(Irgendeiner muss ja anfangen von dem elenden Haufen, warum also nicht ich)

Liebe Blogger und andere Nutzer des Internets,

wir bedauern zutiefst unser komplettes Versagen im Fall der von der Kulturschickeria lancierten Plagiatorin, notorischen Abschreiberin und arroganten Textdiebin Helene Hegemann, der wir praktisch umfassend aufgesessen sind, von den grossen Zeitungen, die sich etwas auf ihre Textkompetenz einbilden, bis zu den RegionalblĂ€ttern, die dumm das abschreiben, was in der FAS und der Zeit an Textbausteinen versagender Mitarbeiter geliefert wurde. Der ganze Fall ist ein Armutszeugnis fĂŒr unsere Branche unter besonderer BerĂŒcksichtigung einzelner Vertreter, die auch nach Bekanntwerden der ersten LĂŒgen der angeblichen Autorin noch immer versucht haben und versuchen, dieses Vorgehen als Folge des Internets zu rechtfertigen und zu entschuldigen.

Dieser Fall hat uns drastisch vor Augen gefĂŒhrt, dass wir gerade nicht der Hort des reinen Kulturbewusstseins sind, und dass unsere AnsprĂŒche, zwischen gut und schlecht, richtig und falsch differenzieren zu können, nicht der RealitĂ€t der heutigen Medien entsprechen. Wir haben uns von Verlag, Autorin, der Story und gewissenlosen Vorschreibern und Nachplapperern als sensationsgeiles Starsystem vorfĂŒhren lassen, wir haben unsere Standards massiv verletzt, und, noch schlimmer, uns auch noch peinlich gewunden, als lĂ€ngst klar war, wie falsch wir lagen. Nicht nur Frau Hegemann hat gelogen und gefĂ€lscht und sich herauszuwinden versucht – wir waren ihre Komplizen und MittĂ€ter. Wir waren es, weil wir unser Versagen nicht eingestehen wollten, wir waren es aber auch, weil uns der Verlag, das Fressen, die geschaltete Anzeige und unsere Kontakte wichtiger als diese Blogger und das Internet waren.

Kurz, wir waren hochmĂŒtig und ĂŒberheblich noch im Versagen. Weder haben wir den Vater der Autorin in die Mangel genommen, noch den Besprecher Maxim Biller, der ihn nicht kennen möchte, noch die Autorin und auch nicht den Verlag. Man hat uns, im Stil der Autorin brutal gesagt, die LĂŒgen ins Gesicht geschissen, und wir haben auch noch “Danke” gesagt. Wir haben unseren neuen Fall “Tom Kummer” produziert, weil wir dachten, ein originĂ€res Werk zu erkennen, wo dreist zusammengestohlen wurde. Wir unterstellten Kunst, wo LĂŒge war. Wir waren zu faul, um kritische Fragen zu stellen, weil wir solche Arschfick schreibenden Prinzessinnen brauchen, weil die Prinzessinnen von Gestern heute nicht mehr taugen. Wir fanden aus dem Netz stammenden Texte erst toll, als sie uns in einem uns passenden Medium als dreiste FĂ€lschung von einer der Unseren aus dem Kulturbetrieb serviert wurden, wĂ€hrend wir das Internet und seine Aktivisten immer noch verachteten.

Es ist eine sehr schlimme Sache, was da passiert ist. Wir deutsche Feuilletonisten möchten uns deshalb beim Internet in aller Form entschuldigen, selbst wenn wir nicht direkt Teil dieses Skandals waren.

Entschuldigt bitte unser Fehlverhalten.

Don Alphonso