Eines voraus: Ich l├Âsche alles und jeden sofort, der da unten was von wegen “Die Frauen sind doch selber schuld” oder “dann h├Ątten sie das nicht hochladen d├╝rfen” oder “man muss halt mit den Daten aufpassen” oder “ist doch nur Satire” schreibt. Ich habe kein Problem mit Sex, mein Blog ist beim Wort ficken auf den ersten Pl├Ątzen bei Google – aber es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Sex und Sexismus, und der sollte meines Erachtens ungef├Ąhr so gross sein wie der zwischen einer Nacht bei einem Menschen und einem Abend mit eingeschlagener Fresse im Strassengraben bei unter 10 Grad. Und ja, ich habe dank einer Indiskretion die Daten der Beteiligten und insbesondere die Campus Captains, l├Âschen kommt also ein klein wenig zu sp├Ąt, Jungs. Man muss halt mit den Daten aufpas – ooops.

Wir erinnern uns vielleicht noch an diese Gliederung im Beitrag “Vexilla Regis Prodeunt Inferni“. Zu deutsch heisst das “Die Banner des H├Âllenk├Ânigs kommen auf uns zu”, es stammt aus der g├Âttlichen Kom├Âdie von Dante und besagt, dass nun der innerste Kreis der H├Âlle bevorsteht. Und genauso ist es auch, denn wir n├Ąhern uns dem schwarzen Kern von StudiVZ, einem Netzwerk mit fast 700 m├Ąnnlichen Mitgliedern, die dort dem Hobby “sexuelles Interesse” nachgehen, oder, um sie selbst zu Wort kommen zu lassen:

Ihr glaubt, dass Privatsph├Ąre egal ist?

Ein Forum heimlicher Sexisten also ist die StudiVZ-Gruppe mit dem Namen *****. Schon in der offen sichtbaren Einleitung gibt es gewisse Hinweise auf das Treiben, das den Lesern eigentlich komisch vorkommen m├╝sste:

Die Gruppe ***** ist eine Gruppe f├╝r M├äNNER! Wer eine wirklich fotogene Frau im Studiverzeichnis gefunden hat, teile uns dies doch bitte mit. Bitte gebt Vor- und Nachnamen sowie die jeweilige Uni an. [...] Die Wahl zur Miss-Oktober ist beendet, die Siegerin steht fest. Unter Fotowahl IV d├╝rft Ihr nun wieder flei├čig Vorschl├Ąge f├╝r die Wahl zur Miss November einreichen. Viel Spa├č!

Fast 700 m├Ąnnliche Mitglieder – oder – wie einer mal bemerkt, Glieder, hat diese Gruppe. Und nat├╝rlich entspricht der angegebene Zweck m├Âglicherweise nicht dem Datenschutz noch den StudiVZ-AGB, denn:

Ferner verpflichtet sich jeder Nutzer, den Service nicht missbr├Ąuchlich zu nutzen, insbesondere ├╝ber ihn kein diffamierendes, anst├Â├čiges oder in sonstiger Weise rechtswidriges Material oder solche Informationen zu verbreiten. Insbesondere betrifft dies pornographische, rassistische, volksverhetzende oder vergleichbare Inhalte, die gegen geltende Gesetze und gegen die guten Sitten verstossen.

Tur M├Ąnnerbelustigung werden die Daten wohl eher nicht ver├Âffentlicht, f├╝r sowas gibt es andere Angebote. Aber schauen wir doch mal rein, was die so schreiben, die Jungs.

Ihr denkt, selber schuld, wenn was hochgeladen wurde?

Offensichtlich, denn viel denken sich die Nutzer dieser Gruppe nicht. Das Leck mit den Bild-URLs, das ich hier aufgedeckt habe, kannten die Herren schon etwas l├Ąnger, und so wundert es nicht, wenn bei der Suche nach Frauen die Bilder gleich miteingebunden wurden:

Warum das wirklich, wirklich, wirklich ein Problem ist, dazu komme ich sp├Ąter nochmal. Es kann n├Ąmlich wirklich ├╝ble Folgen haben, noch ├╝bler als die obige mutmassliche Rechtsverletzung am eigenen Bild, die die Herrschaften in diesem Forum massenhaft betreiben.

Ihr geh├Ârt zu denen, die mit dem Datenschutz abgeschlossen haben?

Dann ist es ja auch kein Problem, mal etwas tiefer einzusteigen bei den Daten der betreffenden Leuten. Immer gleich den Namen angeben und die Uni, damit es auch ja leicht zu finden ist:

Oder noch besser f├╝r die 700 Herren, von denen ├╝brigens sehr viele, nun, sagen wir mal, solo sind und nicht wirklich die h├╝bschesten Userbilder haben, wenn man auch noch gleich das Wohnheim der betroffenen Frau mittteilt:

Datenschutz ist in solchen F├Ąllen wirklich nur ein Versehen:

Gut, dass dann doch noch der Nachweis des Stammhirns geklappt hat. Erst mal schlecht f├╝r die Zielperson nat├╝rlich, aber gut, dass es jetzt jeder lesen kann.

Und nat├╝rlich profitiert jeder davon, weil man tolle Leute treffen und gruscheln kann?

Gruscheln, und zwar alle auf einmal, das ist das, was dann auf die Wahl folgt. Das von U-Bahn-Filmer Ehssan Dariani angeblich geschaffene Wort erh├Ąlt hier eine neue Bedeutung, die ich ungef├Ąhr mit “Absprache zum gemeinschaftlichen Stalking und Bel├Ąstigung” umschreiben w├╝rde:

Die Folge? Nun, die ersten beiden “Erw├Ąhlten” sind nicht mehr bei StudiVZ, und ├╝ber die Ursache ist man sich in der Gruppe auch im Klaren:

Kann man alles prima machen, StudiVZ-Gruppen sind da prima f├╝r geeignet.

Und Ihr passt schon auf, dass nichts passiert, Euch kommt schon keiner zu nahe, denn Ihr wisst, wie man sich sch├╝tzt?

Dar├╝ber hat man sich tats├Ąchlich auch fr├╝hzeitig Gedanken gemacht.

Den Herrschaften, die das lesen, ist durchaus bewusst, dass das, was sie tun, nicht nach allgemeiner Auffassung richtig ist. Genauer gesagt, ich w├╝sste inzwischen schon ein halbes Dutzend Gesetzesverst├Âsse, mit denen man die Verantwortlichen nageln k├Ânnte. Weil das mit dem Maulwurf finden, Freunde der Blasmusik, das hat jetzt nicht so doll geklappt, wie man sieht. K├╝nstlerpech.

Ihr seid smart. Es gibt da nur ein kleines Problem: Der Weg zur H├Âlle ist mit smarten Leuten wie Euch gepflastert. Denn es gibt immer einen Idioten, der nicht smart ist.

Wenn ich etwas aus der New Economy gelernt habe, dann ist es: Verlass Dich nie auf Leute, die Drogen nehmen. Vor allem nicht auf solche, die damit auch noch angeben, es ├Âffentlich tun, Bilder machen und sowas rumerz├Ąhlen. Man fliegt mit denen immer auf die Schnauze, fr├╝her oder sp├Ąter. Ein Ratschlag, den die Gruppenmitglieder wohl nicht kannten, denn der Gruppengr├╝nder verbreitet durch einen hier problemlos einzuh├Ąngenden Link bei StudiVZ ein f├╝r jeden, wirklich jeden sichtbares Bild, das ihn mit einer, sagen wir mal szenetypischen gewissen Flasche und einem gewissen Rauch zeigt.

Begreift es endlich: Die URLs sind ein gottverdammtes Sicherheitsrisiko. Und es betrifft auch und gerade die Fraktion derer, die denken, kann man doch tolle Sachen mit machen.

Und der macht das Tor zur H├Âlle auf.

Tats├Ąchlich hat er es augemacht, f├╝r meine Informanten. Jeder kann sich bei StudiVZ einloggen, zu der Gruppe gehen und schauen, wer die Mitglieder sind. Manche ├╝brigens fanden die Geschichte ├╝bel, die haben das auch gesagt, aber die meisten hatten damit keine Probleme. Jetzt haben sie damit ein Problem.

Ach so, noch was: Die Gruppe ist ja schon ├Ąlter. Man wundert sich, warum diese Gruppe niemand gemeldet hat. F├Ąllt doch irgendwie auf, und unter 700 Leuten sollte ausser meinen Informanten doch wenigstens noch ein einziger Gerechter sein, der begreift, was da abgeht. Und das Ding meldet. Nun, ├╝berraschenderweise sind da auch ein paar sog. Campus Captains dabei. Kann passieren. Ist alles noch kein wirkliches Problem, irgendwie dumm gelaufen, k├Ânnte man denken.

Aber wie gesagt: Dieser eine da macht die T├╝r zur H├Âlle auf.

Denn die Gruppe ist offensichtlich gemeldet worden.

Man hat sich bei StudiVZ die Gruppe genau angeschaut.

Man hat es dem Idioten per Mail mitgeteilt.

Und der Idiot postet die Mail in dieser Gruppe.

Und jeder der 700 konnte sie lesen.

Jetzt – weiss es auch jeder hier draussen:

Dass es kein Fake ist, sieht man, wenn man in der Gruppe eingeloggt ist – dann sieht man n├Ąmlich auch die Gruppenmitglieder, die ihre Mitgliedschaft in ihrem normalen Profil verbergen. Et viola:

Da ist er, Campus Captain an der WHU, und Mitarbeiter bei StudiVZ Ltd in Berlin Mitte, dessen Namen in der Mail steht.

Ein f├╝hrender Mann einer Firma, deren Server dummerweise nicht im B├╝ro stehen. Die man nicht einfach so komplett l├Âschen kann, falls sich jemand mit mehr Macht als ich kleiner Blogger daf├╝r interessieren sollte, was da eigentlich mit wessen Wissen, Unterst├╝tzung und aktiver Beteiligung wo l├Ąuft. Und jetzt hat hoffentlich jeder begriffen, was Datensicherheit bedeutet. Ich war gn├Ądig. Ich mache es nicht so wie die, ich verschleiere die Namen und Bilder, denn selbst ein dreckiges Stalkerschwein, einfach jeder hat ein Recht auf den Schutz seiner Daten. Jeder. Immer. ├ťberall. Es sind Eure Rechte. Nicht meine. Es sind die Rechte der Verantwortlichen. Auch Ihr habt dieses Recht, und ich werde Euch nicht den Gefallen tun, mich auf eine Stufe mit Euch zu stellen.

Zieht Konsequnzen, solange ihr noch k├Ânnt. Am besten noch heute Nacht. Denn der Torpedo l├Ąuft. Und nichts wird ihn stoppen.

If any spark of life be yet remaining,
down, down to hell, and say I sent the hither.

Mehr Infos und die passende Karte bei einem anderen Kunden der H├Âlle.