Ich schreibe dort seit anderthalb Jahren ein Blog. Es gab absolut keinen Versuch, mich zu beeinflussen, auch wenn meine Meinung sehr oft nicht zwingend auf dem lag, was man f├╝r eine Redaktionslinie halten k├Ânnte. Ich kann beim besten Wissen und Gewissen nur sagen: Das gab es in meinem Fall nicht. Im Gegenteil, ich hatte durchaus manchmal das Gef├╝hl, dass bei einem monothematischen Blog wie meinem ab und zu eine Gegenkontrolle von anderen gut getan h├Ątte. Blattkritik nennt man das im Journalismus, aber die Leistung meines Blogs mit mehr als 130 Kommentaren pro Beitrag ist wohl auch so nicht ganz schlecht.

Ich bin dort das, was man als “freier Mitarbeiter” bezeichnet. Ich habe zwar ein Blog und enorm viele Freiheiten, aber ich weiss, dass es aus vielerlei Gr├╝nden schnell vorbei sein kann. Ich habe keine Angst, dass es so kommt, denn es g├Ąbe genug andere Optionen f├╝r das Projekt. Ich glaube aber, dass f├╝r mein Thema die FAZ das ideale Umfeld ist. Ich mein, wo hat man das schon: Diskurse ├╝ber 300, 400 Kommentare auch zu haarigen Themen, ohne dass man l├Âschend eingreifen m├╝sste. Dennoch: Als Freier bin ich dort nur so lange, wie ich mich ordentlich benehme. Ich bin deshalb nicht unfrei, ich zahle keinen Preis, ich weiss nur, dass es sinnvolle Regeln gibt, die im Redaktionsstatut zu finden sind.

Ich bringe dort eine Leistung, die mit Bloggen nicht mehr viel zu tun hat. F├╝r meinen letzten Beitrag habe ich 30 Kilometer Umweg nach W├╝rzburg gemacht, habe 2 Stunden Parkgeb├╝hr bezahlt, bin in den Dom gegangen, habe photographiert, und daheim eine Stunde lang die Bilder bearbeitet und eingef├╝gt, nachdem ichn mir dazu eine Geschichte ausgedacht habe. 4 Stunden Arbeitszeit f├╝r eine Leistung, die bei den Lesern gut ankommt, aber auch eine Leistung, die ich selbst von mir fordere. Man muss das nicht machen, aber es hat schon seinen Grund, warum meine Beitr├Ąge auch unter schlechten Voraussetzungen und an Wochenenden sehr gut laufen.

Die Bezahlung bei der FAZ hat keine Aufwandskomponente. Sprich, es spielt keine Rolle, wieviel Stress man sich mit Bildern macht, ob man sich speziell f├╝r die Arbeit eine neue Kamera kauft oder Bilder einfach wegl├Ąsst, oder sie aus anderen Quellen bezieht. Es macht aber sehr wohl einen Unterschied bei der Frage, ob sich Arbeit lohnt: Wenn sich ein anderer hinstellt, ├╝ber etliche Beitr├Ąge hinweg Bilder bei Flickr klaut und sich einen Dreck um die CC-Lizenz k├╝mmmert, die kommerzielle Verwertung ausschliesst, gibt es am einen Ende jemanden, der etwas f├╝r seine Bezahlung tut, und einen anderen, der f├╝r die gleiche Bezahlung andere ausnutzt. Und nebenbei auch noch bei Kundigen den Ruf der Zeitung nicht verbessert.

Bei diesem Spiel, wenn es hingenommen wird, ist der sauber arbeitende Journalist der Idiot, und relativ dazu wird die Klauerei belohnt. Es gibt kein Medium, das auf Dauer so arbeiten k├Ânnte, das ein oder andere Gossenorgan und ein paar andere Onlinepostillen mal ausgenommen. Es gab in der Frage der Urheberrechte nach mehr als nur einem solchen Fall vor ein paar Tagen eine unmissverst├Ąndliche Mail an alle Blogautoren der FAZ, in Zukunft die Bildrechte vorab zu kl├Ąren und nur noch Bilder entweder aus dem Haussystem oder aus der eigenen Kamera zu nehmen. Daran war nichts falsch zu verstehen, es ging nicht um “besser aufpassen”, sondern um absolut klare Vorgaben. Sich nach so einer klaren Aufforderung gleich wieder hinzustellen und die n├Ąchsten drei Bilder bei Flickr zu klauen, ist – nun, das kann sich jeder selbst denken.

Und hier will ich pers├Ânlich sagen: So etwas zu tun, wenn man sich ausgerechnet als Internetvordenker profilieren will, ist saubl├Âd. Weil, entweder bin ich ein Guru – dann weiss ich, was Creative Commons eine ziemlich wichtige Sache f├╝r das Miteinander im Netz ist, und benehme mich. Oder ich klaue einfach nur Bilder und kassiere daf├╝r Geld. Aber dann noch eine Welle zu machen und zu winseln, damit alle Kumpels Solidarit├Ątsbekundungen ablassen, Kumpels, die ├╝ber jeden Journalisten herfallen w├╝rden, der sich bei Flickr seine Bilder zusammenklaut, aber in diesem Fall statt dessen meinen Arbeitgeber beschimpfen, auf diese Art und Weise die Bloggerei bei der FAZ in Misskredit bringen – wenn ich das alles mache, dann sollte ich mich nicht wundern, wenn andere nicht gerade Verst├Ąndnis f├╝r meine Lage aufbringen.

Oder, um es im zuvorkommenden Ton dieser netten Internetwelt zu sagen: GAFL. Die Arbeit bei der FAZ und den dortigen Blogs ist auch nicht anders als anderswo, wo freie Journalisten sitzen, oder h├Âchstens angenehmer. Man liefert eine Leistung, hat enorm viele Freiheiten, und wird daf├╝r ordentlich entlohnt. Das ist das freie Recht der dort Arbeitenden. Daf├╝r muss man dann eben respektieren, wenn die Zeitung das freie Recht f├╝r sich in Anspruch nimmt, diese Leistungen nach eigenem Empfinden und eigener Entscheidung zu pr├Ąsentieren. Das ist alles. Man kann damit gut leben, oder auch Verschw├Ârungstheorien ins Netz setzen. Nur muss man sich im zweiten Fall ├╝ber die Folgen absolut nicht mehr wundern. Wer Leistung sowieso hasst und seinem Partner von seinen Freiunden das Ende w├╝nschen l├Ąsst, kann sein Zeug auch bei sich selbst ver├Âffentlichen. Das hier ist das Internet.