19.11.2010 | 15:19 von DonAlphonso

Die Bloggererlösung sah auch schon mal besser aus

Mal abgesehen davon, dass sich vieles in der Debatte um Streetview wirklich nur mit der Mediengeilheit von Leuten erklären lässt, die auf keinen grĂĽnen Zweig mehr kommen – finde ich, dass man das alles vielleicht in einem grösseren Kontext betrachten sollte. Die ganze Geschichte der Bloggerei ist ja voll von Aussagen der grandiosen, unaufhaltsamen und alternativlosen Durchsetzung der Zukunft a la Blogger. Wir erinnern uns vielleicht an

- “Print ist tot und in 5 Jahren werden alle bloggen” – naja.

- “Blogs sind dier idale Werbechannel” – naja.

- “PR ohne Blogs ist heute nicht mehr vorstellbar” – naja.

- “Ich mach Eich alle reich” – naja, das sagt Sascha Lobo heute auch nicht mehr, vielleicht kauft deshalb auch kaum jemand sein neues Buch

- Opel, Ebay Blogger Contest, Coke WG, Vodafone, Anation, Blog.de, Börsengang von myblog…. so viele Ideen, so wenig Ergebnisse.

Kurz, man kommt nicht ganz umhin, zwischen den tatsächlich vorhandenen Chancen, wie Hiffington Post, Big Picture und einige andere sie nutzten, und den Ergebnissen in Deutschland eine heftige Diskrepanz zu sehen. Vom Bloggen leben können wirklich nur die allerwenigsten, gut leben – keine fĂĽnf, wĂĽrde ich sagen (Ich könnte einer davon sein, wenn ich es nötig hätte, aber ich bin ja keine arme Sau in Berlin). Und dann sind da noch die Schreihälse, die seit Jahren wenig erfolgreich versuchen, anderen wenig erfolgreiche Social Media Unsinn zu verkaufen, sprich, das Risiko, das sie selbst nicht eingehen, zu kapitalisieren. Von denen rĂĽlpste gestern einer auf Englisch einen Hilfeschrei an Ausländer ins Netz:

Please, my friends from abroad, come in and take a look. This is what we digital pioneers face in this country when we try to build something new. This is a symbol that might explain why we are (in the digital space) great in building copies of successful services from the US, but not in inventing new toys or tools or even companies.

http://www.haltungsturnen.de/2010/11/monument-of-german-angst.html

Und bei dem ganzen Geplärre wegen der angeblich technikfeindlichen Spiesser in Deutschland, die den Fortschritt hassen und zurĂĽck auf die Bäume wollen – frage ich mich eben: Kann es nicht einfach sein, dass es der simpelste Weg der Ablenkung von den wahren Problemen ist, die äusseren Umstände fĂĽr das eigene Versagen verantwortlich zu machen? Ich finde nämlich Deutschland absolut nicht technikfeindlich. Es ist halt nur so, dass zwischen dem, was selbsternannte “Pioniere” fordern, und dem, was fĂĽr den Rest relevant ist, unterschiedliche Bewerungen vorliegen. Es sind Bewertungen, die zu ändern keiner der “Pioniere” je Lust hatte – vielleicht, weil es zum Job gehört, immer ganz vorn dran zu sein, egal wo der Rest gerade ist.

Also, wenn der Rest auf die Vorschläge von ein paar Spinnern aus Agenturen und Selbstdarstellern keine Lust hat: Inwiefern ist das die Schuld des Restes? Und ist das Geschrei letztlich nicht doch nur die Selbstvergewisserung einer mehrfach auf die Fresse gefallenen Vordenkvortäuscherei, die wenigstens einmal im globalen Rahmen als “das richtige tuend” dastehen will, wenn sie sonst auf der ganzen Linie versagt hat? Das feine an der Verpixelung von Streetview ist ja, dass man nicht antreten muss um zu beweisen, dass die eigenen Thesen und Theorien richtig und markttauglich sind: Es reicht, einfach zu quäken, zu schmollen und sich lächerlich zu benehmen, um “Recht” zu haben, der Rest der Welt wird es schon richten, wenn selbst Papa und Mama pixeln lassen. Es ist der einfachste Sieg von Leuten, die bislang nur verloren haben. Und auch in Zukunft derartige Ausreden weiter brauchen werden.

18.11.2010 | 15:34 von DonAlphonso

Wer wird der Streetview-Irre bei der Tagesschau?

Heute ging bekanntlich das sehr lĂĽckenhafte Streetviewprojekt von Google online – und ich kann fĂĽr MĂĽnchen sagen, dass es mit dem Widerstand ziemlich gut gelaufen ist, die Häuser sind in meiner Umgebung so dezimiert, wie ich mir das eigentlich fĂĽr Berlin wĂĽnsche, weil der Reichshauptslum eigentlich im Mai 45 nicht äh ach so ich wollte ja etwas ganz anderes sagen:

Gerade läuft im Netz der Erregungsmarathon der Streetviewfreunde. Ziemlich viele Menschen tun sich gerade mit irren Aussagen hervor, und man muss schon sehr durchgeknallt sein, um darunter noch wirklich aufzufallen. Vermutlich ist es das Rennen um den Interviewplatz als möglichst abgedrehter Internetaktivist, das man hier beobachten kann.

Auf der einen Seite haben wir natürlich die bereits medienerfahrenen Favoriten. Chris Stöcker von Spiegel Onschleim etwa

#streetview brutal: Häuser unverpixelt, Hauseingänge zugemauert.

kann sich vermutlich auf die Reputation seines Hauses verlassen. Mario Sixtus (inzwischen ziemlich entprojekteter Web-TV-Macher) retweetet nur Jeff Jarvis, der vermutlich zu amerikanisch fĂĽr deutsches TV ist. Sascha Lobo gar schweigt bislang nur, dito Jens Best, dessen Verklagung ich nicht ablehnend gegenĂĽberstehe. Wissen die vielleicht, dass das Rennen schon gelaufen ist? Gibt es Absprachen, die die anderen noch nicht kennen? Man weiss es nicht. Spannung!

Derjenige, der am lautesten und schnellsten geschrien und die ersten Bilder verpixelter Häuser gebracht hat – ist mspro oder Michael Seemann oder auch: Der Copyrightverletzer, der gottseidank bei der FAZ rausgeflogen ist. Lohn der MĂĽhen und Sager wie wie diesem hier:

Wenn man bedenkt, dass es meist nur ein einziger Mieter pro Haus ist, der diese Verschandelungen zu verantworten hat, tun einem die anderen sehr leid. Die Verantwortlichen sollten sich schämen. Elende Egoisten!

http://mspr0.de/?p=1767

zusammen mit einem Bild der Kaschemme, in der er hausen muss: Ein paar vermutlich ähnlich wirre Absonderungen im Deutschlandfunk. Gratulation! Aber das ist nicht der Hauptpreis der Abendnachrichten. Noch krasser ist Klaus Wedekind bei n-tv, der gleich mal die Antiamerikanismuskarte und anderes hervorzieht – blöderweise wird den aber bei den Ă–ffis keiner wollen:

Aber auch wenn die Kastanienalle inzwischen der Ballermann von Prenzlauer Berg ist, wohnen dort noch immer einige Alt-Linke, fĂĽr die technischer Fortschritt Teufelswerk ist – vor allem, wenn er aus den Vereinigten Staaten kommt. Doch sie haben nur scheinbar ĂĽber den US-Daten-Satan Google gesiegt. Denn die Verpixelung der Häuser, in denen sie vielleicht nur im zweiten Hinterhof wohnen, ist lächerlich. Denn in Google Maps oder Street View sind Dutzende Fotos zu sehen, die Nutzer hochgeladen haben. Unter ihnen auch die Häuser der rĂĽckständigen “Freiheitskämpfer”.

http://www.n-tv.de/technik/Blinder-Street-View-Hass-article1961166.html

Bilder Streetview-Hass, darunter geht gar nichts. Sehr unentspannte Leute, aber unentspannt kommt man auch nicht in die Glotze. Mit Hass – allerdings auf Google, weil sie kneifen – probiert es auch ein gewisser Anatol Stefanowitsch bei den Sciblogs:

Der globale Kapitalismus hat supranationale Konzerne mit Jahresumsätzen geschaffen, die die Bruttosozialprodukte von Kleinstaaten in den Schatten stellen. Google gehört dazu. Wenn diese Entwicklung überhaupt einen Vorteil hat, dann doch den, dass diese Konzerne ohne Angst vor nationalstaatlicher Engstirnigkeit operieren können.

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2010-11-18/was-hast-du-getan-google?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

Man mag es kaum glauben, was bei solchen Wissenschaftsblogs alles so rumläuft. Aber das da oben ist nicht einfach ausgekotzter Wahnsinn, es hat was von ĂĽberlegter Ăśberzeugung, es ist nicht nur Ă„rger ĂĽber fehlende Bilder, sondern gleich die Weltherrschaft, die Google ĂĽbernehmen soll (erinnert sich jemand an Pinky & the Brain?). Der Mann ist bislang mein Favorit, weil es sicher die Aussage ist, die weit, weit ĂĽber den Kleinschmarrn einer “digitalen Ă–ffentlichkeit” hinausgeht.

Für andere wird es jetzt schwer, aber vielleicht fordert ja jemand die Zwangsinternierung für Verpixler und die Enteignung ihrer Häuser, in die dann die Neue Streetview Deutschland Abbild Peschaffungsorga (nur echt mit dem typischen mspro-Rechtschreibfehler) einziehen kann. Das ist dann vermutlich so irre, dass man sogar in die RTL-II-News kommt!

Und da passen sie auch prima hin. Aber noch ist das Rennen nicht gelaufen!

Neues Streetview Deutschland Abbild Peschaffungsorga Internet! Zeig, was Du noch alles drauf hast!

17.11.2010 | 12:47 von DonAlphonso

…und Jonathan Schwartz bloggt ja auch!

hiess es frĂĽher, wenn es um den Einsatz von Blogs bei Unternehmen ging. Jonathan Schwartz wurde biederen deutschen Managern als das grosse Vorbild präsentiert, der tolle Mann von Sun, der zeigt, wie man eine Firma modern und fortschrittlich im Internet darstellt. So, wie man heute sagt “…und Jeff Jarvis sagt es ja auch!”. Es ist immer leicht, wenn man einen hat, den man vorne dranstellen und als Quell des Richtigen verkaufen kann, selbst wenn Sun unter Schwartz jetzt nicht gerade genial gelaufen ist, sondern letztlich an Oracle verhökert wurde.

Und Schwartz hat sich folgerichtig von seinem frĂĽher berĂĽhmten Blog verabschiedet.

So richtig voll ist sein neuer Twitteraccount aber auch nicht.

Auf seinem Privatblog. das nur wenige Beiträge aufweist, raunt er:

It’s a lot harder writing a blog as an individual than as a Chief Executive.

Und seine neu gegrĂĽndete Firma hat gar kein Blog.

Und viele, die früher quäkten, Jonathan Schwartz würde bloggen, sagen heute, dass man unbedingt twittern muss, um dabei zu bleiben.

2.11.2010 | 17:20 von DonAlphonso

Zahle 200 Euro Kopfgel äh Sympathiebonus für den ersten, der einen Knipsheini vor Gericht bringt

So, Jens Best hat also vor, den ersten, der ein bestimmtes, von ihm mit Hilfe seiner Kumpane im Internet veröffentlichtes Haus ablichtet, und damit die Rechte und den Persönlichkeitsschutz des Besitzers mit Füssen tritt, ein Bier auszugeben.

Man ist versucht, ihn einen arme Wurst zu nennen. Ein Bier! Ist das alles?

Ich bin jedenfalls nicht auf der Brennsuppn dahergschwumma!

Ich zahle auf Wusch gerne

200 Euro

als erfreute Sympathieerklärung an den ersten Betroffenen, der einen aus der Bande der Google Streetviewhandlanger wegen so einer Knipserei vor Gericht und in der Sache zu einem Urtel bringt. Einfach aus Sympathie. Am liebsten wären mir die führenden Hetzer Jens Best und Michael Seemann persönlich, aber jeder andere ist genauso gut.

11.8.2010 | 15:31 von DonAlphonso

Plazes, die nicht mehr sind

Vor ein paar Jahren sah man das auf ziemlich vielen Blogs: Kleine Kartenausschnitte, auf denen zu sehen ist, wo sich der Autor gerade aufhält. Das war neu, das war lustig, das kam aus Berlin und hatte den Namen “Plazes”. Nach meiner Beobachtung blieben die Leute irgendwann scheinbar immer am gleichen Ort, und dann verschwand das Widget wieder von den Seiten der damaligen Internetentblössungsvorreiter. Oft gab es ein neues Design, und schwups, war das Widget weg. Heute fällt mir nur noch 1 Blog ein, das ĂĽberhaupt so eine Funktion hat, und das gehört keinem Blogger und auch keinem Autoren, sondern nur etwas, das man straffrei (!) als Werber bezeichnen kann.

Plazes selbst hat noch eine Website, aber der Dienst, die Idee dahinter hat sich zumindest in Deutschland als weitgehend unspannend erwiesen – auch bei eben jenen Vorreitern, die ihren Aufenthaltsort nicht mehr ins Netz stellen. Von denen hat auch keiner ein Bild seines Wohnhauses auf seiner Seite, mit einem Pfeil zum Durchgang, wo er ĂĽber den MĂĽlltonnen im 3. Hinterhof wohnt. Vielleicht wäre es angesichts des Startversuchs von Google Street View ja vielleicht mal eine nette Sache zu ĂĽberlegen, warum das heute von eben jenen Leuten keiner mehr diese Lokalisierungsdienste hat. Dabei sind es Leute, die es vehement darauf anlegen, Google unter dem Schlagwort einer “digitalen Ă–ffentlichkeit” den analen Hintgereingang zu bekriechen. Google nutzt das selbst, um ein öffentliches Interesse an seinem Dienst zu präsentieren. Aber im Kern scheint es mir bei der Sache doch eher um eine totalitäre Ideologie von Wichtigtuern zu handeln, die ihre kranke Vorstekllung´vin Postprivacy allgemein durchgesetzt sehen wollen, denn einen echten Nutzen des Themas Lokalisierung jenseits der Interessen von Google.

Wie man im Übrigen Netzneutralität fordern kann, und gleichzeitig Dienste im Netz haben will, die sich massiv an den Rechten anderer vergreifen, und nur ein paar Gaffer und Schnüffler bevorzugen, ist nochmal eine andere Frage. Google wird es meines Erachtens gerade mit solchen Bütteln schwer haben, bei jenen Sympathie zu erwerben, die nicht von Asozialen als rückschrittlich angepöbelt, sondern überzeugt werden wollen.

3.8.2010 | 15:27 von DonAlphonso

Nachtrag zu einer schmutzigen Nummer

ĂĽber eine andere schmutzige Nummer: Bei dem Bloggerversuch der Welt Kompakt (Scroll Edition) ging offensichtlich noch etwas anderes schief, als nur die allgemeine VBerlachung der Springergosse in der Blogosphäre – viel zu spät bin ich leider auf diesen Text gestossen, in dem ein wenig ĂĽber die reale Arbeit und die KĂĽrzung eines kritischen Textes berichtet wird.

Die darin erwähnfe Puffbrausenmarke lässt ihr neues “Hollywood”-Blog, das im Moment mit Anzeigen u. a. bei Sueddeutsche.de beworben wird, von einer nicht guten, aber altgen Bekannten aus einem burdanahen Modeblog fĂĽllen, und darĂĽber wird dann auch breit bei Burdas Zeitschriften geschrieben. Insgesamt ein kleiner, aber stimmiger Eindruck vom Funktonieren von Medien und Bloggern.

17.7.2010 | 12:43 von DonAlphonso

Wenn das Community Management pennt,

wie bei Spiegel Online etwa, bekommt man ganz schnell Autoren aus einem sehr unschönen Spektrum – selbst wenn “Einestages”, wo die Person schreibt, sich selbst mittlerweile zu sehr an den Geschehnissen der Nazizeit aufgei – äh, egal, jedenfalls:

http://einestages.spiegel.de/static/profile/1504/tanja_krienen.html

Da erkauft sich Spiegel Online seine PIs aber mit üblen Bremsspuren. Rest zu dieser Person und ihrer Tätigkeit siehe hier.

9.7.2010 | 9:46 von DonAlphonso

Hehre Wissenschaft und fiese Vermarktung

Ich bedaure das so materialistisch sagen zu mĂĽssen, aber meinen Respekt hat “Scienceblogs”, eine Ansammlung von Wissenschaftsblogs vor allem in den USA mit deutschem Ableger, in dem Moment verloren, da ich hörte, was man dort fĂĽr seine Arbeit bekommt: Den Gegenwert eines guten Abendessens. Pro Monat. Mitbezahlt und finanziert von einem der reichsten Medienkonzerne Deutschlands, Burda. Niemand muss meine Vorstellung von Selbstachtung haben, aber meine bayerische Antwort wäre auf diesen Akt der Vollverarschung:

Ins Gsicht g’****.

Weil ich einen Stolz habe. Weil ich entweder ordentlich bezahlt werden will, oder ganz darauf verzichte. Weil ich es unmöglich finde, sich auf der einen Seite als Wohltäter der Forschung zu präsentieren, und auf der anderen Seite den Beteiligten zu vermitteln, dass ihre Arbeit nicht mehr als ein Mittagessen wert ist. Mäzenatentum scheint seit dem Mittelalter ziemlich auf den Hund gekommen zu sein.

Wobei ich mich inzwischen auch frage, ob der Plan hinter der Idee nicht ein anderer ist: Der Aufbau einer Plattform, der man glaubt vertrauen zu können (idealistische Blogger schreiben über den Stand der Forschung), um dann diese Glaubwürdigkeit an Konzerne verschachern zu können. Wie etwa durch ein nicht besonders gekennzeichnetes Werbeblog von Fettmacher-Pepsi, in dem über firmenkonforme Erkenntnisse der Ernährungsforschung berichtet wird. Was kommt als nächstes? Ein Blog der Atomlobby über die Unschädlichkeit von Atommüll?

Inzwischen ist Scienceblogs mit einem windelweichen Statement zurückgerudert, denn es ginge ja nur darum, Firmen als Träger von Forschung miteinzubeziehen.

Trotzdem frage ich mich, warum in der Situation niemand auf die Idee kommt, Burda einfach in den Wissenschaftssack zu greifen und die besseren Scienceblogger rauszukaufen. Soll er doch schauen, wie er mit der dritten Reihe der X0-Euro-Blogger weiterhin seine billigen Geschäfte macht.