Seit ein paar Jahren wird in der Mobilfunkbranche getr├Ąumt: Vom Handy als universelle Schnittstelle f├╝r alle Datendienste, immer dabei, always on, und mit einer Marktpenetration von fast 100%, weitaus besser und in jeder Lebenssituation gebr├Ąuchlicher als der Computer mit dem Internet. In Korea und Japan, sagen manche, sei das Internet sogar nur noch was f├╝r alte Leute; die Jugend hingegen ist auf Handies eingeschossen.

Es ist keine ├ťberraschung, dass gerade Blogger mit ihrer starken Affinit├Ąt zum Internet und vergleichsweise schneller Publizit├Ąt in das Visier der Telcos und ihrer Zulieferer kamen. So ein Blog verspricht schliesslich dauerhafte Nutzung von Datentransfer, und ohne den lassen sich neue ├ťbertragungstechniken wie UMTS nicht refinanzieren. Folglich gab es Nokias Idee vom Lifeblog, teilweise zusammen mit dem Bloghoster Sixapart und erstaunlichen Spielereien aus den Abgr├╝nden des verfehlten Marketings. Andere wie die noch schlimmer krisengesch├╝ttelten, gebenqten Siemensianer dachten sich wohl, das sie solche Dinge wie einen Blogging Client auch im Programm haben m├╝ssten. Irgendwie logisch angesichts des Standardchaos der Branche, wo gef├Ąlligst jedes Arschloch mit dem hauseigenen Klopapier abgewischt jeder Kunde mit eigenen Standards versehen werden soll, setzte dann O2 auf eine hauseigene L├Âsung, die man sich irgendwie nicht richtig anschauen kann. Und dann gibt es auch noch die Kooperation von Twoday.net und Vodafone.

Und, wenn wir mal ehrlich sind – alle zusammen veranstalten statt dem hauseigenen Klopapieraward eine mitteleurop├Ąische Meisterschaft beim ins Klo greifen. Ich mein – keine 10 Eintr├Ąge am Tag, sowas ist, mit Verlaub, definitiv nicht der Trend, den die hiesige Regionalliga der Hypespacken zusammenschreiben meinte von dem eine ganze Reihe bekannter Magazine berichtete. Inzwischen h├Ąlt die Bagage in der Sache die L├╝genm├Ąuler hat sich das gelegt, immer nur die Blogs von Heiko Hebig und Nico Lumma als bekannter Beispiele heranziehen ist nicht so wirklich der beste Beleg f├╝r einen Siegeszug, den es nicht gibt. Daran ├Ąndern auch die extremen Ausnahmef├Ąlle wie die Tsunami-Katastrophe oder die Anschl├Ąge in London nichts. Moblogs sind noch nicht mal ein Randph├Ąnomen, und das ist auch logisch.

Denn Text ist bis heute nun mal der Hauptbestandteil der meisten Blogs. Das geht mit Handytastaturen miserabel, und es sieht auch nicht so aus, als ob sich da viel ├Ąndern w├╝rde. Und die Bilder der Photohandies, wenn man denn die verruckelten, farbfalschen JPEGs f├╝nftklassiger Sensoren und windiger Plastikfestlinsen so nennen m├Âchte, landen gemeinhin eher bei Flickr, da passen sie auch hin – und erscheinen dadurch auch, wenn man will, auch im Blog. Warum sollte man sich also von den Telcos in ihre “walled gardens” und ihre speziellen Formate sperren lassen?

Mir scheint – und das, so es stimmt, ist noch gravierender – im Kern ist eine Branche auf das eigene Marketingges├╝lze reingefallen. Es geht um die Vorstellung, dass man alles immer sofort loswerden will, dass Blogger alles sofort und ohne Wartezeit raushauen wollen, und dass sie vielleicht auch noch eine saucoole Nokia02siemensvodafone-C mmunity wollen. Teilweise sind das die Grundlagen f├╝r den Erfolg der SMS, aber ich glaube nicht, dass man das auf Blogger ├╝bertragen kann. Bloggen ist meistens “Berichten”, und das tut man am besten mit ein wenig zeitlicher Verz├Âgerung, wenn man die Geschichte irgendwie verarbeitet und strukturiert hat. Und dann an einem ordentlichen Rechner mit normaler Tastatur sitzt, vielleicht auch noch Links einf├╝gen kann und Kommentare beantwortet, im bereits existierenden Blog. Mobloggen ist technisch m├Âglich – was fehlt, ist der Kunde, ganz gleich, ob er schon Blogger ist oder dadurch zum Moblogger wird. Und das, obwohl die Telcos an sich eine der gr├Âssten Erfolgsgeschichten der Wirtschaft des sp├Ąten 20. Jahrhunderts geschrieben haben.