Die Chimäre des Blogblues
Es gibt im Moment einige Schliessungen von bekannteren Blogs. Maingold, Poodlepop und dazu auch noch die ein oder andere Blogpause, und bei der Tagung im ZKM “Ich, Wir und die Anderen II” wehte hier und dort auch Nachdenkliches, gar Depressives durch die Beiträge. Da gab es natürlich auch diejenigen, die sich wohl mehr wirtschaftliche Vorteile vom professionellen Bloggen erwartet hätten – und jetzt mit einem unpässlichen Werbevermarkter ins ökonomische Nichts schreiben müssen, das sehr treffend Uwe Hochmuth von der HfG Karlsruhe beschrieben wurde. Er überraschte manche Anwesenden mit der Einführung des Begriffs “variable Kosten”, als die sich die mehr oder weniger anwesenden digitalen Bohemiens den Ausbeiutungsmechanismen der Wirtschaft präsentierten: Es gäbe nämlich wenig Verständnis für ihr Tun, aber durchaus ein Instrumentarium des Ausnützens ihrer Lage. Mercedes Bunz, die trendiges Agenda Setting für gewisse Berliner Netzwerkkreise known as Ritalin Connection im weiteren Umfeld eines angeblich “linken Neoliberalismus” auch im ZKM betrieb, wuselte während dieses Vortrags mal rein und mal raus und blieb dann auch weg, was angesichts des möglichen Diskurses einen etwas seltsamen Eindruck machte.
Abgesehen davon ist manchmal wirklich sowas wie Endzeitstimmung zu spüren. Für mich ist das absolut unverständlich, denn meine Auffassung vo Bloggen bedeutet: Erzählen. Erzählen ist ein bombensicheres Kommunikationsmodell, es ist simpel und effektiv wie das Blog als Instrument, da hat eine Ausdrucksform das ideale Ausdrucksmittel gefunden, und damit läuft die Sache. Solange man sich nicht von “den anderen” definieren lässt, oder denen, die andere Ziele verfolgen, den Spass verderben lässt. Das an und für sich gute Vernetzen kann schnell zu einer Spassbremse werden, weil damit plötzlich Gestalten auftauchen, denen man keinesfalls vorgestellt werden möchte, aber niemanden kann einen zwingen, dergleichen in seiner Umgebung zu dulden.
Warum aber schlägt der Blogblues dann so stark durch? Wieso die Stimmung, die tatsächlich fühlbar ist? Meines Erachtens hat das oft mit zwei Erfahrung zu tun, die man sich angesichts des schnellen Mediums, seinen rasanten Gesprächen und neuen Sensationen an jeder Ecke kaum vorstellen kann: Zeit und Tod. Öffentliches Schreiben hat häufug etwas damit zu tun, sich gegen das Vergessen und Vergehen zu stemmen, etwas zu bewahren und unflüchtig zu machen. Blogs sind da wie Bücher, sie vermitteln die Illusion, dass es möglich wäre, sich gegen den Strom der Zeit zu stellen, das Geschriebene bleibt, sagen manche, aber gleichzeitig ist die Flut all der Belanglosigkeiten, des Freaktums und der geldgeifernden Peinlichkeiten, die den Mainstram der Blogosphäre ausmachen, schlimmer als jedes Vergessen, und man kann sich dem Pech, irgendwie auch darunter gesehen zu werden, nicht oder nur schwer entziehen.
“Ich, Wir und die Anderen” zeigt exemplarisch den Grundfehler der Blogosphäre auf; denn während literarisches Schreiben früher erst aus einem “Ich” bestand, das sich an “Andere” richtet, die nur durch die Überwindung von hohen Hürden, mit einem hohen Engagement ein “Wir” gestalten konnten, geht das heute alles simultan. Man kann heute bei mir kommentieren und gleich danach bei einer Blogmarke, man muss nicht gross nachdenken, ein wenig Geplapper reicht auch schon. Das “Wir” der Blogosphäre ist vollkommen überschätzt und über weite Strecken minderwertig, Blogs sind Gespräche, aber als ich gestern Abend in einem Lokal war, redeten hinter mir zwei Typen nur über eine Prostituierte, die mit ihrer Entlohnung unzufrieden war und statt der abgemachten 30 Euro im Zimmer dann 50 Euro haben wollte.
Ich glaube nicht, dass der Blogblues eine Unzufriedenheit mit dem Erzählen und der nötigen Software ist. Es ist das Debakel einer unausgereiften Entwicklung, es sind tatsächlich strukturelle Probleme im System, das sich schon lange mehr über Awareness als über Qualität definiert, und dessen stete Veränderungen, der Auf- und Abstieg von Rädelsführern und der Ausstieg von Protagonisten nicht zwingend etwas ändert, aber andere Mittel sehe ich auch nicht. Es gibt durch das Schreiben keine Nichtendlichkeit, man kann Gedanken bewahren und für sich etwas tun, den anderen etwas erzählen – aber das Kollektiv, das Wir, das Soziale, das auch der Stalinismus für sich fordern konnte und jede andere Zusammenrottung, davon wende man sich besser ab.
Und erzähle weiter. Erzählen ist etwas, das einem keiner nehmen kann.
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[…] In der Tat! Auch ohne das man vorher sich damit beschäftigt hat und die Themen nicht mal kannte, hätte ich das Feedback der ZKM-Veranstaltung und der darum rankenden Diskussionen und Beiträge auch so formulieren können: Die Blogger haben einen Blogblues, wie Don Alphonso es nannte. Oder ist es vielleicht doch eher etwas anderes? Eine handfeste Midlife-Crisis? […]
heißt das nicht “chimäre”?
Ooops – richtig.
[…] Wer also gerne etwas über die Welt derjenigen Blogger erfahren möchte, die ihr Blog als einen Fremdkörper wahrnehmen, möge beim Don vorbeischauen. Und eine etwas andere Interpretation auf Zielpublikum Weblog. […]
Weil es hier draussen zuviele Arschlöcher gibt, die sich auf Kosten Dritter profilieren wollen.
Und natürlich, weil die Bühne für manch kleine Geschichte einfach zu groß ist. Klingt absurd, schließlich herrscht ja kein Schreibzwang.
Oder, etwa doch?
Ich mache alle naselang mal mein Blog platt und fange irgendwann wieder an, an anderer Stelle wieder ein neues aufzubauen. Das sind wie Wanderungen durch die Wildnis. Mal hat man Lager an einem See, wo die Fischgründe reichhaltig sind. Mal zieht es einen in die Wälder, um Bären zu jagen. Dort, wo es einem gefällt, lässt man sich nieder für eine Weile, schlägt sein Camp auf, macht ein Feuer, rottet sich mit anderen seines gleichen zusammen, erzählt sich Geschichten. Später löscht man die Feuer und zieht wieder weiter. Blogger sind Jäger und Sammler in meinen Augen. Nomaden mit leichtem Gepäck.
Den Blogblues sehe ich auch. Klar hat der was mit Awareness zu tun. Irgendwie haben viele den Anspruch, Erfolg zu haben, steigende Leserzahlen, mehr Verlinkungen, bessere Technorati-Authority, google-Pageranks, mehr Kommentare. Das trifft xyz-Blogger wie A-Blogger. Das Niveau ist ein anderes, aber von Peaks abgesehen, entspricht die Dynamik nicht dem, was die Blogospähre als Hype ausgegeben hat. Man würde fast “vor sich her dümpeln” verwenden. Stagnation, Krise.
Es ist die Frage, welche Ziele man definiert. Mein derzeitiges blog hat immer noch im Durchschnitt 100 Leser, da bewegt sich seit einem Jahr nichts. Wenn ich sehe, dass darunter die IP-Adressen der grössten Pharmakonzerne sind, dann habe ich mein Ziel erreicht. Das motiviert jeden Tag mehr, als eine Platzierung unter den Top-100 irgendwas.
Blogblues? Zu schön gesagt. Ja, Strappato, da hast du auch Glück noch neben allem Verstand. Denn an dem prinzipiellen langsamen Bohren dicker Bretter kommt man meines Erachtens in der Regel nicht vorbei.
Mich verwundert eher das Durchhaltevermögen der Mitschwimmer, der Oberflächentänzer und Skandalierer. Da schwappt gerne was hoch, man braucht das geradezu, und dann schwappt es auch wieder weg. Flickr – Yahoo – Adical – etc. Urheberrecht und Musikindustrie sind immer zu etwas gut.
Wenn ich Don Alphonso richtig verstanden haben sollte, dann ist diese “Wir”, wenn es sich auf diesen flüchtigen Pfaden entwickelt, eine episodische Geschichte. Die möglichen politischen “Wir”s werden leicht autoritär und doktrinär. Und für den Rest der “Wir”s gilt vielleicht: Warum nicht?
Ich bin ja auch ein sehr großer Freund der sehr kleinen Blogs. Diese Art Blogs, die einfach für den großen Freundes- und erweiterten Bekannten-Kreis da sind. Mehr als 100 (potentielle) Leser können da auch mal zusammen kommen.
Auch dort werden Geschichten erzählt, mit denen die Zielgruppe auch was anfangen kann, sie informativ, interessant und sogar unterhaltsam findet.
Ich habe festgestellt, dass das sogar eine sehr praktische Form der Kommunikation und des Kontakthaltens ist. Denn die Alternative wäre, an einer Tour einen Haufen E-Mails zu schreiben und dann an der Response mit der Zeit festzustellen, zu wem es sich noch lohnt Kontakt zu halten und zu wem nicht.
Bei einem Blog ergibt sich das (zu mindest teilweise) von selbst. Von den Leuten, die einem auf Blogeinträge via. Kommentar regelmäßig antworten weiß man zumindest, dass ihrerseits noch Interesse besteht. Der Umkehrschluss ist zwar nicht unbedingt möglich, weil man eben nicht weiß, wer alles noch mitliest und dann ist es eben auch unverbindlicher. Aber eine sehr praktische Kommunikationsform bleibt es trotzdem.
Ist jetzt vielleicht etwas OT. Aber für mich gehört das zur Blogosphäre irgendwie auch dazu.
Freunde und Bekannte zu informieren und Erlebnisse zu teilen, ist ja auch ein Ziel. zuviele stellen sich aber vor, mit dem blog eine relative Bekanntheit zu erlangen und/oder Einnahmen zu bekommen. Das war noch nie leicht und ist mit dem Abflauen des extremen blog-hypes noch schwerer geworden. Ein weiteres Problem: Das blog-Dingens ist für manche die einzige Perspektive. Die können nicht einfach so den Laden dicht machen. Das Durchhaltevermögen der “Mitschwimmer, der Oberflächentänzer und Skandalierer” speist sich aus dieser Alternativlosigkeit.
[…] Blogger haben zunehmend weniger Kontakt mit der “Aussenwelt”, also Menschen die nicht bloggen und auch keine Blogs lesen. Somit verpassen wir auch, dass vieles, was in der Blogosphäre passiert auch außerhalb dieser geschieht und interpretieren das Geschehen als ein Symptom der Blogosphäre. Don Alphonso und Robert werfen nun die Frage auf, warum einige bekanntere Blogger ihr Blog aufgeben und diskutieren, was Gründe dafür sein könnten. Robert meint, es liege daran, dass manche Menschen zwar gerne bloggen, aber nicht zum Bloggen geboren sind, Bloggen für sie also nur eine Lebensphase ist und es also ganz natürlich sein, wenn diese vorüber zieht und endet. Alphonso hingegen ist der Meinung, dass Blogs eben keine weitere Möglichkeit sind, Geld zu scheffeln, sondern Gedanken für die Ewigkeit zu bewahren. Manche würden das jetzt realisieren und sich darum von Blogs abwenden. […]
Herbst in Klein-Bloggersdorf
Der Herbst ist da. Don Alphonso und Robert Basic haben ihn entdeckt. Endl und Marnem hat seine Sicht der Dinge. Natürlich habe ich auch meine Ansicht. Schlimmer noch. Ich glaube das ich recht haben könnte und kann wie üblich mein Wasser nicht …
Vielleicht müsstet “ihr da oben”, also die “Top-Blogger” begreifen, dass eine GESUNDE Schreib-Community, so wir euch Klein Bloggersdorf vorstellt, nicht nur von erzählen, sondern auch von zuhören lebt! Ihr beschäftigt euch nur noch in Selbstbeweihräucherung, wie wichtig Blogs geworden sind; dabei sind die paar dutzend Blogs, die Menschen erreichen, eine winzige Minderheit gegenüber den tausenden Semi-Tagebüchern mit 100-500 Besuchern im MONAT. DAS ist die wahre Bloggosphäre; nicht Shopblogger bis Niggemeyer.
Nach der Depression kommt dann noch der Online-Suizid via Twitter & Co… übrig bleiben einige Blogs wie die Blogbar, die es auch in 10 Jahren noch geben wird und eine grosse Menge an online dokumentierten Lebensäusserungen, deren Kernleserschaft aus 2 bis 5 Personen besteht.. die wird man nicht mehr Blogs nennen, vielleicht BWDS bloody waste of disk space.
Ich halte dagegen: Wahres Bloggen ist quicklebendig! Was sich gerade abspielt, ist das zu erwartende Schisma von Klein-Bloggersdorf. Das sind ein paar Händevoll in die große weite Welt der Vermarktung gezogen um ihr Glück zu versuchen mit dem Goldklumpen namens Bloggen im Gepäck. Jetzt kommen Sie deprimiert zurück, weil sie permanent übers Ohr gehauen wurden (und doch dachten, sie wären sowas von clever…) und verbreiten schlechte Stümmung.
Wir aber, die wir uns gegenseitig und den treuen Lesern was zu erzählen haben, haben die ganze Zeit über schon das Korn zu Mehl gemahlen, Brot gebacken und alle davon essen lassen.
Nun kommen die diversen Unternehmen, die sowas professionell könn(t)en und schauen mal, was so geht. Da draußen entstehen SINNVOLLE Unternehmens-Blogs, die wenig bis gar nix mit Community und anderem Web-2.0-Scheiß zu tun haben, sondern eine Kommunikationsfunktion erfüllen – in der internen Kommunikation, im Austausch von Herstellern und Zulieferen, zwischen Firmen und ihren Kunden etc. Nix für die große Glocke…
Plötzlich gibt es wieder freies Feld für Befindlichkeits-Blogs, für kleine Tagebücher, für literarisches Blog-Treiben. Ein neues Hobby wird gerade geboren. Ganz unspektakulär.
[…] , blogbar – Die Chimäre des Blogblues Ich habe eine andere Theorie. Zum einen kommt, wie bereits erwähnt, gerade die Zeit der Herbstdepressionen, die einem manchmal einfach die Lust an dem nehmen kann, was man üblicherweise so tut. Zum anderen kollabieren manche Mechanismen der Blogosphäre unter dem Gewicht eben dieser. Durch das stetige Wachstum an Blogs nimmt die Möglichkeit den Überblick zu behalten ab. Von Tag zu Tag steigt die Zahl der Blogs, die man nicht im Feedreader hat und darum verpasst, was dort passiert. Zwar kann man einiges dadurch abfangen, dass man Artikel nicht mehr liest, sondern nur noch überfliegt, immer mehr Feeds in der Reader packt und noch mehr Zeit in die Blogosphäre investiert, zugleich nimmt damit aber die Möglichkeit ab, sein eigene Artikel zu Schreiben. Artikel zu Schreiben kostet immer Kraft und genauso das Lesen von Blogs, somit konkurrieren diese beiden Tätigkeiten und man muss sich der Erkenntnis hingeben, nicht beides Tun zu können. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das deprimiert. […]
Sicher, der Blogblues hat viel mit dem Scheitern oder den enttäuschten Erwartungen derer zu tun, die dachten, man könne daraus ein Geschäftsmodell machen. Wenn Stefan Niggemeier zum Start von Adical sagte, dass Werbeagenturen mit hohen TKPs zu seinem Lebensunterhalt beitragen, kann man nach zwei Monaten Durststrecke schon nachempfinden, dass sich die Lage bei manchen im Gemüt wiederspiegelt. Anders gesagt: Erst blogt man, weil es Spass macht, dann, weil man was dazu verdienen will, und wenn das nicht klappt, haben sie ein Motivationsproblem, weil die Lust vom Gewinnstreben abgelöst wurde.
Als Lustblogger hat man es natürlich leichter. Aber ganz so einfach ist es auch nicht; es kommt da weitaus mehr zusammen, und ich fragew mich schon, was eigentlich am Gräben aufreissen so schlecht sein soll. Gerade nach den letzten Monaten, wo A-Lister gezielt ihre Freunde aus Werbeagenturen als Kommentarhelfer vorschicken. Die Gräben sind längst offen, da gibt es gemeinschaftliche Absprachen zur Förderung gemeinsamer finanzieller Interessen und all so Zeug, bishin zum Versuch, anderen beruflich zu schaden.
Wenn jetzt ein paar Blogblätter fallen, sehe ich das mit einiger Gelassenheit – meistens. Wenn es Blogs sind, die ich mag, beschwatze ich deren Autoren, weiterzumachen, weil mir was fehlen würde. Endlichkeit gehört aber dazu. Und eine gewisse Unabhängigkeit von Zahlen – auch hier ist der Lustblogger im Vorteil – kann auch helfen.
Mit dem Gewinnstreben ist das ja so eine Sache. Da gibt es viele Varianten von, nur einer davon geht es dabei um Geld. Aber dies ist ein weites Feld.
Der Lustblogger, wie du ihn nennst, ist meines Erachtens immer und grundsätzlich im Vorteil. Ich persönlich denke, davon fällt die Welt nicht um, das geht und kommt, so wie die Kollektionen der Mode. Wer will, macht weiter.
Die blogs, die ich in meiner Linkliste habe, werden bestimmt nicht eingestellt. Und ich weiß auch warum: weil die Macher etwas zu sagen haben, ob privat, ob Geplauder aus dem Alltag, ob politisch, ob journalistisch aufbereitet oder von Du zu Du… – egal, es sind Blogger, die bloggen um der sache willen.
Wenn also all jene, denen es nun zu anstrengend ist, weil ja doch nix (also keine Kohle) dabei rumkommt, mit dem Bloggen aufhören, rufe ich laut: “HURRA! ENDLICH!”
und freue mich…
Den Hauptgrund des Blogblues sehe ich darin, das die Blog-Szene Qualiät nicht honoriert. Wenn man sich die Blog-Charts anschaut, so finden sich weit oben Blogs die einfach nur jeden Tag ein lustiges Youtube-Video posten und sich vor Besuchern nicht retten können. Blogs mit wertvollen Texten gehen dagegen unter oder werden eingestellt weil die Leute nur auf die Hotspots gehen.
Außerdem besteht oft schon bei kleinen Blogs der Wille, Geld zu verdienen – meist über AdSense.
Was vergessen wurde? Die Leser! Denn letzendlich geht es doch darum etwas zu sagen. Oder ist das geschriebene Wort schon zur bloßen Füllmasse zwischen Werbebannern verkommen?
Ich denke wir müssten an den Punkt kommen wo eine Aussage im Mittelpunkt steht. Weniger Blogs mit Selbsdarstellung und Katzenfotos sondern mehr gut recherchierte Inhalte. Dann hätten Blogs auch endlich eine reale Chance ein Massenmedium zu werden das nicht nur von einer Minderheit benutzt wird.
Möglicherweise geht es dem typischen Blogbetreiber nicht mehr um das reine Erzählen. Als reiner Leser ist mir schon aufgefallen, dass die wunderbaren Erlebnisse (ob echt oder erzählt ist egal) nicht mehr erzählt werden.
Vielleicht weil irgendwann alles erzählt ist, was erzählt werden sollte? Dann ist der Punkt, wo mensch sich abwendet – oder wirtschaftlichen Nutzen aus seinen erzählen haben will.
P.S.:
Erzählen geht manchmal besser ohne Web2.0
[…] Marnem fragt, ob es eine Herbststimmung in der Blogosphäre gibt und Don Alphonso gebraucht sogar das Wort Endzeitstimmung. Starke Worte für das wohl eher diffuse Empfinden, mit den Blogs ginge es nicht so recht weiter und die Unlust würde um sich greifen. […]
Das Problem an deiner Sichtweise ist nur, Don, dass bspw. Poodlepop doch wirklich zu den begnadeten Erzählern hier in Bloghausen zu rechnen war. Es sind also nicht unbedingt die Schlechten und erzählerisch Untalentierten, die gehen. Anders ausgedrückt: Könnte es nicht auch das Übermaß an SEOs, Spam-Klempnern und Klickrittern sein, das die Resignation der ‘Guten’ zur Folge hat?
Das, Chat Atkins, könnten am besten wohl die “Guten” beantworten, oder? Ist es denn so, wenn ich den Zusammenhang richtig deute, dass “man” sich nur an den Zumutungen der Blogwelt orientiert. “Man” spielt doch gegebenenfalls in einem noch viel weiteren Feld.
Das war auch die These von Peter Praschl für seine Agonie. Bis zu dem Moment, wo man einem Blogsoftwarebenutzer das gleiche kollegiale Gefühl entgegen bringt, das man für den Benutzer des gleichen Klopapiers empfindet, ist noch eine Weile hin, aber das sind dann genaun die Gräben, vor denen jene Angst haben, die mit Blogs ihr Geschäft machen wollen – denn der Graben ist nun mal der Beweis, dass sie auch nur eine banale Website mit ein paar Usern sind.
Das Problem mit diesen wild vernetzten Mikromedien hier besteht wohl eher im unkontrollierbaren Feedback. Wenn in ‘Old Media’ irgendwer sich inakzeptabel verhielt, dann dachte ein dadurch ‘angefasster’ Leser zumeist, dass er mit seiner Ansicht ziemlich allein in der Landschaft stünde. Bei den meisten langte es dann – wegen erwiesener Folgenlosigkeit – noch nicht einmal zum Leserbrief.
Plötzlich werden diese Dialogmedien aber nicht nur auf den Podien und Expertentagungen beschworen, sie sind plötzlich in Form einer Jedermann-Verlegerschaft da. In Bloggville bildet sich zu jedem Fauxpas eines Großschnäuz sofort ein Cluster aus Kommentaren (nämlich der von den Journalisten beschimpfte und gefürchtete ‘Metadiskurs’, auch ‘Schwarm’ oder ‘Buzz’ genannt). Solche Respektlosigkeiten wiederum sind weder angehende noch etablierte Meinungsführer gewohnt. Sollen sie sich so beschimpfen lassen? Deren Klopapier ist mir dabei übrigens ziemlich humpe …
Viel, denke ich, hängt auch mit dem ‘Hype-Kater’ zusammen. Es kommt alles eben nicht so und nicht so schnell und nicht so doll, wie es die Jubelperser des Web 2.0 in ihrem bunten Fuzziland als konkrete Utopien und Super-Duper-Projektentwürfe uns beschrieben haben. Propheten liegen meist daneben. Eigentlich sollten gewisse Leute doch schon längst reich und berühmt sein – meinen sie. Sie sind es aber nicht.
Ich schreibe weiter und gucke gelegentlich, ob auf meiner ‘Linkabwurfstelle’ was passiert ist. Wenn nicht, ist’s auch gut. Frust sieht anders aus.
Blog Depri, Blogblues? In meinem Fall trifft allerdings beides nicht den Kern der Sache. Blogs haben mich in letzter Zeit immer mehr regelrecht gelangweilt und sogar angeekelt. Natürlich nicht alle, aber ziemlich viele, sozusagen die meisten.
Die so called Blogosphäre wimmelt von widerlichen, nichtssagenden Selbstdarstellern, nerdigen Sesselfurzern die außer ihrem langweiligen Blog nichts anderes haben, einer großen Menge Speichelleckern und Jubelpersern und den besonders widerlichen SEO und Linkhuren, mit welchen ich ganz einfach nicht mehr in einen Topf geworfen werden möchte.
Ich möchte nicht mehr dieser „Blogosphäre“ angehören und ich möchte kein Blogger mehr sein. Warum nicht? Weil ich mit den meisten Personen dieser Schublade im realen Leben noch nicht mal ein Bier trinken gehen würde. Weil wir keine Gemeinsamkeiten haben, weil ich viele von ihnen abgrundtief zu hassen gelernt habe.
Jetzt könnte man selbstverständlich sagen, dass man doch sein eigenes Ding machen kann und einen großen Fick auf die Sicht und Dinge der anderen geben könne. Dies ist zwar eine hehre Meinung, aber in der Blogosphäre leider nicht konsequent durchsetzbar. Letztendlich wird man mit einem eigenen „Blog“ in den großen Deppenpool der „Blogger“ geworfen und muss sich als „Blogger“ mit anderen „Bloggern“ messen und vergleichen lassen, auch wenn das nicht die eigene Bestrebung ist und man darüber hinaus nicht das Geringste (außer einem CMS) mit diesen Personen gemeinsam hat.
Das war anfänglich noch völlig in Ordnung, aber die Blogosphäre hat sich verändert und dies aus meiner Sicht nicht zu ihrem besten. Es ist für mich nun nicht mehr in Ordnung sich Blogger schimpfen zu lassen, nur weil man Texte mit einem bestimmten CMS ins Internet schreibt. Mit dem Wegfall von Blogscout wurde die Situation zwar ein wenig besser, aber da waren sie leider schon alle da, die nicht erwünschten „Kollegen“.
Die Bezeichnung „Blogger“ ist im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Schimpfwort verkommen, welches für mich bedeutet, dass hier “extrem wichtige” Personen tagtäglich virtuelle Kämpfe um Positionen und Links mit bescheidenem Inhalt ausfechten.
Die Blogosphäre ist zu einer überdimensionalen, virtuellen Schleimspur von meinungslosen Linkhuren verkommen, die nur der Chartpositionen wegen bloggen, und dies noch nicht mal großartig zu verheimlichen versuchen. Sie tragen halbstarke Scharmützel auf Buchstabenebene aus, fechten einen lächerlichen pseudointellektuellen Kampf, während die meisten von ihnen vor der Kneipentür beliebig ein paar in die Fresse bekommen würden.
Es ist leicht sich hinter einem Blog zu verschanzen, etwas vorzugeben was man nicht ist, seine eigene Persönlichkeit zu schönen und hemmungslos auf die Scheiße zu hauen. Es geht nur noch darum das eigene Blog mit allen verfügbaren Maßnahmen auf mittelmäßige Positionen zu heben. Inhalte? Egal! Blog Karneval? Ja Gerne! Technorati Linkaktion? Sofort dabei!
Mich interessieren die lächerlichen Selbstdarsteller nicht und mich interessieren die zwanghaften Vielschreiber nicht, denen man deutlich ihren innerlichen Zwang nach wenigstens einer Anerkennung in ihrem ansonsten vermutlich eher einsamen Leben anmerkt. Diese Menschen, die in Wahrheit nur von ihrer eigenen Angst vor der virtuellen Bedeutungslosigkeit getrieben werden, tun mir noch nicht mal mehr leid. Sie sind trotz ihrer gut funktionierenden Blogs die ersten Verlierer dieser schönen neuen Welt 2.0. Sie wissen es nur noch nicht.
Für mich ist es nicht erstrebenswert dieser Web 2.0. Jubelperser-, Speichellecker-, SEO Dumpfbacken-, und Selbstdarsteller-Gesellschaft weiterhin anzugehören. Im Grunde habe ich sie schon immer gehasst und meine Spucke auf dem Monitor ist noch die harmloseste Art meiner Geringschätzung für dieses Phänomen. Ich möchte nicht dabei sein, wenn sie sich gegenseitig die Eier schaukeln und sich gegenseitig abfeiern als wären sie der neue Netz-Heiland.
Und außerdem: Es ist extrem befreiend, ein jahrelang aufgebautes Blog mit einer gewissen Reputation und einigen aus meiner Sicht recht vernünftigen Artikeln mit nur wenigen Mausklicks komplett zu zerstören, selbst wenn dies einen jederzeit wieder herstellbaren Prozess darstellt. Das ist Punk und Rock´n Roll in einem, und davon gibt es ohnehin viel zu wenig.
Das schreiben und veröffentlichen werde ich mit Sicherheit vermissen, das bloggen allerdings nicht. Nichts hindert mich jedoch daran schon morgen wieder Texte im Netz zu veröffentlichen. Wenn ich es will. Und wenn man erst Dinge zerstören muss um neue zu erschaffen, dann ist das für mich auch in Ordnung. Es entwickeln sich so neue Sichten und Betrachtungen, und vielleicht sogar neue Ideen.
Und auch dieser Kommentar wäre aus meiner Sicht ein ganz guter Artikel auf einer eigenen Website geworden, auf der man mittels eines CMS auf einfache Weise Texte veröffentlichen kann, wobei der aktuellste Artikel immer an erster Stelle steht und die Übrigen zeitlich absteigend folgen. Vielleicht sollte ich ein solches System mal installieren und testen.
[…] Zur Zeit scheint es eine akute Blog-Frustration zu geben. Mittlerweile bekannt als Blog-Blues, Blog-Midlife-Crisis oder auch Blogout-Syndrom. Natürlich gibt es auch Blogger, die sich da absolut nicht betroffen fühlen und deren Blog-Leidenschaft kein Ende findet. […]
Ähm, Maingold, ich versteh’ das ja alles.
Trotzdem nicht ganz konsequent^^: man dürfte überhaupt keine Seite nirgendwo im Internet veröffentlichen, denn da tummeln sich Porn, Dummzeug, Betrug, Abzocke, übelste PR-Schleimerey und das Dark Web mit Terror et al. In welcher üblen Gesellschaft bist du DA erst^^.
BÖR, Porn, Dummzeug, Betrug, Abzocke, PR Zeugs, usw. gibt es bei Dir nur im Web?
Das gibt es überall und würde man Deiner schwachsinnigen Argumentation folgen, würde dies in letzter Konsequenz im gefplegten Selbstmord enden. Oder wie?
Du scheinst nicht besonder viel von dem verstanden zu haben, was ich meinte.
[…] Maingold an der Blogbar – dort begründet er, warum er sein Blog aufgegeben hat. Kann ich nicht ganz so stehenlassen – sicherlich ist es, wann man von Außen in dieses komische Gebilde blickt, dass sich Blogosphäre lenkt so, dass es nur “einen” Begriff von Blogs gibt. Je länger und je tiefer aber man schaut, desto mehr treten die Unterschiede hervor – die Katzenblogger, die A-Blogger, die D-Blogger – zu denen ich gehöre – diejenige, die Geld scheffeln wollen – na ja, ein wenig gehöre ich wohl dazu mit dem NGC, aber wenn das die Hauptsache wäre würde das Blog wohl schnell drunter leiden – und dann gibts die Teenie-Blogger, die Fachblogs, die Serienblogs usw. usf. […]
Maingold, darf ich Deinen Kommentar mit einer kleinen Einführung hier als eigenen Beitrag einstellen?
@ Maingold
Halt dich mal etwas zruck mit der übel abwertenden Bezeichnung “meine schwachsinnige Argumentation”. Obwohl ich deinen Zorn gut verstehen kann, aber DEN Geifer, den braucht’s ehrlich net.
Host mi?
“Du scheinst nicht besonders viel von dem verstanden zu haben, was ich meinte.”
Dochdoch. Hab ich haargenau.
Was anderes als selbstdarstellender Blog-Karneval ist es denn, das eigene Blog mit einem Rant allererster Güte (Ja, Maingold, hat mir stilistisch prima gefallen…) zu schließen und dies AUSGERECHNET am Rand der sprudelnden Quelle der Selbstreferenzialität öffentlich zu machen. Ist das Punk oder Rock’n’Roll?
Don, klar, gerne. Dann wird er ja doch noch ein Artikel.
Aah!
Maingold blogt wieder. ;-)
wie wärs mal mit “Über Schriftstellerei und Stil” von schopenhauer… der hat da schon ziemlich ähnliche gedanken.
Bloggen ist ein sinnloses Ding. Trotzdem machen es viele Menschen.
Fernsehen glotzen ist auch ein sinnloses Ding, und es wird von noch viel mehr Menschen gemacht.
Fazit: die Häufigkeit der Ausübung einer Tätigkeit steigt mit deren Sinnlosigkeit.
Und manchmal wird es einem eben bewußt, wie sinnlos das ist, was man vielleicht mal als “ambitioniert” und “relevant” betrachtet hat.
[…] Sorry, darum geht es gar nicht in dem Artikel, aber mir gefällt dieser Abschnitt so gut und auch der Schluß. […]
[…] Jeder hat mal den Blues, ist doch alles nicht so schlimm. Einfach mit Leidenschaft raussingen und dann geht´s schon viel besser. Aus der Reihe “Roland hatte ihn auch schon” hier nun ein Spassprojekt aus dem Jahr 2004 mit einem befreundeten Musiker (Stefan G.), in welchem ich meine tote Stimme zu einem letzten Gebet emporschreie. Coverversionen mit neuem Text können gern mit mir realisiert werden ;-). […]
[…] M.R.: Und das heißt also, du klingst, also, es gibt halt so Anforderungen manchmal, aber klingst ganz zufrieden. Weißt du oder kannst Du uns jetzt erklären was ein “Blogblues” ist? Marnem: Ja, Blues is ja eigentlich eine eher traurige Musikart und der Blogblues is halt wenn man nicht singen kann, sondern halt traurig bloggt im Prinzip. Angefangen hat das ganze über die Blogbar, DonAlphonso, der hat nen Artikel geschrieben über die Konferenz “Ich, wir und die anderen” und darüber dass eben kurz davor haben zwei Blogs zugemacht, Maingold und Poodlepop und dass auch die Professoren auf der Konferenz äh eher so n bißchen art Abgesang gemacht haben, auf die ganze Bloggerei und was es so gibt. […]
Die Bloggerblase
[Foto: Cayusa]
Als beste Strategie, um auf seinen Blog aufmerksam zu machen, gilt das Setzen von Trackbacks und das Kommentieren von Artikeln anderer Blogs (und das damit verbundene Verlinken auf den eigenen Blog). Ein anderes Blog ist damit gleichzei…
he,he und dirty tags
[…] wertung) Loading … reaktionen auf diesen beitrag via rss 2.0 dein kommentar hierzu oder trackbacks ähnliche artikel: nicht vorhanden | kommentare bittekommentieren. […]
[…] Dies wäre die Zeit und der Ort für einen Jahresrückblick. In allen Zeitungen, Zeitschriften, auf allen Fernsehkanälen und auch auf vielen Blogs kann man ihnen kaum entgehen. Auch ich habe mich mit dem Gedanken getragen, hier einen persönlichen Jahresrückblick zu veröffentlichen. Aber sei es, dass ich nur zu faul bin, oder sei es, dass mich der Blogblues (vgl. Nerdcore, Opinio communis, Blogbar, Endl.de), ein Blog-Burnout (vgl. Prinzess, Robert Basic, Jared, Blog Herald, bluecrow), eine Blog-Depri (vgl. Robert Basic) oder ein Blog-Herbst (vgl. Marnem, Duckhome) erwischt hat, der Jahresrückblick unterbleibt an dieser Stelle. […]
[…] Dieses Buch ist bereits 2004 erschienen, ich hatte jetzt Lust, es nochmals zu lesen. Auslöser waren Artikel wie Die Chimäre des Blogblues, Maingold sagt und blogherbstmonolog. […]