Zwei Dinge voraus: Ich ärgere mich erheblich über das Verhalten von Knallgrau, die erst mit Riesenbohei eine Zukunft ausrufen und sie dann als nichts Halbes und nichts Ganzes versauern lassen, weil ja andere Dinge wie die Fussball-WG für einen Brausehersteller sehr viel wichtiger ist, und den Schrotthaufen dann am Ende mit ein paar blöden Phrasen aus dem Powerpointbaukasten den Nutzern andrehen wollen. Und es gibt einige Gründe, warum ich mir nicht vorstellen kann, wie ein “deutsches Blogportal” auf absehbare Zeit funktionieren sollte, von dem in letzter Zeit wieder ab und an die Rede ist. Trotzdem ein paar Ideen dazu.

1. Es gibt ein paar Dinge, die so ein Portal nicht sein darf. Ein linkbasierter Schrotthaufen wie Rivva zum Beispiel. Die Inhalte, die bei Rivva gepusht werden – grüner Gemeinderat twittert, Nasebohren geht mit dem iPhone nicht, schnell reich werden mit Blogs und sich endlich einen Kaugummi leisten können – sind absolut nicht kompatibel zu einer höheren Reichweite. Im Gegenteil, ein grosser Teil der Akzeptanzprobleme der deutschen Blogosphäre rührt von einer Aussenbetrachtung her, die Blogger über weite Strecken als die softwarefüllenden Nullchecker erkennt, die sie sind.

2. Die Idee einer Sammlung von Blogs, manche spitz auf Zielgruppen ausgerichtet und andere breit angelegt, hatten schon Spreeblick und Germanblogs, und aktuell kommt auch das Blogwerk damit nicht richtig in die Puschen. Blogwerk ist nicht journalistisch schlecht, aber zu schlecht, um in kurzen Zeiträumen Gewinne zu erwirtschaften, ausserhalb der Blogosphäre prima anzukommen und irgendwas zu bieten, was man nicht auch woanders findet. Teilweise natürlich nochmal erheblich mieser oder schlichtweg gekauft, aber das ist auch keine Option.

3. Literatur im Netz geht. Aber Literaturportale im Netz gehen nicht. Schriftstellertum lebt von Vereinzelung der Autoren und nicht vom Zusammenschmeissen, bei dem der gerade verfügbare Möchtegernautor den Könner runterzieht. Qualität muss die oberste Maxime sein.

Und dann gibt es auf der anderen Seite ein paar Dinge, die sich aus den aktuellen Umwälzungen der Medien ergeben, über die man aber mal nachdenken könnte.

1. Es gibt im Internet kein Hochglanz. Sueddeutsche.de und Co. picken sich zwar ihre Bilder bei billigen Photocommunities raus, aber was ich mal gern sehen würde, wäre eine Verbindung all der guten Bilder des Netzes in Gross mit grossen Texten.

2. Regionaltourismus muss weder so anämisch wie Qype noch so bonbonfarben wie der Fremdenverkehrsverband sein. Es gibt auch schon nette Regionalblogs, aber keines nimmt den Nutzer gezielt an die Hand und sagt: bei uns geht dieses und jenes. Blogger können lokal stark sein, wenn man sich Mühe gibt und einen Plan hat.

3.Natürlich kann sowas schnell in Arbeit ausarten. Na und? Wenn es irgendeine Lektion aus all dem Kommerzdreck der letzten Jahre gibt, den man in die Blogosphäre reingekippt hat, dann ist es: Man kann nicht tun, was man will, und damit Geld verdienen.

4. Ein Ende der Beliebigkeit. Die “Ich mach ma und wenn es nicht geht mach ich was anderes ey”-Haltung, die Blogverlage und Medien aktuell gleichermassen auszeichnet, ist nicht zielführend, genauso wenig wie der aufgeklaubte Werbegockel, den man nimmt, weil man ihn kennt, die Freunde, die man fragt, weil man nichts anderes weiss, oder das private Netzwerk, das man zu einem Geschäftsmodell umbaut.

5. Klare Positionen und Persönlichkeiten. Zwei Dinge, die im Journalismus auf dem Rückzug sind, die man sich mit einem Blogportal aber aneignen könnte. Aber bitte auch hier: Keine Humorregionalmeister, die Hintertupfing rocken und ihre 10 Fans mitbringen. Wo das endet, sieht man bei den Bloggerverpflichtungen von Zoomer & Berliner Zeitung.

6. Auch wenn sich die meisten ihre News bei Spiegel Online holen: Etwas tagesbegleitende Aktualität wäre auch nicht schlecht, gerne meinungsstark und mit Pro/Contra-Meinung versehen.

7. Literatur zur Auflockerung? Gerne.

Prinzipiell sind das aber Anforderungen, von denen ich nicht glaube, dass sie umzusetzen sind. Und in dem Moment, da einer etwas richtig Gutes macht, wird er wenig Lust haben, sich noch mit dem – weniger guten – Rest in einen Topf schmeissen zu lassen. Um ehrlich zu sein: Einen undankbareren Job als die Einrichtung, Wartung und Pflege eines deutschen Blogportals, gerade angesichts der kommenden Wirtschaftskrise, kann ich mir schwer vorstellen.