Im Gegensatz zu dem, was manche glauben, ist es beruflich absolut nicht sch√§dlich, an Geschichten wie StudiVZ zu schreiben. Neben Spam, Drohmails, Hassbriefen und anderen Formen des virtuellen Mobbings kamen auch viele Angebote rein, die sicher hochlukrativ gewesen w√§ren. Die Idee mancher Leute war wohl √§hnlich wie bei einem Hacker – hat man ihn im Haus, muss man sich keine Sorgen mehr machen, dass er sich reinbohrt. Darunter waren einige Firmengr√ľnder, Medien und f√ľhrend – die von mir immer gerne gegeisselte PR. Mit den letzteren Angeboten und den dort √ľblichen Honoraren k√∂nnte ich mir mit sieben mal Flugreise, Hotel, Buffet und eine Stunde vor deren Vertretern labern vermutlich eine lustige erste Jahreh√§lfte 2006 2007 machen.

Es ist ja nicht so, dass ich mit PRlern nicht rede, einige meiner besten Freunde sind PRler. Ich habe auch schon beruflich mit ihnen zu tun gehabt. Aber sowohl als Journalist als auch als Blogger muss klar sein: Das Maximum, was hier erreichbar ist, ist Koexistenz. Es ist nicht so, dass ich mir nicht auch schon mal meine Gedanken gemacht habe, was mit Blogs und PR alles m√∂glich w√§re, ich h√∂re mir vieles an und verdamme da nicht alles in Bausch und Bogen. Aber ich bin f√ľr mich zu dem Entschluss gekommen, dass es keine gemeinsame Basis gibt, zumindest nach den mir bislang bekannten Konzepten. Und meistens kommuniziere ich das vergleichsweise gefasst.

Aber vor kurzem hatte ich so einen Moment, da stand hier schon ein Beitrag, der auch f√ľr meine Verh√§ltnisse hasserf√ľllt und voller Wut war. Und zwar so, dass es nicht mehr die Kunstfigur Don Alphonso geschrieben h√§tte. Da war eine Einladung f√ľr einen Kommunikationskongress der “Deutschen Presseakademie” im Adlon. Mal abgesehen davon, dass hinter der depak Presseakademie GmbH mit dem grossen Namen die Gesch√§ftsf√ľhrer der meines Erachtens journalistisch sch√§bigen Helios Media GmbH stehen, eine Firma, mit der ich in meiner Berliner Zeit schon mal zusammengeraten bin und die ein gutes Beispiel f√ľr den Kl√ľngels zwischen Johurnaille, Lobbyluden und PRoleten ist – mal abgesehen davon also klang die Mail recht verst√§ndnis voll, um mal draus zu zitieren:

Das Thema, bei dem wir Sie gerne dabei hätten, ist Krisenkommunikation Рaus Sicht eines Bloggers, der manche Krise mitbeeinflusst hat, weil er auf manchen Skandal erst hingewiesen wird. Es geht mir darum, dass Sie erklären, was Sie unter einem skandalösen Verhalten verstehen, welche Abwehrstrategien von Unternehmen das ganze möglicherweise noch viel schlimmer machen und warum vor allem Manipulationsversuche gern mal nach hinten losgehen. Und Sie sollten dabei unser Publikum ganz sicher nicht in Watte packen, sondern sehr kritisch mit Ihnen umgehen.

Auf der Seite der Veranstaltung, die unter Moderation eines typischen Berliner Mediengew√§chses zwischen allen dort gebotenen Fleischt√∂pfen laufen soll, finde ich dann folgende Ank√ľndigung f√ľr dieses mein Themenfeld:

– Die destruktive Kraft von Blogs & Co.: Gefahren der Internet-Ger√ľchtek√ľche vorbeugen
– Issue Management: Gefahren-Monitoring von lokal bis global

Dazu hier zwei n√ľchtern vorgetragene Anmerkungen, mit denen ich dem Honorar aus 965 Euro zzgl. MwSt. pro Person entsage:

1. Blogs sind eine Kultur. Und zwar eine mitunter sehr hochstehende, f√ľr die Zukunft des Internets einzigartig vorbereitete und stabile Kultur, die bestehen und √ľber lange Zeit zu einem dominierenden Bereich der Kommunikation heranwachsen wird. Blogs haben Zukunft – PR dagegen nur noch Vergangenheit. Blogs haben keinerlei destruktive Kraft, die destruktive Kraft ist durch das destruktive Wesen von Firmen und Organisationen vorhanden. Diese Kraft war lange Zeit vergleichsweise stabil gelagert. Das ist sie jetzt nicht mehr. Die Zeiten, wo man sich mit ein paar √§hnlich destruktiv bet√§tigenden Medien einigen konnte, sind vorbei. Blogs setzen die destruktive Kraft der anderen frei und reflektieren sie auf den Verursacher. Dass ausgerechnet PR Blogs meint als “Internet-Ger√ľchtek√ľche” bezeichnen zu m√ľssen, nun, um das angemessen zur√ľckgeben, m√ľsste ich meinen sicher nicht kleinen bayerischen F√§kalwortschatz nochmal erweitern gehen.

2. Ja. Bitte. Monitort uns. Kauft Euch schweineteure Berater, die Euch dabei helfen. Und Software. Und Know How. Die Peter Turis, Frank Hubers, Klaus Ecks, Mark Pohlmanns und √ľberhaupt alle Trittbrettfahrer dieser Welt werden begeistert sein, Euch √ľber die Gefahren aufzukl√§ren, im Adlon zu schlafen und dann auch teure Programme unter ihrer Beteiligung vorschlagen, in denen sie Euch armen, versch√ľchterten PRlern helfend zur Seite stehen. Zusammen mit den internen Abstimmungsproblemen und dem Scheitern dieser Leute, das ich hier k√ľhl l√§chelnd als sehr gefragter Experte f√ľr solche F√§lle kostenlos prognostiziere, kostet Euch das ein Schweinegeld. Ich kann das hier offen sagen. Weil Ihr nicht intelligent genug seid, das Kernproblem zu erkennen: Wer keinen √Ąrger mit den Bloggern will, muss sich einfach ordentlich benehmen. Das ist das ganze Geheimnis. Seid ehrlich, offen, beutet keine Menschen aus, korrumpiert nicht,l√ľgt nicht, versucht nicht, die Leute zu verarschen, kurz, seid einfach genau das Gegenteil von dem, was PR ist, und es wird keine Probleme geben. Euer fieses Dasein ist eben nun mal teuer, werdet nett, und es wird billig. Das ist wie beim Sex: Stinkende, besoffene, versaute Freier mit miserablen Manieren bleibt nur das teure Bordell, der Rest kann den Spass um des Spasses und der Liebe willen haben.

Das allerdings ist so simpel und banal und gleichzeitig f√ľr PRler und ihre Helfer so undurchf√ľhrbar, dass ich damit weder einen Vortrag bestreiten k√∂nnte, noch Geld daf√ľr nehmen wollte. √úbrigens, wer mal ein Seminar anbieten will nach den Motti “PR-Krisen – Firmen peitschen f√ľr Anf√§nger”, “Kommunikation und Widerstand – was Journalisten in Zeiten der PR-Diktatur von Bloggern lernen k√∂nnen” oder “36 Arten, einen PRler noch vor dem Abendessen zum Kettenraucher zu machen” – f√ľr sowas bin ich buchbar. Da komme ich jederzeit gerne. Geld ist da Nebensache, ich bin auch mit einer Semmel zufrieden und einem Platz f√ľr den Schlafsack. Das ist es mir wert.

Solange ich den Richtigen helfe, und den anderen schade.