Eine Replik. Ich war mit “Rebellen ohne Markt” einer der ersten Nutzer des Counters des Blogdienstes “Blogscout”, als das Ding noch nicht öffentlich wear. Die Idee war damals, einen Counter zu schaffen, der zuverlĂ€ssig war, nicht fĂŒr unschöne Cookies, Spam und Werbung genutzt wurde, und der Aufschluss gab ĂŒber die Unterschiede zwischen echten Lesern und denen, die von Google reingeschwemmt werden. Das ist jetzt Geschichte, Dirk Olbertz hat seinen Counter geschlossen. Und?

Es gibt keine Ragliste mehr. Meines Erachtens ist die Rangliste, die Hierarchie, zusammen mit der Profilierungssucht mancher Blogger ein Problem. Das Ă€usserte sich auch darin, dass “grosse” Blogs mit nicht wirklich sinnvollen Kommentaren zugeschissen wurden, um Traffic auf die eigene Seite zu lenken und das Ranking zu verbessern. Nach meiner Beobachtung hat das etwas abgenommen, als Dirk Olbertz in einem ersten Schritt solche Spampersonen in seiner punktebasierten Liste nach hinten kickte, und jetzt sind tatsĂ€chlich manche 1-Satz-Störer weg.

GetĂ€uscht, erfunden und gelogen wird auch ohne Counter. Es ist im kommerziellen Teil der BlogosphĂ€re nicht unĂŒblich, sich mit erfundenen Zahlen selbst ins GesprĂ€ch bringen, um da vorne mit dabei zu sein. Das nervige GedrĂ€ngel, wie es aktuell ein “Branchendienst” macht, der 4-5000 Medienmacher erreichen will, die Übertreibungen eines Werbenetzwerkes oder irgendwelche Hobbymusiker, die auf ihre Serverstats verweisen und das magische Wort Million niederschreiben – das gehört dazu, wie die Manipulatiosversuche vieler Medien, die Auflagenzahlen möglichst optimistisch zu sehen. NatĂŒrlich könnte da ein von allen akzeptierter und genutzter Counter Abhilfe schaffen, aber die Vergangenheit hat gezeigt, dass in der Selbstbejubelung die “optimierten” Zahlen herangezogen werden. Oft auch mit dem dreisten Hinweis, der Counter wĂŒrde Fehler machen, und die Serverstats seien viel zuverlĂ€ssiger.

Es gab ein paar spannende Dinge, die man beim Counter beobachten konnte: TatsĂ€chlich gibt es manchmal Peaks, und manche frĂŒher bekannten Blogs verlieren oder gewinnen kontinuierlich an Leserschaft. Insgesamt aber hat sich in der Zeit von Blogscout gezeigt, dass die “LeuchttĂŒrme”, die grösseren Blogs, kaum mehr wachsen. Bildblog, Spreeblick, mein Rebellmarkt, Riesenmaschine, das alles dĂŒmpelt schon lĂ€nger auf einem gewissen Niveau, oder verliert sogar an Leserschaft. Nach meiner Auffassung ist das ok, die BlogosphĂ€re ist so gross, da ragen die alle eh kaum heraus, es sind bedeutungslose Zwerge unter hunderttausenden, denen es wurscht ist, was die da machen. Das Ding, in dem wir uns bewegen, ist dezentral, anarchisch und braucht keine kĂŒnstliche Hierarchie, um zu existieren.

Insofern wĂ€re ein Blogcounter, dem sich alle unterwerfen, ihn nicht manipulieren und es als Anlass begreifen wĂŒrden, keine dreisten LĂŒgen mehr zu verbreiten, vielleicht ganz nett. Aber ohe Sanktionsmöglichkeiten hat sich der Counter bisher als Quelle unschöner Verhaltensweisen gezeigt, es ist nicht nur ein Schwanzvergleich, es ist Abwichsen auf der aufgeblasenen Irrelevanzgummipuppe, und das ganze mit einem Benehmen, das auf Dauer einen Kontrollmechanismus unabdingbar gemacht hĂ€tte. Das Ende von Blogscout wird alle wieder zwingen, auf die eigene QualitĂ€t zu achten, wenn sie unbedingt vorne sein wollen – die bequeme Topliste, an deren Spitze man sich einrichtet und die Leser beschert, ist Geschichte. Und darf es auch gerne bleiben.