Vielleicht noch ein paar ErgĂ€nzungen zu meinem FAZ-Text. Man ist ja in der FAZ, da kann man gewisse Dinge amĂŒsant und diplomatisch sagen. Hat auch seinen Reiz. Hier ist die Blogbar. Hier ist es anders. Und nachdem jetzt ein
paar Stinker rumlaufen und winseln, ich wĂ€re doch auch ein Berater oder brĂ€uchte das, um mich abzureagieren – abreagieren, Ihr Versager, ist was das hier:

Ich habe 2003 aufgehört, Firmen was zu erzĂ€hlen. Ich habe mir damals wirklich viel MĂŒhe gegeben, ziemlich viele GrĂŒnder der New Economy waren und sind Freunde, man versucht, was man kann, man sieht nicht gerne seine Freunde auf der Strasse stehen, es macht keinen Spass, wenn die, die man ausgebildet hat, Nachts um Drei mit einem Tablettenproblem klingeln, weil sie nicht mehr heim können und nicht wissen, wie sie ihre Schulden loswerden. Ich habe das in einer wirklich ĂŒblen Zeit in einem schweren persönlichen Umfeld gemacht, und ich war kein windelweiches Haschipopperl wie all die Freaks und Lachnummern, die jetzt social media machen. Ich weiss, wie Beratungsprozesse vor sich gehen, ich kenne sie von die TĂŒcken von der Evaluation aufgrund unvollstĂ€ndiger Daten und LĂŒgen ĂŒber besserwisserische GrĂŒnder und VCs, die einfach ein wenig Geld verbrennen können, um sich nachher rauszuwinden, sie hĂ€tten ja auch einen Berater bezahlt, bishin zu Implementierungen, die zu jenem Zeitpunkt als Erfolg verkauft werden, da noch niemand die neu geschaffenen Probleme erkennt, die durch die fehlende Harmonisierung mit dem Rest des Betriebes entstehen.

Vom 1999-2003er Standpunkt aus ist social media Beratung ein feuchter Dreck. Weder geht es um einen Wirtschaftszweig, noch um dauerhafte Strukturen fĂŒr BörsengĂ€nge, noch um komplexe Wachstumsprozesse, die fĂŒr alle Beteiligten eine enorme Herausforderung waren. Nochmal, wer damals nicht dabei war, sollte besser sein Maul halten, wenn es um Beratung geht.

Social Medie Beratung ist ein feuchter Dreck, weil es um nichts anderes mehr geht, als das weiterwursteln. Das Hangeln von Auftrag zu Auftrag, das Anbieten kleiner Lösungen, das Bohren von kleinen Löchern in Geldtanks, um kleine Bereiche grosser Konzerne. Beratung war frĂŒher mitschuften in den Bereichen, in denen es brannte, social media Beratung ist das Daherreden cooler SprĂŒche vor Ahnungslosen, die irgendwo gelesen haben, wie cool das alles sein soll. Social Media Beratung ist ohne grosse Strukturen möglich, man muss nichts gross durchrechnen oder Hand in Hand mit Juristen arbeiten, man ist nicht eingebunden, sondern macht sein neues Eckerl in der Firmenstrategie und sagt, dass es schon irgendwie laufen wird. Diese bescheuerte, mit Verlaub, Tweetacademy ist das beste Beispiel fĂŒr diese peinliche GrĂŒtze, ich sass im November mit Nicole Simon auf dem Podium, drĂŒckte dem allgemeinen BeraterklĂŒngel ein Ding nach dem nĂ€chsten rein und kam damit kaum durch die wolkigen SphĂ€ren des Beratersprechs Strategie Englisch Scheissdreck Blabla. Da muss man erheblich gröber werden, als es auf einem Podium möglich ist, auf dem man nur eingesprungen ist.

Ich hĂ€tte in meinem Beitrag auch noch andere Namen aus anderen Regionen als non best practice reinschreiben können. Es gibt da einen gewissen “Mirko Lange” aus MĂŒnchen, der sich in diesem Umfeld krĂ€ftig nach vorne drĂ€ngelte und im Fall der gescheiterten Vodafone-Kampagne seinen Namen oft in den Kommentaren als Verteidiger der Sache lesen wollte. Keine Ahnung, was der im Bereich social media machen will, aber nach seiner Interneterscheinung fehlt mir jede Erkenntnis, was der mit “social” zu tun haben will. Brrrr. Klaus Eck of Brokat Infame ist auch so eine bestimmte Nummer, um mal in MĂŒnchen zu bleiben, oder Alex Wunschel mit seiner eher indezenten Zukunftspodcastversprecherei, oder der neuerdings wieder ĂŒber Twitter auftauchende Michael Praetorius, den man mal zum Thema Nettuner befragen kann, wenn man ihm die Röte ins Gesicht treiben will. Wobei ich keine Ahnung habe, ob es das bei diesen Leuten ĂŒberhaupt gibt.

Wie gesagt: Ich berate keine Firmen mehr. WĂŒrde ich Firmen beraten, wĂŒrde ich ihnen vor allem erst mal sagen, was von den anbrandenden Experten oder was sich dafĂŒr hĂ€lt definitiv nicht brauchen. Ich wĂŒrde mir das wirklich kompetent nur im Bereich von Blogs anmassen, und das auch nur, weil ich selbst bewiesen habe, wie man ein erfolgreiches Profiblog mit Leserbindung und Diskursangebot umsetzt, und was man besser heute als gestern dicht macht. Ich denke, ein Berater sollte bewiesen haben, dass er selbst die Ziele erreicht, die er anderen verkauft. Und nicht andere zu etwas beraten, was er nicht auf die Reihe bekommt.

Generell, und das ist nun mal meine gelebte Erfahrung jenseits solcher Kreise, glaube ich einfach nicht, dass Menschen Lust darauf haben, sich von Firmen anfaseln zu lassen. Oder bekehrt werden wollen. Oder sich zu Agenten machen lassen möchten. Das mag bei den Kreisen, in denen sich die Gschaftlhuber formieren, anders sein, aber Kokaindealerstammtische und Callcenterbetreiber sehen in ihrem Treiben auch kein Problem. Ich bin einfach der Meinung, dass dieser ganze Krempel nur sehr begrenzt was im Zwischenmenschlichen verloren hat:

1. Die Menschen wollen das nicht in ihrer Kommunikation, und was fĂŒr ein ungehobelter Cretin muss man eigentlich sein, um das nicht zu akzeptieren? WĂŒrde ich einer von denen auf die Strasse stellen und zwei Menschen, die sich unterhalten, fĂŒr einen Kunden anfaseln? Und mĂŒssten sie sich wundern, wenn sie am Abend mit eigeschlagenem Maul im Krankenhaus lĂ€gen?

2. ist die Welt in den letzten Jahren ohnehin viel zu voll von den WĂŒrmern geworden, die uns bis in die letzten Bereiche des Lebens nachkriechen. Und das betrifft bitte auch jene Herrschaften, die davon reden, dass man nur zuhören will. Es geht Euch WĂŒrmer einen Scheissdreck an, geht von mir aus nach Syrien.

3. ist es fein, eine Firma so zu gestalten, dass die Menschen mit ihr reden wollen, In Kreuth zum Beispiel hockt ein fanatischer Rodelbauer, der tolle Produkte herstellt und fĂŒr diesen Beruf lebt. Mit dem möchte ich gerne mal reden. Ich. Mit ihm. Wegen der Produkte. Aber nicht, weil es ein paar Asoziale bezahlt, die morgen fĂŒr Slipeinlagen sprechen.

Wenn man also Firmen beraten will im Bereich social media, muss man ihnen nahebringen, dass das Wort “sozial” bedeutet, kein widerliches, stinkendes Arschloch zu sein, auch kein kleines, widerliches, stinkenden Arschloch, nicht mal nur ein wenig fies und hinterfotzig, sondern etwas, das man rundum mögen kann. Eine widerliche Veranstaltung wie Coca Cola braucht keinen social Newsroom oder einen gekauften Spammer, der mich mit diesem Dreck belĂ€stigt. Aber um genau das Firmen zu erklĂ€ren, brĂ€uchte es Berater, die selbst nicht dem Idealbild des kleinen, widerlichen, stinkenden Arschlochs entsprechen. Keine LĂŒgenmĂ€uler, Unsympathen, gierige Hungerleider, Internetpropheten und BeweihrĂ€ucher ihrer Kumpels auf Gegenseitigkeit, keine Twitternetzwerke zum AblĂ€stern ĂŒber Andersdenkende und Absprachen zum Trollen. Das alles aber existiert, weil sie in Strukturen agieren, die das nicht unter Strafe stellen, sondern verstĂ€rken und fördern. Jeder verarscht jemanden, alle spielen mit, jeder sagt, wie toll und wie wichtig das ist, alle hyperventilieren und sind möglichst gleich vorne mit dabei. Echtzeit, augumented reality, Always-on, Internet als Durchdringung der RealitĂ€t, ausgelagerte Denkprozesse, das alles wird gerade als nĂ€chster Hype verbreitet und bietet massenhaft Beratungsbedarf. Der Lobo schreibt davon was bei seinem Projekt der CeBit, sein Freund Seemann verlinkt das lobend von der FAZ aus, in ein paar Wochen heisst es dann von jemand aus dem Kreis, es stĂŒnde ja auch in der FAZ, aber niemand redet darĂŒber, dass sich hier ein paar Kumpels und GeschĂ€ftspartner ihre BĂ€lle zuwerfen.

Jetzt steht halt mal etwas anderes in der FAZ. Ist halt nicht jeder rektal in einem anderen, wer hĂ€tte das gedacht. Ein paar Leute werden es vielleicht schwerer haben, ein paar Leute werden Fragen stellen, gerade weil es nicht im Internet, sondern im Print war. Heisse Sache, das. Social Media Experten wurschteln ganz vorne rum, aber im Kommendostand bevorzugt man Print, so ein Pech aber auch, nix Medien- und Bewusstseinswandel, Ihr armen Hascherl. Und ziemlich viele aus dem Bereich bemĂŒhen sich deshalb zu sagen, dass an meinem Beitrag schon was dran ist, um damit im ohnehin schweren Marktumfeld dieser Spinnereien zu signalisieren, dass sie nicht gemeint sind.

Habt Ihr schon mal ĂŒber Kloputzen nachgedacht? Das ist eine tolle Arbeit in einem social media channel, die Ihr vielleicht sogar beherrschen werdet.