Manche Blogs meiden Youtube und Sevenload wie die Pest. Daf├╝r gibt es gute Gr├╝nde: Es kann mitunter furchtbar nerven, bis die Bilder der Videos geladen sind, ├Ąltere Rechner machen schon mal die Browser dicht, wenn einfach zu viele Daten kommen, und obendrein, seien wir ehrlich, sind viele manche der geposteten Videos entweder der Geilheit nach Links oder schlichtweg der Unf├Ąhigkeit, eigene Inhalte zu erstellen, geschuldet. So, wie der Journalist in der Sommerzeit froh um jede Pressemitteilung ist, giert der Youtube-Blogger nach Filmen, die in seinen Augen irgendwas ausdr├╝cken. Positiv gesagt, remixen Blogger Videos zu einem optisch-akustischen Stream als Metaebene des eigenen Lebens.

ahem. ich denke, man merkt, dass ich nichts von der massenhaften verwendung fremder videos im eigenen blog halte

Rein rechtlich gesehen kann man jeden, der youtube-Videos in sein Blog einbindet und sich dabei nicht um die Urheberrechte schert, als Inhaber dieser Rechte kr├Ąftig scheren. Manchen wird vielleicht schon eine gewisse Unverh├Ąltnism├Ąssigkeit aufgefallen sein. Kaum ein Blogger k├Ąme auf die Idee, einen Titel bei einer Tauschb├Ârse runterzuladen und dann als MP3 auf seine Seite zu stellen. Der gleiche Titel, jetzt aber noch mit einem Video versehen und in etwas schlechterer, aber immer noch ausreichender K├╝chenradioqualit├Ąt findet sich aber ohne weiteres, wie selbstverst├Ąndlich in den Blogs. Ist ja bei Youtube, h├Ârt man auf Nachfrage. Und Youtube bietet die Einbindung an.

Auf der anderen Seite stehen Plattenfirmen. Plattenfirmen, die ihr Heil in der DVD mit zus├Ątzlichem Videomaterial suchen. Plattenfirmen, die Abermillionen in Konkurrenz zu Youtube stecken. Plattenfirmen, die rechtlich gegen Youtube vorgehen. Plattenfirmen, die schon bei MP3 gelernt haben, dass der effektivste Weg eine Klage gegen den Endnutzer ist, der sich kaum gegen ├╝berzogene Forderungen wehren kann. Und die auch vor Bloggern nicht halt machen, wenn sie damit eine Marketingkampagne der Plattenforma unterst├╝tzen. Die Plattenindustrie hat schon Napster nicht als Werbung begriffen, und ich denke nicht, dass sie Blogs als Werbung begreifen wird. Sp├Ątestens, wenn die Tonspur von Videos besser wird, steht die Industrie vor dem gleichen Problem wie schon 2000 mit den MP3 auf privaten Websites – mit der Erg├Ąnzung, dass diesmal der Videohoster und der Blogger eventuell auch noch mit Werbung daran verdienen.

Vielleicht t├Ąusche ich mich auch, aber meines Erachtens wird es zwei Trends geben: Irgendwo im Netz ein Gatter der Musik- und Videoindustrie, die alles tun wird, um Nutzer einzufangen und drin zu halten. Und damit der Nutzer draussen nicht selbstst├Ąndig das gleiche findet, ohne mit Werbescheisse, Adressenverwertung und Marktforschung das Fell ├╝ber die Ohren gezogen zu bekonmmen, muss man draussen verbrannte Erde hinterlassen. Das ist eben die Kehrseite webbasierter Sozialstrukturen mit wirtschaftlichem Hintergrund aka Web2.0: Wer will, dass sich die Nutzer bei ihm tummeln, muss einerseits drin etwas bieten und draussen eine W├╝ste entstehen lassen. F├╝r den Humus, auf dem draussen diese Angebote ebenso, aber unter Verletzung der Rechte gedeiht, wird das sicher kein Spass. Es sei denn, er geh├Ârt zu denen, die man dann als animierenden Videoblogger einkauft und als Bespasser in das Gatter stellt. Da ist so einiges denkbar, was f├╝r den Betreffenden nicht negativ sein muss. Auch 9Live-Moderatoren und ihre Hinterm├Ąnner werden gut schlafen.

Aber es w├╝rde mich nicht ├╝berraschen, wenn viele Blogger in ein, zwei Jahren panisch ihr Archiv durchw├╝hlen, um sich nicht den Anw├Ąlten auf dem Pr├Ąsentierteller selbst zu liefern. Nur so eine Ahnung. Wir werden sehen. Oder auch nicht.