Vor zwei Wochen war der neue Browser Chrome von Google eines der grossen Themen in den Medien und auch in den Blogs. Teilweise als Gelegenheit zur Abrechnung unter gewissen Leuten in Berlin, die den Browser gegen Kritik verteidigten und dann irgendwie vergassen darauf hinzuweisen, dass auch der Bundesbeauftragte fĂŒr Datenschutz das Programm auch nicht so locker sah. Ich sagÂŽs mal so: Mein Ding wĂ€re Chrome allein schon aus privaten Sicherheitsdingen nicht.

Allerdings gibt es auch Leute, die aus anderen GrĂŒnden absolut nicht euphorisch waren. Die HĂ€ndler an der amerikanischen Nasdaq-Börse, an der Google gelistet ist, und die innerhalb dieses Jahres schon mal bei 747 Dollar pro Aktie zahlten. Nun mĂŒsste an der Börse so ein Browser, der der Webwerbefirma No. 1 beste Möglichkeiten bei der Werbeauslieferung an die Nutzer garantiert, angesichts des GeschĂ€ftsmodells ein gefundenes Fressen sein, und schon bei frĂŒheren ZukĂ€ufen und Entwicklungen wie Youtube oder Gmail brannte bei jedem dieser Schritte ein Kursfeuerwerk ab. Diesmal dagegen konnte sich Google nicht gegen die schlechte Lage des Marktes behaupten und stĂŒrzte in den Folgetagen nochmal um rund 10% auf extrem maue 420 Dollar ab. Übersetzt heisst das in etwa, dass die Börse im Moment auch beim Giganten Google wenig von den Zukunftsaussichten des GeschĂ€ftsmodells hĂ€lt. Die alten Google-Phantasien scheinen weitgehend vorbei zu sein, auch wenn sich der Konzern anschickt, das HerzstĂŒck der Internetnutzung zu erobern.

Bei der Gelegenheit gibt es noch eine andere Meldung, die irgendwie gar nicht zum Bohei um Web2.0 passen will: Google hat am Freitag in Korea einen grossen Bloghoster namens Textcube erworben, um damit in den koreanischen Markt einzusteigen. Und das, ohne die bezahlte Summe zu veröffentlichen. Das alles scheint in der Krise keine Rolle mehr zu spielen. Die Fundamentaldaten der amerikanischen Wirtschaft sind einfach zu schlecht, als dass man das Geld in eine Werbeklitsche stecken wollte.

Womit es eigentlich an der Zeit wĂ€re, sich von anderen fadenscheinigen GeschĂ€ftsversagensmodellen wie aus der neuökonomösen Psychiatrie abzusetzen. Mal abgesehen von den ÜBertreibungen, zu denen die Börsen neigen: Startups und Webfirmen brauchen Geld als Investitionen und Geld, durch das sich diese Investitionen lohnen. Was die Investitionen angeht, seien es nun Kredite oder Beteiligungen angeht, schaut es aktuell nicht gut aus. Und was die Exit Optionen angeht, ist das Netz voller web2.0-Projekte, die sich gegenseitig das Wasser abgraben (Sportcommunities etwa), Wachstum ohne sichere Refinanzierung angehen und leistung verschenken (StudiVZ, werkenntwen), oder mit fragwĂŒrdiger Preisgestaltung auffallen (da gibt es so einen Schokoladenversender in Berlin, der das Wort “Gewerbeaufsicht” erst noch buchstabieren lernen muss). Probleme bei der Finanzierung, beim GeschĂ€ftsmodell und beim Exit vor dem Hintergrund einer globalen Finanzkrise: Das ist der Stoff, der Web2.0 in existenzielle Probleme stĂŒrzen wird. Wenn den Leuten das geld ausgeht und die Kreditkarte am Limit, bleiben zuerst irgendwelche Netzverschwendungen auf der Strecke. Yahoo steht ĂŒbrigens aktuell bei 18 Dollar pro Aktie, und Springers Erwerbung Aufeminin bei 12,50 Euro – 35 hat Springer bei der Übernahme der Mehrheit bezahlt.

(Eigentlich wollte ich heute etwas anderes schreiben, aber ich denke, ich lasse dem Verursacher und seinen HintermÀnnern noch einen Tag Zeit, die Sache selbst zu regeln, bevor ich die Geschichte hier öffentlich mache.)