Irgendwann, als sie den gr√§sslichen Stil und die ungehobelten Sitten nicht mehr ertragen konnte, mauerte Lady Astor eine Fensterfront ihres Anwesens auf Rhode Island einfach zu – um die geschmacklosen H√§user ihrer neuen Nachbarn, der Vanderbilts und Don Alphonsos und wie sie alle hei√üen, nicht l√§nger ansehen zu m√ľssen. [...] aber so schnell lassen sich Institutionen nicht unterkriegen: Das hat Lady Astor als amerikanische Institution des neunzehnten Jahrhunderts vorgemacht, als sie schlie√ülich den Architekten der Vanderbilts anheuerte, um ihr Wohnzimmer renovieren zu lassen, nur sch√∂ner.

Jaja, die FAZ. Die Kulturzeitung. Kann es mal wieder nicht lassen, sich die Allgemeinbildung raush√§ngen zu lassen. Dabei h√§tte Tobias R√ľther vielleicht erst mal zeigen sollen, dass er etwas Ahnung vom Thema hat – was er schreibt, ist schlichtweg falsch.

1. Lady Astor hatte nie ein Haus auf Rhode Island. Was nicht √ľberrascht, denn Rhode Island geh√∂rt zu Amerika, w√§hrend die bekannte Lady Nancy Astor die Gattin eines Mitglieds des britischen Astor-Clans und Parlamentsabgeordnete war.

2. Es gibt auf Rhode Island ein Anwesen der amerikanischen Astors, die mit dem englischen Zweig zertritten war: Beechwood. Darin wohnte dann allerdings die ber√ľhmte “Mrs. Caroline Astor“, die Grand Dame der New Yorker Gesellschaft. Mrs. und Lady Astor sind zwei v√∂llig unterschiedliche historische Personen.

3. Gekauft haben die Astors das Haus 1881, und sogleich einen Restaurationsauftrag an Richard Morris Hunt erteilt. F√ľr das gesamte Haus, nicht nur f√ľr ein Zimmer.

4. Besagter Richard Morris Hunt baute erst √ľber 10 Jahre sp√§ter praktisch daneben das ber√ľhmte Vanderbilt-Schloss The Breakers und ab 1888 das ebenfalls den Vanderbilts geh√∂rende Marble House.

5. Von 1877 bis 1881 hatte Hunt allerdings tats√§chlich schon f√ľr die Vanderbilts ein palastartiges Geb√§ude errichtet – allerdings in New York an der 5th Avenue, die man von Rhode Island aus nicht sieht.

6. Schon in der Zwischenzeit, genauer 1883, hatte sich Mrs. Astor mit den Vanderbilts arrangiert.

Fassen wir den Kern des Blösdsinns des FAZ-Schreibers also nochmal nach einer kleinen Recherche zusammen:

Mrs. Astor besch√§ftigte 1881 f√ľr die Renovierung ihres kompletten Anwesens Beechwood den Architekten, der Jahre sp√§ter in der N√§he die Pal√§ste der Vanderbilts errichtete, mit denen die Astors inzwischen durchaus gut umgehen konnten.

An den Behauptungen, die der M√∂chtegernkulturkenner Tobias R√ľther aufstellt, ist nichts Wahres dran. Es ist ein Hoax, eine L√ľge, vielleicht eine Legende, oder eine Erfindung ohne jede Kenntnis der Fakten, Gesabber ohne Recherche, ein Ger√ľcht, das er sich zurechtbiegt, um sich zu erheben – und damit auf die etwas zu volle Klappe f√§llt.

Denn wo schreibt er das? In einem Beitrag der FAZ, der sich mit der Konkurrenz von Bloggern und Journalisten auseinandersetzt und behauptet:

Die Front gibt es also gar nicht, die sich Blogger wie Kn√ľwer oder Don Alphonso herbeiw√ľnschen, um in etablierten Journalisten Feinde zu sehen, Besitzstandswahrer, Gegner von der ‚Äěanderen Seite‚Äú (Don Alphonso), von hinter der Mauer und dem Mond.

Doch. Es gibt die Front zwischen denen, die glauben, sie k√∂nnten ihre Leser unbemerkt verarschen, und denen, die sich mit dem peinlichen Schlendrian von Grosskotzen nicht abfinden. Wenn R√ľther nur einen Funken Anstand hat, steht morgen auf der Seite eine Entschuldigung f√ľr sein Versagen.

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