Ich war in der Schule in Mathematik nicht wirklich gut. Und ich bin, wie einige andere Problemf├Ąlle der Rechenkunst, Journalist geworden. Ich habe den Verdacht, dass die New Economy nur passieren konnte, weil ein paar Serienbetr├╝ger gemerkt haben, wie leicht man Journalisten den letzten Dreck verkaufen kann, solang man ihn mit sch├Ânen, runden Zahlen garniert. Und gerade jetzt scheint man das auf Gr├╝nderseite wieder zu begreifen.

Da geht also der Spiegel zu Myspace.com, der von Teenagern oft frequentierten Tochterfirma von Rupert Murdochs Medienimperium. Myspace ist, was Zahlen angeht, leicht mythenbehaftet, was jeder wissen sollte, der sich auf Behauptungen des Hauses einl├Ąsst. Anstelle der angeblich ├╝ber 100 Millionen Nutzer kommt Myspace dieser Untersuchung zufolge auf etwas ├╝ber 40 Millionen. Kann mqan leicht recherchieren, steht alles offen im Internet. Und was passiert, wenn der Spiegel bei Myspace vorstellig wird?

Nachdem die 100 Millionen vom 9. August 2006 sein sollen, diktiert Myspace dem Spiegel jetzt, 5 Monate sp├Ąter, 140 Millionen in den Block. Und nachdem so ein Spiegeltyp wohl auch sonst nicht weiter recherchiert, packt man gleich noch hunderte Millionen Gewinn drauf – im n├Ąchsten Jahr. Um dann zu Deutschland zu kommen: Hier habe Myspace drei Monate nach der Er├Âffnung 2,5 Millionen Nutzer – und t├Ąglich kommen 4000 neue Nutzer dazu. Zum Vergleich: Der Bloghoster Blogger.de kommt nach 4 Jahren auf 8000 Nutzer. Super Geschichte, wenn man nicht mal die Multiplikation beherrscht.

Also, sagen wir mal, um es auch einem Spiegeltypen ohne Taschenrechner nachvollziehbar zu machen: Myspace gibt es hierzulande seit 100 Tagen. Und jetzt glauben wir denen einfach mal und rechnen die 100 Tage mal die 4.000 User pro Tag. Da kommen wir auf 400.000 Nutzer. Die ziehen wir jetzt von den 2,5 Millionen angeblichen deutschen Nutzern ab, bleiben 2,1 Millionen. 2,1 Millionen durch 4.000 w├╝rde bedeuten, dass sich vor dem offiziellen Start hier in Deutschland ├╝ber 500 Tage vor dem offiziellen Start jeden Tag 4.000 Mitglieder h├Ątten anmelden m├╝ssen. Und jetzt m├╝sste man die L├╝genbande Jungs von Murdoch mal fragen, wie sie auf solche Zahlen kommen.

Oder den Spiegel, wieso er so eine gequirlte Scheisse abschreibt.

Der angeblich grosse Konkurrent von Myspace nennt sich ├╝brigens Microsoft Spaces und hat sich auch schon mal erfolgreich bei einigen Abschreibern als gr├Âsster deutscher Bloganbieter bezeichnet. Die w├Ąren mit ihren Zahlen auch ein guter Gespr├Ąchspartner f├╝r den Spiegel und alle anderen Knilche, die die vom Spiegel verbreiteten Zahlen hirnlos ├╝bernommen haben:

Zurzeit gibt es ├╝ber 120 Millionen au├čergew├Âhnliche Benutzer von Windows Live Spaces in ├╝ber 50 M├Ąrkten weltweit.

steht hier im oberen Teil der Presseinformation geschrieben. Und weiter unten dann hat das Wachstum schon zugeschlagen:

Teilen Sie Ihr Leben und Ihre aufregenden Geschichten mit Freunden, Familie und Fans – oder vielleicht auch mit unserem globalen Netzwerk aus 130 Millionen Benutzern.

Hey, was sind schon 10 Millionen Nutzer hin oder her! In dieser Hinsicht ist Web2.0 wohl wirklich neu: Wie schon beim Skandalstartup StudiVZ braucht man die Medien heute nicht mehr schmieren, was bei der New Economy noch weitgehend ├╝blich war. Die machen die guten Geschichten ganz von alleine, und schauen nicht hin, wenn irgendwo gelogen wird. Wer solche Journalisten besch├Ąftigt, kauft sicher auch mal solche Firmen. Wegen der versprochenen hunderte Millionen Gewinne. Wird schon stimmen.

[Edit: Auch Strappato schaut den Jungs aus “Qualit├Ąts”-Medien und Startups auf die Gierbratzen]