Meines Erachtens ist die entscheidende W√§hrung des Internets weder Clicks, noch Visits und schon gar nicht Awareness: Der Stoff, aus dem die Zukunft ist, ist das, was Medien bislang fehlt und Blogs gross macht – Gespr√§che. Meine Texte hier und woanders sind die Anreisser f√ľr Debatten, Polemiken, neuen Beziehungen und Rottenbildungen. W√§re das hier ohne Kommentare, es w√§re bedeutungslos. Und es w√§re nur halb so gut, wenn ich micht nicht selbst auf die Debatten einlassen w√ľrde. Der oben sichtbare Texte ist nur ein Drittel meiner Schreibleistung und allenfalls ein Zehntel der gesamten Textmenge, die hier an guten Tagen und bei guten Gespr√§chen entsteht.

Medien ist diese Interaktion scheissegal. Deshalb gibt es sie nicht, wird durch Anmeldeprozeduren erschwert, die Autiren legen keinen Wert auf einen erkennbaren Charakter und Meinung, an der sich Debatten entz√ľnden, und falls man das Mitreden doch zul√§sst, h√§lt es der Autor nicht f√ľr n√∂tig, sich daran zu beteiligen. Was vom Leser zu halten ist, sieht am an der Ausgestaltung der Kommentare: Mitunter 2 Pixel kleiner, und nicht in Str√§ngen angeordnet, so dass der User clicken muss – was dem Inhaltebesitzer Geld bringt. Kurz: Kommentatoren sollen Einnahmen bringen und ansonsten bittesch√∂n nicht weiter st√∂ren.

Ich geh√∂re bekanntlich nicht zu denen, die jeden Bl√∂dsinn des Web2.0 sofort hypen, und ich reagiere auf unverlangte Mails oft pampig. Aber weil ich mich √ľber obigen Clickvieh-Ansatz schon l√§nger √§rgere und dann noch √ľber diesen Beitrag zum Thema Partizipation der Massenmedien gestolpert bin, ist es eine gute Gelegenheit, auf folgenden, im Kern saufiesen, nat√ľrlich parasit√§ren und genial in die L√ľcke platzierten Ansatz hinzuweisen:

Zpeech

Zpeech blendet auf fremden Webseiten ein Fenster mit Kommentaren ein. Zpeech ist eines der Dinge, die f√ľr Internetmedien ohne Kommentare und mit Leckmich-Haltung gegen√ľber den Usern zu einem Alptraum werden k√∂nnen. Wer keine Diskussion anbietet, bekommt sie eben aufgezwungen. Wer Debatten restriktiv handhabt, kann sein blaues Wunder erleben. Zpeech ist so parasit√§r, dass es gleich noch Google Adwords im Programm hat. Sprich, es blendet faktisch eine weitere Werbeebene auf den besuchten Seiten ein. Ich w√ľsste aber nicht, wie man rechtlich dagegen vorgehen sollte, aber genau das ist sicher die erste Idee der typen bei den verlagen, die sogar gegen den Perlentaucher klagen. Kurz, mit Zpeech ist es m√∂glich, den Diskurs auf der Seite zu haben, ohne dass die Seite davon etwas hat.

Ich sage nicht, dass ich da keine Probleme sehe. Eine seitenspezifische Diskussionsgruppe wird sich dadurch eher selten finden. Und ob Zpeech oder eine andere Firma das Rennen macht, kann ich nicht sagen. Problematisch k√∂nnte es im Berich der Pers√∂nlichkeitsrechtsverletzungen werden. Aber was ich weiss ist, dass derartige Ideen mitteklfristig enormen Druck auf Inhaltebesitzer aus√ľben K√∂nnen. Entweder sie machen den Lesern das bessere Diskussionsangebot, oder es findet woanders statt. dabei haben Medien nur auf ihre vertikal konstruierten Angebote Zugriff, nicht aber auf andere Systeme. Zpeech ist so √§hnlich wie Blogger.de – habe ich mich dort angemeldet, kann ich auf allen Blogs – oder bei Zpeech Seiten – kommentieren. Ein Login f√ľr alles. Dazu kommt noch, dass bislang die typischen Blogdiskussionen √ľber klassische Medien begrenzt waren, weil man dort keinen Trackback setzen konnte.Jetzt kann man es direkt dort machen. Und da kommt mir gleich noch eine wirklich ganz, ganz fiese Gesch√§ftsidee:

Hier lesen doch die ganzen Ideenfreaks des Web2.0 mit und ärgern sich die Plötze, dass sie hier was aiufs Maul kriegen. Ich mache Euch ein Angebot: Der Erste, der mir halbwegs sympathisch ist und der einen ähnlich funktionierenden

Träckbäcker

programmiert, der f√ľr dessen User auf allen anderen Seiten als kleine Seite auftaucht und auf die Diskussion in den Blogs hinweist, und gleichzeitig die Diskussion und Bedeutung der Blogs auch darstellt, kriegt hier ein Jahr nichts aufs Maul. Im Ernst, Freunde der Blasmusik: Das wird das “Andere Arbeiten Lassen”-Prinzip gegen die, sie sonst gern andere arbeiten lassen. Und ein wirklich schlimmer Alptraum f√ľr reformunwillige Medien.