Wenn man sich seiner Nutzer sicher ist, schaltet man nicht solche Anzeigen, wenn sie ihren Namen ├Ąndern, wie es bei diesem Screenshotausschnitt von StudiVZ zu sehen ist:

Ein simples “Nein” geht auch als Antwort.

Wenn wir aber davon ausgehen, dass StudiVZ so etwas wie eine Gesellschaft ist, und man es an der Spitze dieser Gesellschaft f├╝r n├Âtig h├Ąlt, ihre Teilnehmer aufzufordern, keine Schritte zu ihrer Anonymit├Ąt zu unternehmen, und ihre Privatsph├Ąre zu sch├╝tzen – was ist das f├╝r eine Gesellschaft?

Ich glaube, StudiVZ hat Angst. Das B├╝ro ist unmittelbar hinter dem alten Stasigeb├Ąude in Ost-Berlin, sie haben mehr Wissen ├╝ber ihre Nutzer als die DDR ├╝ber ihre B├╝rger, aber auch keine Macht, die B├╝rger zu halten. Ausser dem sanften Trick, die sozialen Kontakte zu instrumentalisieren: Man solle doch an die Freunde denken. Und nat├╝rlich will man mit dem Namen absolut nichts B├Âses anstellen.

StudiVZ stirbt. Es geht ein an den Neuzug├Ąngen, die kaum mehr Studenten sind und Fakeaccounts anlegen, es krepiert an den hohen Kosten und den geringen Einnahmen, und vor allem verliert es eine durchforschbare Nutzerbasis, die sich im Gesch├Ąftsmodell Targeting nutzen liesse. Mit jedem erkennbar ge├Ąnderten Profil, ideal durch den Namen dargestellt, verliert StudiVZ an Vertrauen der von ihnen betriebenen Gesellschaft, und bei den Werbekunden. Und draussen wartet schon Facebook auf die Nutzer, was mindestens genauso problematisch ist. Aber so sch├Ân und freiwillig, wie bei StudiVZ die echten Daten hinterlegt wurden, der Sinn des Gesch├Ąfts – so wird es nie wieder.

StudiVZ ist in meinen Augen widerlich – aber irgendwie bin ich auch froh, dass es ein Netzwerk ist, durch das auch andere begreifen, dass sie vorsichtig sein m├╝ssen. Wenn StudiVZ und Facebook Gesellschaften sind, dann sind Holtzbrinck und Zuckerberg die Diktatoren. Und keine Diktatur h├Ąlt ewig. Besonders nicht, wenn sie Angst vor der Gesellschaft hat, und keiner mitmachen muss.

Ich weiss nicht, ob StudiVZ zwingend ein Kadaver sein wird. Macht nichts. Auch auf eine kranke Bestie kann man pinkeln. Wenn sie Angst hat.