Ich habe gestern Nacht von Dirk Olbertz ein neues Blog bekommen, um ein Experiment zu machen. Es heisst Insomnia.blogger.de und der Name verrät schon, worum es geht: Um die Schlaflosigkeit, genauer um die Schlaflosigkeit mancher Blogger, die durch die Nacht bis zum frühen Morgen durch die finsteren, einsamen Gassen von Kleinbloggersdorf schleichen.

Ich bin berufsbedingt auch so einer, der seine StreifzĂĽge bis weit nach Mitternacht ausdehnt, hier und da mal einen Kommentar macht und ab und zu sogar sieht, dass da noch jemand auf ist. Als ich am Samstag von der Spreeblickparty heimkam, waren noch 10 Leser auf meinem Blog, und als ich dann noch ein paar Bilder gepostet habe, kamen bis um drei Uhr morgens nochmal gut 300 Besucher vorbei. Will sagen: Da draussen sind jede Nacht viele Leute, die eigentlich noch nicht schlafen wollen, sondern in Blogs lesen. Oder vielleicht auch reden?

Die Idee ist, mit dem Insomnia-Blog einen Anlaufpunkt für diese Nachtschwärmer zu schaffen. Und zwar nicht als die 1-Personen-Bühne, die Blogs meistens sind, sondern eher als Nachtbar, als Club, so wie das Münchner Nachtcafe, das BaBaLu oder die Wunderbar in der guten, alten Zeit der späten 80er Jahre. Um das zu erreichen und der Sache einen Rahmen zu geben, macht das Blog erst um 10 Uhr Abend auf und wird im Morgengrauen verriegelt. Tagsüber kann man zwar durch die Scheiben gucken, aber nichts schreiben.

Beiträge schreiben kann jeder, der bei dem Blog als Subscriber gemeldet ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob und wo man sein eigenes Blog hat. Von Pöbeleien bitten wir Abstand zu nehmen, denn es soll für alle ein angenehmer Ort werden.Damit es nicht zu beliebig wird, beschäftigt sich das Blog eher monihematisch mit allem, was irgendwie mit Nacht und den damit assoziierten Empfindungen zu tun hat. Die Hoffnung ist, dass es ein Ort in Kleinbloggersdorf wird, von dem man weiss, dass immer jemand zum reden da ist, wo man andere Nachtschwärmer kennenlernen kann, wo man mal einfach nur an der Bar sitzen darf und zuhören, welche Geschichten, Träume, Bilder und Hoffnungen diese Nacht vervorbringt. Vielleicht kann man da sogar irgendwann virtuelle Poetry Slams, Rap Battles oder Tabledance veranstalten, wer weiss. Oder, auch das ist denkbar, noch schnell ein Date im Real Life organisieren.

Also auch ein kleines soziales Experiment, ob man die Idee einer Bar ins Netz übertragen kann. Vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass zwar die Anzahl der Blogs in Deutschland rapide zunimmt, die Verwendung und der Nutzwert von Blogs aber stagniert. In der Folge, so scheint es mir zumindest, gibt es enorme Infrastrukturprobleme. Man kennt seine Peer Group, man schaut nicht mehr raus, weil man auch nicht weiss, wo man suchen soll. Bei Insomnia wird hoffentlich vieles möglich sein, wie in einer richtigen Bar. Nede Nacht zwische 10 Uhr und Morgengrauen.