Die tatsĂ€chliche Nutzung der diversen Web2.0-Dienste ist meines Wissens nach nicht bekannt. Wir kennen zwar Page Impressions und Visits, aber die Frage, wie tief diese Dienste bereits in as tatsĂ€chliche Nutzerverhalten eingedrungen sind, ist bislang kaum beantwortet worden. In der letzten Zeit habe ich mal geschaut, wie sich das Millionenspektakel Mille Moglia bei der grossen Photocommunity Flickr niederschlĂ€gt, und es mit der Webkonferenz Reboot9 vergleichen. Das Ergebnis kann man so zusammenfassen: Über die HĂ€lfte der Web2.0-Freaks der Reboot verwendet Flickr, wĂ€hrend bei der Mille Miglia angesichts der Masse der Zuschauer die Flickrnutzer eine verschwindend kleine Minderheit sind.

Nun ist eine gĂ€ngige ErklĂ€rung fĂŒr diese Diskrepanz das Alter der Zielgruppe, und ihre InternetaffinitĂ€t. Ich persönlich glaube zwar nicht, dass Oldtimerfans das Internet wenig nutzen, aber Fakt ist: An Flickr geht diese Szene spurlös vorrĂŒber. Aber wie schaut es aus mit denen, auf die allgemein gesetzt wird? Die jungen Leute, die mit dem Internet gross geworden sind? Letzte Woche war in Köln Kirchentag mit 100.000 meist jungen DauergĂ€sten unter 30 Jahren, sowie zigtausenden Tagesbesuchern. Wennn wir von 100.000 meist besser gebildeten, interneterfahrenen Besuchern mit fast durchgĂ€ngigem Kamerabesitz ausgehen, unterschĂ€tzen wir die Zahl dieser Gruppe sicher nicht. Ich wĂŒrde mal sagen: Das sind sie, die Leute, die die BusinessplĂ€ne der Web2.0-Startups bevölkern. Und wie sieht das jetzt aus?

Es gab bei Flickr bis gestern Abend rund 50 Photographen, die insgesamt ca. 1050 Bilder von diesem Ereignis hochgeladen haben. Die meisten Bilder, mitunter weit ĂŒber hundert, stammen von nur 5 Usern. Das entspricht einem Anteil an den Teilnehmern von 0,05%. Aber hey! Das ist locker das fĂŒnffache meiner optimistischen SchĂ€tzung der 0,01% Mille Miglia Knipser! Das ist ja super! Das sind unglaublich viel mehr! Hier sind sie also, die jungen Mass…

Äh.

Im Vergleich zur Reboot ist die Nutzung unsagbar bescheiden. Man kann beim besten Wilen nicht sagen, dass das Thema Flickr bei dieser – theoretisch – Kernzielgruppe eine Rolle spielt. Und sage keiner, die wĂŒrden nicht ins Internet. Ich war dort, und die OnlinezugĂ€nge waren immer restlos ĂŒberfĂŒllt. Nur hat eben Flickr nichts davon abbekommen.

Noch zwei andere Zahlen: Etwas besser wird es, wenn man Blogs betrachtet. Technorati spuckte, wenn man es um die Medien und SekundÀrberichte bereinigt, rund 200 BeitrÀge von Besuchern aus. Und bei StudiVZ gab es mehrere Gruppen zum Thema, die beiden Grössten hatten 246 und 395 Mitglieder, die aber oft identisch waren. Insgesamt haben beide Gruppen jeweils nur 10 Themen, und 120 bzw 200 WortbeitrÀge. Was jetzt auch nicht gerade das allertollste Ergebnis ist.

Die Zahlen sind natĂŒrlich nur grobe SchĂ€tzwerte, es kann durchaus sein, dass das ein oder andere anders verschlagwortet ist oder bei Technorati nicht auftaucht. Aber dennoch ist es nur eine verschwindend kleine Minderheit, die solche Dienste nutzt. Aus der jungen, mit den Internet aufgewachsenen Zielgruppe.

Das sollte uns zu denken geben.