Die 9 1/2 Thesen von Olaf Kohlbr├╝ck, eingesammelt auf dem Kongress Next08, w├Ąren eine eigene W├╝rdigung wert, denn sie sind einerseits schon im Raum, seit ich die New Economy kenne (Im Juni werden es 10 Jahre), andererseits sind sie entsetzlich platte Binsenweisheiten und zusammengenommen in etwa das Fehlen des Inhalts, was von vielen Teilnehmern moniert wurde. Herzig etwa:

2. Marken, die die Lust der Kunden an der Kommunikation nicht f├╝r das eigene Empfehlungsmarketing und das Unternehmen selbst nutzen, werden bald ganz alt aussehen.

Den gequirlten Quark erz├Ąhlen Agenturen wie die, die den Auflauf veranstaltet, nun schon seit 10 Jahren, ohne dass es mit Communities, Blogs oder second Life Auftritten von DAX-Konzernen irgendeine Entscheidung dar├╝ber gegeben h├Ątte, wie sie nun aussehen. ich halte es f├╝r eine M├Ąhr, dass Menschen mit Firmen reden wollen – wie ├╝brigens auch umgekehrt. Was ich aber bemerkenswert finde, ist die Entkleidung dieser Thema von der elenden bettelei der Agenturen an die Wirtschaft, sich des Web2.0 doch mal f├Ârdend anzunehmen:

4. Die Wirtschaft braucht dringend valide Messverfahren f├╝r die Web2.0-Welt, sonst bleibt sie orientierungslos.

Die Web2.0-Welt, da geh├Âren Blogs auch dazu, nehme ich an. Ja. Also. Wie messen wir Blogs valide, im Kontext von Web2.0? Userzahlen? Einzelne Blogs sind l├Ącherlich klein, alle Blogs stehen nicht f├╝r Wirtschaftsinteressen zur Verf├╝gung, da braucht man wohl erst gar nicht anfangen, selbst wenn man glaubt, dass zu “den” Blogs “die” Wirtschaft passt.

Die besonderen Sozialbeziehungen der Nutzer zu den Bloggern vielleicht? Aber wie misst man die? Mit Untersuchungen vielleicht? Mit banalen Behauptungen, wie es der Blogvermarkter Adical das ├╝ber weite Strecken versucht? Und was ist an einem Dauerleser eines Blogs mehr wert als die faktisch wertlose Rumh├Ąngerei auf StudiVZ-Profilen, deren Vermarktung auch nicht klappen will?

Das besondere Etwas von Bloggern oder anderen Leitw├Âlfen der internetbasierten Meinungs- und Aufmerksamkeitsknotenpunkten, vielleicht noch potenziert mit den besonderen Sozialbeziehungen? Aber behauptet nicht auch das letzte Bauernradio in Hintertupfing, den besten Draht zur Bev├Âlkerung, die h├Âchste Glaubw├╝rdigkeit und die absolute Stickyness zu haben?

Oder eben diese omin├Âse Stickyness, mit der man das Klebenbleiben an einem Dienst beschreibt? Hat die jenseits von geringeren Werbekosten irgendeine Bedeutung? Wieviele Eleganzkalender hat StudiVZ verkauft, wieviele Leute trinken Tee aus Bildblogtassen, wieviele B├╝cher von Book on Demand kann man als Bloggerin vertreiben?

Ich pers├Ânlich finde die Kommunikation, auf der diese Theorie der validen Messung aufbaut, und die danach an die Wirtschaft verhurt werden soll, an sich prima. Aber nach all den Jahren bin ich zur Auffassung gelangt, dass sie instabil ist; ich w├╝rde sie vielleicht vergleichen wollen mit instabilen Elementen, die man hervorragend zur Energiegewinnung nutzen k├Ânnte, w├╝rden sie nicht sofort wieder zerfallen. So ├Ąhnlich nehme ich das auch wahr, da entsteht dieser Blitz, dieses Gespr├Ąch, aber bevor irgendeine Firma sich reindr├Ąngeln k├Ânnte, ist es auch schon wieder vorbei. ich erinnere da an die maue Beteiligung des Photowettbewerbs beinm Opel-Astra-Test, die gelangweilten Versteigerungen beim Ebay-Bloggercontest mit der Ausnahme eines Bloggers, der sich wirklich pers├Ânlich reingeh├Ąngt hat, die Idee der kommentierbaren Werbung, mit der Adical loszog und niemanden f├╝r die Umsetzung fand.

Vielleicht kann man es auch messen. Oder behaupten, es messen zu k├Ânnen. Dann ist nur noch die Frage der Verwertung zu kl├Ąren. Und wer sein Budget bei den ersten 100.000 erfolglosen Versuchen bei Typen durchbrennen will, die auch keine Ahnung haben. manchmal frage ich mich, ob es ├╝berhaupt jemand ausserhalb dieser Kreise gibt, der ernsthaft glaubt, dass Kommunikation im Netz sowas wie Verk├Ąufe ankurbeln k├Ânnte. Vielleicht, wenn jemand wirklich ganz gut schreibt und voll dahinter ist und sich pers├Ânlich einbringt. Dann br├Ąuchte er aber auch sowas wie Pers├Ânlichkeit im Netz.

Und das ist nochmal eine Ecke schwieriger als Kommunikation.