝nde. Gr├╝nde im m├╝ndigen Nutzer. Denn selbst, wenn Fefes Blog weg w├Ąre, w├╝rde deshalb trotzdem jeder merken, dass die verbleibenden Gnome nach Anerkennungssucht stinken. Fefe macht halt im Guten wie im Schlechten, was er f├╝r richtig h├Ąlt. Andere machen es f├╝r Zugang zu Parteien, f├╝r das Recht, jede K├Ârper├Âffnung Google hinzuhalten, nachdem Opel und Vodafone nicht mehr schmieren, f├╝r einen Expertenstatus bei einer Enquete-Kommission, f├╝r Vortr├Ąge bei Stiftungen und die Hoffnung, dass sie beim Goetheinstitut Tripolis vielleicht mal was ├╝ber Postprifaschismus erz├Ąhlen d├╝rfen, f├╝r Prozente bei Wahlen oder f├╝r Hoffnungen von Brontosaurierparteien, oder nur, um als Experte weiterhin angenehme Dinge ├╝ber Freunde beim ZDF unterzubringen.

Sicher, es ist eine sch├Âne Hoffmung: Wer sich einreden l├Ąsst, dass Fefe die Bild und ein Verschw├Ârungstheoretiker ist, der glaubt auch, dass die anderen absolut selbstlos f├╝r die Interessen der Nutzer k├Ąmpfen. Man w├Ąre halt gern auch so einen Fefe. Was man damit alles anstellen k├Ânnte! Wer einen dann anh├Âren m├╝sste! In jeden Internetbeirat k├Ânnte man, an jedem Trog fressen, man k├Ânnte um der guten Sache wegen Gegner vernichten und ├╝berhaupt…

Ich bin mit Fefe nicht befreundet und habe ihn nie getroffen, ab und zu gibt es Links und Mails. Aber das darf ich sagen: Ich bin heilfroh, dass dieser Impact bei Fefe ist. Und nicht bei den abges├Ągten Zwergen mit den “Reduziert”-Schildern im Bloggerausverkauf.

21.2.2012 | 1:17 von DonAlphonso

Gauck, das Netz und die Speichellecker

So, “das Netz” ist also gemein zu Herrn Gauck. In vielen Blogs steht so viel B├Âses ├╝ber Herrn Gauck. Man kramt alte ├äusserungen und Bilder hervor, man sagt, dass er nicht der Pr├Ąsident dieses “man” sei, man ├Ąrgert sich ├╝ber die ein oder andere Entgleisung, und so schnell, wie Apologeten des Herrn Gauck Erkl├Ąrungen und Entschuldigungen bringen, tauchen neue Details auf. Manche ├╝berraschend langlebig und garstig. Naja, DDR halt: Da war einiges im Busch, und nachdem die Akte weg ist, wer weiss schon, was da noch kommt.

Kurz, w├Ąhrend die Medien jetzt schon wieder den Kotau machen, beschweren sie sich gleichzeitig dar├╝ber, dass andere, die nicht so viel mitschnabeln k├Ânnen, die ein oder andere Frage haben. Die gleichen Medien, die bei der letzten Runde all die tollen Geschichten ├╝ber die moderne Patchworkfamilie in Bellevue verfasst haben, haben es eben gern ordentlich: Es gibt eine Zeit zum Hochschreiben und eine Zeit zur Vernichtung. Beides mag vielleicht nicht bsch├Ân sein, aber beides bringt Auflage.

Dauernde Fragen aus dem Netz st├Âren nat├╝rlich bei der Jubelfeier, und sind eine willkommene Gelegenheit – mal wieder – den Medienlesern vorzuf├╝hren, wie gemein und haltlos doch diese anderen da draussen argumentieren. Das Volk will Gauck, das Volk will vielleicht auch den Dreeckk├╝bel voller Opportunisten und Speichellecker, die bei der Inthronisation jetzt erst mal die Rolle der niedrigen Priesterschaft f├╝r das Volk ├╝bernehmen, und dabei die p├Âhsen Ketzer benennt, die sich nicht sofort im Staube w├Ąlzen.

Dabei k├Ânnte man vielleicht auch mal dar├╝ber reden, was das bedeutet:

1. Das Amt als solches ist fraglos schwer besch├Ądigt, wenn jedem Neuen gleich mal das geballte Misstrauen entgegen schl├Ągt. Der eine wollte mit der Bundeswehr die Industrie f├╝ttern, der andere sich von der Industrie f├╝ttern lassen: Da wird man halt misstrauisch und verf├Ąllt nicht sofort in Verehrungsstarre. Man hat so seine Erfahrungen mit diesen Leuten. Und weil es auch diesmal so l├Ąuft wie immer, ist der Prozess f├╝r sich genommen kein Grund, die Haltung zu ├Ąndern. Und das ist nicht das Problem des Netzes, sondern das Problem der Schuldigen.

2. Der Neue wird nicht nach dem beurteilt, was Medien jetzt Nettes hofberichten (und seien wir ehrlich, das w├Ąre bei dem redenden Geschmacksmordj├Ąckchen aus Frankfurt nicht anders gewesen), sondern nach dem, was man hat, findet und nachlesen kann. H├Ątte Gauck die letzten anderthalb Jahre damit zugebracht, eine kluge Rede nach der n├Ąchsten zu halten, w├╝rde man sich vermutlich auch daran halten. Hat er nicht getan? Ja dann. Dann nimmt man, was man kriegen kann. Jeder muss selbst wissen, mit welchem Maschmeier er sich ablichten l├Ąsst.

Nat├╝rlich ist das nicht immer nett, aber so ist das nun mal in Demokratien, die mitunter undemokratisch Leute einstellen: Es gibt ein Grundrecht zur freien Willensbildung und ein weiteres zur Meinungs├Ąusserung. Wem das nicht gef├Ąllt, sollte sich bei der Willensbildung reinh├Ąngen und nicht erwarten, dass “das Netz” auf Zuruf der Johurnaille nun den Traum des einig zu Gauck aufschauenden Volkes erf├╝llt. Da helfen auch keine billigen Slogans und kein ├Âffentliches Wendehalstum zur Selbsterh├Âhung, wenn man 24 Stunden davor gerade noch ├╝ber andere dicke L├╝gen ├╝ber die Piraten verbreitet hat: Das Netz ist nun mal nicht netter als das, was man in es hineinkippt.

Und mit etwas Gl├╝ck hilft das Netz ja auch mit seiner kritischen Haltung, den bezahlten Redenhalter da oben daran zu erinnern, dass er sich ranhalten und einen guiten Job machen soll, wenn schon das bisher Gezeigte eher nur so mittelgut war. So eine Art Kontrollfunktion, die immer pr├Ąsent ist, wenn die anderen mal wieder ihren Kr├Ânungsrausch ausschlafen.

27.10.2011 | 12:02 von DonAlphonso

Im Westen nichts neues ausser Leichen

Sooo, der grosse Relaunch von derwesten ist da, und wenn es auf der einen Seite Gewinner gibt – die Printleute mit ihren eigenen Regionalportalen der WAZ-Gruppe – gibt es auch Verlieren. Die Blogs von derwesten n├Ąmlich. Die sind weg:

Liebe Leserin, lieber Leser,

die von Ihnen gew├Ąhlte Seite existiert leider nicht oder nicht mehr. M├Âglicherweise verwenden Sie einen veralteten Link oder ein altes Lesezeichen. Sollten Sie weitere Fragen haben, schreiben Sie uns gerne eine E-Mail.

Ingeborch Schubiak und die anderen sind nat├╝rlich theoretisch noch da, man findet sie quasi im HTML-M├╝ll der unaufger├Ąumten Datenbanken. Das Horoskop ist jetzt bei den Horoskopen. Nun ja.

Oder ├╝bersehe ich was? jedenfalls habe ich geschaut und nichts gesehen. Nun denn.