(Folgendes im Kommentar, und mit seiner Erlaubnis veröffentliche ich das auch noch als Text, weil es sehr schön das Dilemma beschreibt, das ich auch kenne – ohne deshalb zu den Konsequenzen zu greifen, die leider das – vorlĂ€ufige? – Ende von Maingold bedeutet haben. Don.)

Blog Depri, Blogblues? In meinem Fall trifft allerdings beides nicht den Kern der Sache. Blogs haben mich in letzter Zeit immer mehr regelrecht gelangweilt und sogar angeekelt. NatĂŒrlich nicht alle, aber ziemlich viele, sozusagen die meisten.
Die so called BlogosphĂ€re wimmelt von widerlichen, nichtssagenden Selbstdarstellern, nerdigen Sesselfurzern die außer ihrem langweiligen Blog nichts anderes haben, einer großen Menge Speichelleckern und Jubelpersern und den besonders widerlichen SEO und Linkhuren, mit welchen ich ganz einfach nicht mehr in einen Topf geworfen werden möchte.

Ich möchte nicht mehr dieser „BlogosphĂ€re“ angehören und ich möchte kein Blogger mehr sein. Warum nicht? Weil ich mit den meisten Personen dieser Schublade im realen Leben noch nicht mal ein Bier trinken gehen wĂŒrde. Weil wir keine Gemeinsamkeiten haben, weil ich viele von ihnen abgrundtief zu hassen gelernt habe.

Jetzt könnte man selbstverstĂ€ndlich sagen, dass man doch sein eigenes Ding machen kann und einen großen Fick auf die Sicht und Dinge der anderen geben könne. Dies ist zwar eine hehre Meinung, aber in der BlogosphĂ€re leider nicht konsequent durchsetzbar. Letztendlich wird man mit einem eigenen „Blog“ in den großen Deppenpool der „Blogger“ geworfen und muss sich als „Blogger“ mit anderen „Bloggern“ messen und vergleichen lassen, auch wenn das nicht die eigene Bestrebung ist und man darĂŒber hinaus nicht das Geringste (außer einem CMS) mit diesen Personen gemeinsam hat.
Das war anfĂ€nglich noch völlig in Ordnung, aber die BlogosphĂ€re hat sich verĂ€ndert und dies aus meiner Sicht nicht zu ihrem besten. Es ist fĂŒr mich nun nicht mehr in Ordnung sich Blogger schimpfen zu lassen, nur weil man Texte mit einem bestimmten CMS ins Internet schreibt. Mit dem Wegfall von Blogscout wurde die Situation zwar ein wenig besser, aber da waren sie leider schon alle da, die nicht erwĂŒnschten „Kollegen“.

Die Bezeichnung „Blogger“ ist im Laufe der Zeit zu einem regelrechten Schimpfwort verkommen, welches fĂŒr mich bedeutet, dass hier “extrem wichtige” Personen tagtĂ€glich virtuelle KĂ€mpfe um Positionen und Links mit bescheidenem Inhalt ausfechten.
Die BlogosphĂ€re ist zu einer ĂŒberdimensionalen, virtuellen Schleimspur von meinungslosen Linkhuren verkommen, die nur der Chartpositionen wegen bloggen, und dies noch nicht mal großartig zu verheimlichen versuchen. Sie tragen halbstarke ScharmĂŒtzel auf Buchstabenebene aus, fechten einen lĂ€cherlichen pseudointellektuellen Kampf, wĂ€hrend die meisten von ihnen vor der KneipentĂŒr beliebig ein paar in die Fresse bekommen wĂŒrden.
Es ist leicht sich hinter einem Blog zu verschanzen, etwas vorzugeben was man nicht ist, seine eigene Persönlichkeit zu schönen und hemmungslos auf die Scheiße zu hauen. Es geht nur noch darum das eigene Blog mit allen verfĂŒgbaren Maßnahmen auf mittelmĂ€ĂŸige Positionen zu heben. Inhalte? Egal! Blog Karneval? Ja Gerne! Technorati Linkaktion? Sofort dabei!

Mich interessieren die lÀcherlichen Selbstdarsteller nicht und mich interessieren die zwanghaften Vielschreiber nicht, denen man deutlich ihren innerlichen Zwang nach wenigstens einer Anerkennung in ihrem ansonsten vermutlich eher einsamen Leben anmerkt. Diese Menschen, die in Wahrheit nur von ihrer eigenen Angst vor der virtuellen Bedeutungslosigkeit getrieben werden, tun mir noch nicht mal mehr leid. Sie sind trotz ihrer gut funktionierenden Blogs die ersten Verlierer dieser schönen neuen Welt 2.0. Sie wissen es nur noch nicht.

FĂŒr mich ist es nicht erstrebenswert dieser Web 2.0. Jubelperser-, Speichellecker-, SEO Dumpfbacken-, und Selbstdarsteller-Gesellschaft weiterhin anzugehören. Im Grunde habe ich sie schon immer gehasst und meine Spucke auf dem Monitor ist noch die harmloseste Art meiner GeringschĂ€tzung fĂŒr dieses PhĂ€nomen. Ich möchte nicht dabei sein, wenn sie sich gegenseitig die Eier schaukeln und sich gegenseitig abfeiern als wĂ€ren sie der neue Netz-Heiland.

Und außerdem: Es ist extrem befreiend, ein jahrelang aufgebautes Blog mit einer gewissen Reputation und einigen aus meiner Sicht recht vernĂŒnftigen Artikeln mit nur wenigen Mausklicks komplett zu zerstören, selbst wenn dies einen jederzeit wieder herstellbaren Prozess darstellt. Das ist Punk und RockÂŽn Roll in einem, und davon gibt es ohnehin viel zu wenig.

Das schreiben und veröffentlichen werde ich mit Sicherheit vermissen, das bloggen allerdings nicht. Nichts hindert mich jedoch daran schon morgen wieder Texte im Netz zu veröffentlichen. Wenn ich es will. Und wenn man erst Dinge zerstören muss um neue zu erschaffen, dann ist das fĂŒr mich auch in Ordnung. Es entwickeln sich so neue Sichten und Betrachtungen, und vielleicht sogar neue Ideen.

Und auch dieser Kommentar wĂ€re aus meiner Sicht ein ganz guter Artikel auf einer eigenen Website geworden, auf der man mittels eines CMS auf einfache Weise Texte veröffentlichen kann, wobei der aktuellste Artikel immer an erster Stelle steht und die Übrigen zeitlich absteigend folgen. Vielleicht sollte ich ein solches System mal installieren und testen.