Mal ganz im Ernst, ohne jede GehĂ€ssigkeit oder Schadenfreude und Nachtreten, Robert und Rene: Klar ist Bloggen Ende 2007 fĂŒr einige, die es schon lĂ€nger machen, nicht mehr das, was es mal war. Bloggen ist immer individuelles Erleben des Schreibens, und wenn sich die Rahmenbedingungen Ă€ndern, Ă€ndert sich eben auch das GefĂŒhl.

FĂŒr manche sind Klickzahlen und Verlinkungen die Regeln des Spiels. FĂŒr manche ist es ein Drama, wenn Witzseiten wie Technorati und Blogcharts kleinere Zahlen ausweisen, denn daran machen sie die Bedeutung fest. Es geht – zumindest partiell – also nicht mehr um das Schreiben an sich, sondern um die Reaktion des Publikums. Das ab und zu nicht mehr so viel debattiert, das neue Attraktionen findet, das man winkelmĂ€ssig erbĂ€rmlich mit kleinen Linkspamparaden bei Laune halten muss, wenn man es nicht anders kann und nötig hat. Dann ist der Katzenjammer gross, besonders, wenn es bei der Sache auch noch um das Verdienen geht. Und es ansonsten keine anderen Beweise fĂŒr die Relevanz des eigenen Tuns gibt. Also definiert man sich und sein Schreiben durch die Reaktionen anderer, morgen stehen wir vielleicht schon vor der Überlegung, wie die SĂŒddeutsche Bildergalerien zu machen, das sind eben die ZwĂ€nge, wenn die Awareness zum wichtigsten Gradmesser des eigenen Tuns wird.

Es ist ja nicht so, dass dieses Rattenrennen andere nicht, hm, ab und an etwas nerven wĂŒrde. Es soll Leute geben, denen ist das Schielen auf diese Zahlen ein wenig suspekt, die haben den Eindruck, dass es nur noch um das grosse Bruhaha geht, dass das Platte, GĂ€ngige, Gewöhnliche ein “Vorne” definiert und das dann erreicht, weil sie eben die meisten Links anderer Blogs haben, wofĂŒr man sich nicht mal einen Lutscher kaufen kann.

Und dann ist natĂŒrlich noch der Frust da, ĂŒber Jahre vorne mitzuspielen in dieser Liga, und zu erleben, dass es sowas wie “Aufstieg” nicht gibt. Wachstumsschmerzen wie bei einem Startup, der Gedanke, was ist, wenn es immer nur so weiter geht. Wenn die Dynamik nachlĂ€sst. Oder ins Vergessen rutscht. Kann durchaus passieren; von den sich “Gross” wĂ€hnenden des Jahres 2003 ist heute – nach den Kriterien der Awareness – keiner mehr da.

Stellt sich also die Frage: Was ist falsch: Das Bloggen, weil manche glauben und fĂŒhlen, dass ein Hype durch ist und im Niedergang eine Modeerscheinung entlarvt wird? Oder vielleicht auch nur die Auffassung vom Bloggen als einem Rattenrennen hin zur individuellen Relevanz fĂŒr das hoffentlich möglichst grosse Publikum, das im Vergeleich zur Gesamtzahl der Blogs und Blogleser möglichst gross sein soll?

Ich gebe ihnen recht: Bloggen mit dem Ziel Relevanz und Grösse ist am Ende der Entwicklung angelangt. Zumindest mit den Mitteln, die einzelne Blogger haben. Spreeblick, Bildblog, die Blogbar, all das hat einen maximalen Leserkreis, recht viel weiter kommt man nicht, eher wird es weniger. Verdientermassen, wenn ich das mal so deutlich sagen darf, es gibt keine Garantien auf vordere PlÀtze, nur die Garantie, dass nichts von Dauer ist.

Aber Bloggen als Möglichkeit zu schreiben? Warum soll das vorbei sein? Seit wann ist schreiben vorbei? Ein Blog, WordPress, Antville, das ist nur ein Haufen Software auf einer Siliziumscheibe, entscheidend ist immer, was man damit macht, und historisch gesehen ist die Möglichkeit des Schreibens, wenn sie eröffnet wurde, immer genutzt worden. Genauso wie das Lesen. Nur weil Gutenberg pleite ging, ist Buchdruck noch lang keine schlechte Idee. Nur weil Adical aus dem letzten Loch pfeift, kann man immer noch in das Internet schreiben. Und gerade wegen der Sinnkrise mancher Kommerzschreiber ist Schreiben vielleicht bald wieder besser denn je. Dann geht es nÀmlich wieder um das Schreiben. Und nicht um bescheuerte Zahlen.