Ich kenne eine Handvoll Schriftsteller der j├╝ngeren Generation, sei es, dass sie mit mit ihr Debut hatten, sei es, dass man sich auf Events, Lesungen und so weiter kennengelernt hat. Alle haben eine Email, alle haben meistens das Nortebook dabei, und in vielerlei Hinsicht ist das Internet auch eine Inspirationsquelle. Allen gemein sind auch die Klagen ├╝ber den Betrieb: Die lahmen Verlage, die Zeitschriften, die keiner liest, die Probleme, auch mal kleinere Dinge zu machen und vor Publikum auszuprobieren. Jeder von denen weiss, dass es Blogs gibt, die meisten haben meines und die paar anderen Blogs von ISBN-bewehrten Leuten auch mal angeschaut. Kein Interesse.

Es gibt mit Sven Regener eine Ausnahme, auch wenn man ihn zu denen z├Ąhlen kann, die laut Zeit-Online-Boss und ostelbischem Blogmolester f. Randow “regelrecht eingekauft” wurden. Es gibt noch ein paar altbloggende Schriftsteller, aber auch da sind Verluste zu vermelden. Es gab ein paar Blogs, wo jemand under cover blogte, aber die, die ich kenne, wurden bald wieder eingestellt. Vom Protoblog AmPool, von dessen Revival immer wieder geredet wurde, bleibt nur die geparkte Domain ├╝brig. Gut, es gibt ein paar Blogger, die Books on Demand (BOD) ver├Âffentlichen oder sich anderweitig mit Zuschussverlagen abgeben, was der Literaturbetrieb als solcher aber gar nicht mag.

Und damit sind wir auch schon bei den Gr├╝nden, warum nichts aus der Liebelei zwischen Blogs und Autoren wurde. Obwohl man damit seine Fans bei der Stange halten kann, ├Âffentlich pr├Ąsent ist, jederzeit auch die krudesten Texte ausprobieren kann und das Feedback der normalen Leser bekommt, das im Betrieb so selten ist. Es gibt in dieser Szene zwei grosse Vorurteile, das erste hat mit den BODs zu tun: Der Gedanke, man w├╝rde etwas umsonst schreiben, Texte verschenken, die im Betrieb normalerweise verwertet, sprich bezahlt werden. Texte eines Buches ins Netz einstellen, du lieber Himmel, wo kommen wir denn da hin. Der Marktwert von Autoren richtet sich im Betrieb nach den Prozenten, die sie bekommen, nach dem Vorschuss und der Auflage, den Preisen und besonders den Preisgeldern, man mag oft gar nicht glauben, wie bodenst├Ąndig da pl├Âtzlich die Literaten sein k├Ânnen. So ein verschenkter Text jeden Tag ist das Gegenteil dessen, worauf einen der Betrieb polt. Und dann ist da noch das Misstrauen gegen├╝ber dem Internet und den Lesern da draussen, die nicht durch die Eingangst├╝r der Buchhandlung vorsortiert wurden. Im Gegenteil, man nimmt an, dass Leute, die viele B├╝cher lesen und den Hauptmarkt (in der Regel gebildete Frauen zwischen 30 und 60) ausmachen, eher selten im Netz sind. Im Netz sind die Chaoten, die Pornorunterlader, aber – nach Meinung meiner Bekannter – eben nicht die, die B├╝cher kaufen.

Daneben ist auch noch schlichtweg der Zeitmangel, und, vermute ich, schlichtweg die Angst, dass man da draussen nicht mehr der qua Verlag hierarchisch abgesicherte K├Ânner ist, sondern von alles und jedem angelabert, verh├Âhnt, attackiert, gemobt und in jeder Hinsicht in der Lesergunst ├╝berholt werden kann. Das grunds├Ątzliche Problem der Journaille, von der einseitigen Sender-Empf├Ąnger-Kommunikation auf eine Dialogkommunikation auf fast gleicher Augenh├Âhe umzustellen, betrifft die weitaus bessere Gesellschaft (Vorsicht Ironie) der Literaten im Fundament ihres Selbstverst├Ąndnisses. Und tats├Ąchlich gibt es in der Blogosph├Ąre genug zu Recht oder zu Unrecht (bislang noch) verhinderte Schriftsteller, die mit ihren Kommentaren zum Bachmann-Wettbewerb und ├Ąhnlichen Eiert├Ąnzen des Betriebs eine wenig systemfreundliche Meinung vertreten.

Weshalb meines Erachtens auch 2006 die Literatenblogs eine Ausnahmeerscheinung sein werden. Es sei denn, es gibt ein einen Bloggerdebutanten, der auf Platz 1-5 der Spiegelbestsellerliste landet. Dann, dessen d├╝rfen wir uns gewiss sein, kommt die Invasion der Nachahmer. Denn der Erfolg ist letztlich der einzige Treibstoff des Systems, in dem Literaten agieren. F├╝r den Erfolg steigen sie mit Lektoren ins Bett, erdulden die Schwachk├Âpfe in Klagenfurt und die neidischen Hunde der Journaille, von denen jeder zweite auch ein Manuskript rumliegen hat – daf├╝r, so viel ist klar. w├╝rden sie sogar bloggen.