Keine gute Zeit f√ľr Nervens√§gen: Nachdem Myblog “Kelly M.” ausgeschlossen hat und der notorische Fuegner bei Twoday verschwand, werden jetzt auch bei Antville nach einigen Jahren dauernder Streitigkeiten Konsequenzen gezogen: Der unter dem Begriff “Zitterwolf” bekannte und bei manchen f√ľr seinen Stil beliebte, bei anderen jedoch verhasste Blogger wurde vom Adminsitrator rausgeschnissen.

Alle, die ihn so gerne haben, die ohne ihn nicht sein k√∂nnen und die ihm Weblogs schenken m√ľssen, m√∂gen das dann bitte auch in einer anderen Nische tun.

This ain’t no service. This is a gift.

Hintergrund war wohl sein provokativ gedachter, laxer Umgang mit Begriffen, die einen deutlichen Bezug zur deutschen Geschichte zwischen 1933 und 45 hatten. Ungeachtet dessen gab es bei Antville gewisse Cliquen, die ihn vielleicht gerade dehalb sch√§tzten und ihn bisweilen auch mit neuen Blogs versorgten. Sein Wirkungsbereich erstreckte sich aber auch auf andere Bloghoster – bei meinem 2.-Projekt beispielsweise wurde er nach einem diffamierenden Zitat aus dem Horst-Wessel-Lied konsequent gel√∂scht. Manche nennen das vielleicht einen provokativen Stil; weniger humorvolle Menschen w√ľrden eher Rechtsanw√§lte oder den Staatsanwalt einschalten; noch dazu nach der soeben erfolgten Novellierung des ¬ß130 StGB Volksverhetzung.

Auch hier stellt sich nochmal die Frage nach der dynamischen Abwehr solcher Figuren. Kelly M., Fuegner und Zitterwolf haben ihre eigene Geschichte, lernen dazu und erkennen die Nischen, in denen sie R√ľckhalt und Unterst√ľtzer finden. Sei es nun, ob manche auf ihrer Wellenlinie sind, oder sie einfach die gleichen Feindbilder einen: In allen F√§llen ist die L√∂schung nicht durchwegs positiv aufgenommen worden.

Bei Dotcomtod hatten wir die Möglichkeit, gewisse Leute auf einen Wert von -1 zu setzen Рihre Postings und alle Folgenden konnten dann nur noch eingelogte Mitglieder lesen und kommentieren. Dadurch wurden die meisten Exzesse schnell ausgebremst, die Trolle verloren schnell die Lust an einem Konflikt ohne Beobachtung. Das zeigte auch, dass es nicht im Mindesten um Meinungsfreiheit oder Zensur ging: Die Möglichkeit sich zu äussern war weiterhin gegeben, nur das Publikum stimmte gegen die Trolle ab, indem es einfach nicht lesen wollte.

Man sollte sich keine Illusionen machen: Von ein paar Dutzend Trollen gelang es nur bei einer Handvoll, sie dadurch zu domestizieren und den Diskurs wieder in normale Bahnen zu lenken. Der Grossteil wollte pers√∂nliche Konflikte, den Egokick, am besten durch Attacken auf “Promis”, und das gesamte Projekt sch√§digen. Insofern kann eine fr√ľhzeitige Intervention mit klaren Ansagen – 1. Verwarnung, 2. Verwarnung und √Ėffentlichkeit reduzieren den Extremfall einer L√∂schung unterbinden – und gleichzeitig die Bildung einer Clique um den Troll verhindern, die bisweilen auch sehr st√∂rend sein kann. Dass Anschuldigungen wie “Stasi” in solchen F√§llen unvermeidlich sind, geh√∂rt dann nur zum Spiel der Trolle und ihrer Camarilla dazu – meist der letzte Aufschrei beim Weg in eine andere Ecke des Netzes, wo das Spiel dann fortgesetzt wird.