Mich w├╝rde interessieren, wie die Sitzung beim Medienkonzern Holtzbrinck verlaufen ist, bei der der Launch von des Nachrichtenportals Zoomer beschlossen wurde. Und wie viele Feiglinge da am Tisch sassen und den Mund hielten, obwohl sie intuitiv verstanden haben, was Zoomer ist:

Schrott.

Inhaltlich ist Zoomer auf dem Niveau einer Biblia Pauperum, der Bilderbibeln des 15. Jahrhunderts f├╝r die Schicht zwischen den Totalanalphabeten und den Schriftkundigen. Entsprechend mau und runtergrebrochen sind dann auch die Inhalte, in etwa auf dem niveau von RTLII-News. Dass die gleichen Leute auch den eher schlecht rezipierten und belanglosen Tagesspiegel online produzieren, ist kein Wunder – aber dass man inhaltlich nochmal drunter bleibt, obwohl man durchaus auf vern├╝nftige Medien wie das Handelsblatt zugreifen k├Ânnte, ├╝berrascht mich dann schon. Von der Vertiefung der Themen, die den Leserbewertungen derselben folgen soll, sehe ich nichts.

Die Nutzung ist nach meinen Rumspielereien insofern “intuitiv”, als man eine Menge Intuition braucht, um sich zurechtzufinden. Sehr lange Ladezeiten machen das Ganze auch nicht einfacher. Wer kommentieren oder bewerten will, muss jedesmal h├Âchst nervige Catchpas ├╝berwinden. Das soll Nutzern wohl die Vorteile der Anmeldung bei Zoomer nahebringen, aber ich w├Ąre ├╝berrascht, wenn das klappen k├Ânnte. Die AGB und der Datenschutz sind jedenfalls eine ziemliche Frechheit am Rande dessen, was in Deutschland m├Âglich ist:

Insbesondere stimme ich zu, dass zoomer.de die von mir in mein Profil eingetragenen Informationen und Informationen, wie ich zoomer.de nutze, (unter anderem mit Hilfe von sog. Cookies) sammelt, speichert und diese Informationen auswertet, um die Werbung auf der Website auf meine Bed├╝rfnisse anzupassen (sog. personalisierte Werbung).

(2) Der Nutzer r├Ąumt zoomer.de ein r├Ąumlich und zeitlich uneingeschr├Ąnktes, kostenloses Nutzungsrecht an den von ihm auf dem Internetportal zoomer.de ver├Âffentlichten Inhalten, insbesondere an den Diskussionsbeitr├Ągen in Wort und Bild, den Bewertungen und Kommentaren ein. Das Nutzungsrecht erfasst insbesondere

* das Recht, die Inhalte zu speichern und zu vervielf├Ąltigen und online im Internet auf zoomer.de sowie auf weiteren Internetportalen ├Âffentlich zug├Ąnglich zu machen, soweit diese Internetportale auch von Unternehmen der Holtzbrinck-Gruppe (verbundene Unternehmen im Sinne von ┬ž┬ž 15 ff. Aktiengesetz) betrieben werden;
* das Recht, die Inhalte anderen Unternehmen, die jetzt oder zuk├╝nftig zur Holtzbrinck-Gruppe geh├Âren, online per Daten├╝bermittlung oder offline auf Datentr├Ąger gespeichert zu ├╝bermitteln und zur Speicherung und Vervielf├Ąltigung sowie zur Ver├Âffentlichung online im Internet auf deren Homepages und Portalen zur Verf├╝gung zu stellen; der Nutzer willigt deshalb bereits jetzt darin ein, dass zoomer.de die einger├Ąumten Nutzungsrechte an andere Unternehmen der Holtzbrinck-Gruppe weiter ├╝bertr├Ągt bzw. weiterlizenziert.

Ich glaube nicht, dass sich viele eintragen werden. Weil Zoomer keine Eigenschaft hat, die einen dazu bringen w├╝rde. Je l├Ąnger ich mich damit auseinandersetze, desto mehr habe ich das Gef├╝hl einer bepinselten Leere. Ein krawalliges, buntes Nichts, das mich aufsaugen und zu einer Interaktion verf├╝hren soll, die in etwa auf dem Niveau irgendwelcher SMS-Chat-Sendungen daherkommt. Es heisst, das Projekt w├╝rden sehr junge Leute machen, und das merkt man auch. Manche von denen betreiben auch Blogs, die, vorsichtig gesagt, jetzt nicht rasend prominent sind, einfach, weil sie nicht besonders gut schreiben k├Ânnen. Angeblich vierzig Mitarbeiter sollen es sein, aber es sind sicher nicht die Spitzenkr├Ąfte, eher Prakti- und Volont├Ąrsverschickung in die Infow├╝ste. Beim Tagesspiegel gibt es wenigstens noch ein Printkorsett, das den Krempel online so lala in Form h├Ąlt; bei Zoomer fehlt das, und der ganze glibbrige Infobrei l├Ąuft dann ├╝ber den Bildschirm.

Es gab ja schon zwei inhaltlich ├Ąhnlich gestrickte Vorg├Ąnger, News Frankfurt und Business News. Beiden wurde hier fr├╝hzeitig ein Scheitern in Aussicht gestellt, und man kann nicht sagen, dass es nicht gekommen w├Ąre, wie ich dachte. Deshalb hier und jetzt: Zoomer wird eine fette Pleite. Dummencontent gibt┬┤s schon bei der Bild, und das andere findet man ohne bl├Âde Spr├╝che und guter Bedienbarkeit woanders. Eigentlich ├╝berall. Nur nicht bei Zoomer.

siehe auch bei weltenweiser.