Es ist recht leicht zu begr├╝nden, warum Blogs und Blogger auch dieses Jahr mal wieder nichts vom Relevanzkuchen abbekommen werden – zumindest hier in Deutschland.

1. Die Europawahl ist in f├╝nf Wochen. Es mangelt nicht an europaspezifischen Themen, die man aufgreifen k├Ânnte: Erweiterung der Eurozone angesichts der Finanzkrise etwa. Das Problem: Man m├╝sste Ahnung haben, was das bedeutet. Das w├╝rde aber bedeuten, dass man sich mal mit den Problemen der Carry Trades in Osteuropa besch├Ąftigt. Oder Maastricht-Kriterien. Oder Genfrass. Alles Europathemen. Greift aber keiner auf, weil die bekannteren deutschen Blogs in diesen Fragen alles andere als Kompetenz mitbringen.

2. Landtagswahlen im Saarland, Sachsen, Th├╝ringen und Brandenburg: Da sitzen zu wenig bekannte Blogger, und diejenigen, die nicht dort sind, werden sich da nicht engagieren, sondern zur awarenesstr├Ąchtigen

3. Bundestagswahl versuchen, eine Nische zu besetzen: Gegen Zensur im Netz, gegen Zensurursula, f├╝r Mitsprache im Netz und dortige Strukturen. Das Gute daran: Es hilft den ├╝blichen Verd├Ąchtigen, sich an die Spitze der Bewegung zu stellen, von der sie in Sachen Kommerzialisierung gekippt sind. Es hilft ihnen, an dem einen oder anderen Katzentisch Platz zu nehmen, und es entbindet sie von der Pflicht, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, das die Wahlen komplett beherrschen wird, und von dem sie nichts verstehen. Wir werden in dem Punkt sehr viel Gschaftlhuberei sehen.

Sprich, deutsche Blogs werden sich auf ein Randthema st├╝rzen, das den meisten anderen egal ist. Sie werden versuchen, das Thema gross zu machen, um nicht klein zu bleiben, und um sich gleichzeitig nicht der M├╝he auszusetzen, in anderen Feldern Wissen und Kompetenz erringen zu m├╝ssen. Ziel wird es sein, sich als politische Spitze der Bloggerei zu geben. Was ziemlich trauzrig und bescheuert ist, wenn man sich mal so Problemfelder wie “Kurzarbeit und HartzIV” anschaut. Da kommt mal wieder die Strukturschw├Ąche der bekannteren deutschen Bloggerei zu tragen: Nur gut, solange es um Netzthemen und Medien geht. Ansonsten marginal, inkompetent und auch gar nicht bereit, etwas zu tun, was keinen Spass macht.