“I seem to have ruined everybody’s brandy and cigars and dreams of victory and war.”
Rhett Butler, Gone with the wind

Angesichts der diversen Aufreger, die die letzte Zeit die Runde gemacht haben und die mitunter etwas wirkungslos verpufft, mitunter aber auch die Bonker gesprengt haben, eine kleine strategische ├ťberlegung, wie man als Blogger Dinge durchsetzen kann.

1. Der Jamba-Ansatz (Der Stosstrupp): Ein Thema liegt in der Luft, ein kleiner Blogger greift es auf, zieht es as Anf├╝hrer an der Spitze konsequent durch und alle anderen folgen mit Gebr├╝ll. Kann, wie im Fall von Jamba, zu einer Menge negativer Aufmerkamkeit f├╝r die Firma und massive Imageprobleme f├╝hren.

2. Der Transparency-International-Ansatz (Die Panzerspitze): Ein Thema passiert einem kleinen Blog, aber es findet sich ein schlagkr├Ąftiges Team von Leuten, die wissen, wo der Barthel den Most holt und man der anderes Seite weh tun kann. Die nehmen sich dann gezielt die Organisation und ihre Helfershelfer vor. Folge wie bei Jamba.

3. Der StudiVZ-Ansatz (Tieffliegerangriff mit P-38 Lightnings): Ein Thema f├Ąllt jemandem auf, der recherchiert rum, findet noch ein paar andere Entschlossene und Munition bis zum Abwinken. Jeden Tag ein gezielter Angriff, weil genug Feuerpower da ist, bringt irgendwann den Lagen in Schieflage, bis er pfeift und Leute losschickt, die einem dann schleimige Angebote machen, die weiter was in Fresse bedeuten. Stay tuned, heute Abend gibt es wieder Rizinusdi├Ąt im Bonker.

4. Der Abmahnungsgesetz-Ansatz (Sabotage): Ein Thema wird viral verbreitet, alle sind sich einig und machen Druck auf diejenigen, die den Lauf der Ereignisse bestimmen.

5. Der Saftblog-Ansatz (wirrer Sturmangriff auf gesicherten Sch├╝tzengraben): Ein Thema wird in die Blogs getragen. Alle br├╝llen rum, jeder macht, was er meint, man wirft ziellos Granaten, schiesst in die eigenen Reihen, von irgendwoher tauscht ein dummdreister Profilneurotiker auf und br├╝llt Waffenruhe, obwohl das Gegenteil der Fall ist, keiner weiss, was jetzt genau los ist, und am Ende sind alle irgendwie schlechter dran als vorher.

Freunde der Blasmusik: Blogs haben eine Menge Macht und Durchschlagskraft. Im Laufe der Jahre gibt es die Entwicklung, dass mit weniger Bloggern viel gr├Âssere Geschichten gefahren werden k├Ânnen. Desto entschlossener und ├╝berlegter einzelne den Kurs der Debatte bestimmen, desto besser l├Ąuft die Sache. Irgendwelche winselnde Scharlatane oder Zersetzer oder Kriegsprofitler aus PR, Marketing und obskuren englischen Ltds. werden von den Ereignissen einfach ├╝berrollt, weil sie allenfalls reagieren k├Ânnen, aber nicht den Lauf der Ereignisse bestimmen. Haut ihnen aufs Maul und dann weiter. Das heisst nicht, dass es immer “funktionieren” muss, vielleicht ist es auch mal ganz gut, wenn die Selbstzufriedenheit der Blogosph├Ąre mal fett was auf die Schnauze bekommt, wie im Fall vom Saftblog. Das heisst auch, dass man sich der eigenen Macht bewusst sein muss. Und es bedeutet, dass man nachdenken muss, bevor man mitbr├╝llt. Gewisse Geschichten wie der Fall “Unister” und “Z├╝ndfunk” waren jetzt nicht wirklich Glanzleistungen der Bloggersolidarit├Ąt, und wenn es ganz mies l├Ąuft, kommt einmal eine Firma auf die Idee, Blogger als leicht erregbar, schnell hinschreibende Horde zu missbrauchen. Vielleicht machen sich jetzt ├╝ber fdie Feiertage die Betroffenen ein paar Gedanken, wie wir nun die Macht und die Kraft einsetzen, die wir uns selbst erarbeitet haben.

Entscheidend ist es immer in solchen PR-Konflikten – denn genau das sind die Blogwars – nie die Offensive aus der Hand zu geben. Immer ein Druckmittel mehr haben, als man ver├Âffentlicht. Dem anderen keine Chance geben, sich zu erholen. Einen Plan haben, und den kompromisslos durchziehen, und von vorne f├╝hren, nicht irgendwelche Pr├Ątorianer vorschicken. Nicht lang rumquatschen, sondern sich einfach mit den relevanten Leuten abstimmen, die helfen k├Ânnen und losschlagen. Und genau ├╝berlegen – wo ist die schw├Ąchste Stelle des Gegners. Wo erwartet er keinen Angriff. Und immer an die goldene Regel der Partisanen denken: Der Partisan greift niemals zweimal von der gleichen Seite an.

Ja, ich weiss, viele m├Âgen diese militaristische Sprache nicht. Aber hey, PRoleten richten auf der anderes Seite seit langem War Rooms ein, die Konflikte von Bloggern mit anderen sind genau die PR-Krisen, die War Rooms auf der anderen Seite erfordern, und wer meint, dass diese Konflikte ab und zu sein m├╝ssen (der Verfasser geh├Ârt durchaus dazu), sollte sich ├╝ber den Charakter der Auseinandersetzung keine Illusionen machen. Es ist nun mal so, dass es jeden von uns erwischen kann, da ist es nicht dumm, sich vorher zu ├╝berlegen, was man tut. Ich sage das hier und jetzt, weil ich es mit Euch bereden will – und nicht mit den PRoleten, die mir in den letzten Wochen vier hochdotierte Einladungen geschickt haben, ihnen das mal zu erkl├Ąren, und zwar genauso hart, wie es oben steht. Mache ich nicht. Die sollen keinesfalls besser werden, und weil sie nicht dabei waren, k├Ânnen sie auch nichts mit den Geschichten anfangen. Aber wir m├╝ssen noch viel lernen, denn wir stehen gerade erst am Anfang einer neuen medialen Entwicklung, und es ist f├╝r die Selbstbestimmung der Blogger meines Erachtens absolut entscheidend, dass wir selbst definieren, wo die Grenzen dessen sind, was wir zulassen. Was das ist, wo es gerechtfertigt ist, dar├╝ber k├Ânnen wir gerne intern streiten, und am Ende ist wieder jeder individuell f├╝r das verantwortlich, was er tut, weil wir keine Masse sind, sondern Individuen – aber wenn es dann losgeht, bitte nur so, dass die anderen die Quittung kriegen.