Jetzt hat er es fast geschafft. Rupert “der Mann, den sie Gosse nannten” Murdoch, Medienunternehmer wie Silvio Berlusconi und Hoflieferant des globalen Trailertrashs, ist am Ziel seiner W√ľnsche: Der Dow Jones Konzern mit dem Wall Street Journal gehen wahrscheinlich f√ľr f√ľnf Milliarden Dollar an eine Person, in deren Hand man so eine Medienmacht nicht zwingend sehen will. Gewissermassen im Vorgriff auf diese √úbernahme von Oben durch Ganz Unten teilte er dem Time Magazine schon mal mit, welche Ideen er so hat:

“What if, at the Journal, we spent $100 million a year hiring all the best business journalists in the world? Say 200 of them. And spent some money on establishing the brand but went global–a great, great newspaper with big, iconic names, outstanding writers, reporters, experts. And then you make it free, online only. No printing plants, no paper, no trucks. How long would it take for the advertising to come? It would be successful, it would work and you’d make … a little bit of money. Then again, the Journal and the Times make very little money now.”

What if…. ja, was w√§re eigentlich, wenn nicht nur die Druckereien √ľberfl√ľssig w√§ren, das Papier und die Auslieferer – sondern auch Gestalten wie Murdoch? Gibt es im Internet einen Grund, warum sich herausragende Journalisten nicht ohne eine Figur wie diese Person da zusammentun k√∂nnten? Leute wie Murdoch haben sich seit jeher einen Dreck um Qualit√§t gek√ľmmert, denen ging es ausschliesslich um den Profit, und das ist der einzige Grund, warum sie die Infrastruktur weg haben wollen. Gleichzeitig aber ist deren Organisation aber auch der Grund, warum es sie √ľberhaupt gibt.

Qualit√§t ist nur der Vorwand. Aber was ist, wenn, sagen wir mal, sich in Deutschland nur 70 wirklich gute Journalisten zusammentun, hervorragende Leute mit einzigartigen Geschichten, und jeden Tag was anderes bringen als dpa-Tickerm√ľll, wenn es einen schlanken Werbedienstleister gibt, der den Journalisten geh√∂rt, und wenn man daf√ľr sorgt, dass das Ding bekannt wird – wozu zum Teufel braucht man dann noch Medienmogule im Internet? Wenn die Aufgaben des Vertriebs, die Journalisten nicht √ľbernehmen k√∂nnen, wegfallen, wozu dann noch die ganzen politisch verstrahlten Gierh√§lse und ihre Blutsaugerfreunde von den Lobbyisten? Wozu dann noch Controller, die die Ausbeutung forcieren? Wieso soll man nicht alles, was den Journalismus allein durch seine Existenz beeinflust, vergiftet und unterdr√ľckt, mitsamt den Druckereien auf die M√ľllhalde der Geschichte kippen?

Weil Journalisten Besitzstandswahrer sind, weil sie nach den gleichen zynischen Massst√§ben wie Murdoch arbeiten, mit minimalem Einsatz ein Maximum an Gewinn wollen, weil es unter ihnen zynische Dreckschweine gibt, die zufrieden sind, wenn sie bei der Pressekonferenz eines Pharmakonzerns in einem Luxushotel einen Blankoscheck √ľber ihre Spesen ausf√ľllen k√∂nnen, sich anschliessend vollfressen und dann einen lobenden Artikel √ľber ein teures Medikament f√ľr chronisch Kranke schreiben (He, Stefan Niggemeier, das ist √ľbrigens der in Leipzig erw√§hnte Kontext des von Dir verf√§lschten Zitates), weil sie jeder Ver√§nderung hassen, solange es keinen anderen betrifft, und zu guter Letzt: Weil sie lieber einem Murdoch aus der Hand fressen, als selbst etwas zu wagen.

Und wenn mecom zur Berliner Zeitung und Netzeitung demn√§chst auch noch die S√ľddeutsche Zeitung kauft, werden wir vermutlich sehen, wie wenig Eigeninitiative in Journalisten steckt. Das Internet k√∂nnte die Schinder, Ausbeuter und Beeinflusser massiv unter Druck setzen, wenn sich mit seinen Mitteln die richtigen Leute zusammentun, nie war es leichter und billiger, und nie waren die Murdochs dieser Welt so ersetzbar wie heute. Wenn diese Personen als Sieger aus den Umw√§lzungen hervorgehen, liegt das nicht nur an ihrem K√∂nnen, sondern auch am Versagen derer, die l√§ngst nicht mehr ihre Contentsklaven sein m√ľssten.