So beginnt der Beitrag “Vier Strategen planen den Obama-Hype” von Gregor Peter Schmitz, dem Washington-Korrespondenten des Spiegels:

Washington – Im Januar 2007 spazierte Barack Obama vom Senat in Washington drei Bl├Âcke weiter zu einem unauff├Ąlligen B├╝rogeb├Ąude. Ein paar Tage vorher hatte er dort ein paar R├Ąume angemietet, die waren noch leer bis auf einige Plastikm├Âbel. Der Senator zog einen Klappstuhl heran, war in der “Washington Post” zu lesen, und setzte sich Julianna Smoot gegen├╝ber – der erfolgreichen Spendensammlerin, die er angeheuert hatte, um die n├Âtigen Millionen f├╝r seine Bewerbung um das Wei├če Haus einzutreiben. Smoot bl├Ątterte durch die d├╝nne Liste an Spendern, die Obama bislang zusammengetragen hatte.

Der Beitrag erschien am 18. Februar. Und so beginnt der Beitrag “The $75 Million Woman” von Matthew Mosk, Washington Post Staff Writer, ver├Âffentlicht am 8. Oktober 2007:

On a frigid day in early January, Barack Obama rode the three blocks from the Capitol to a nondescript, four-story, white-brick building where he had rented a spartan office suite. Obama pulled out a folding chair and sat down with Julianna Smoot, the veteran Democratic fundraiser he had hired to raise the millions of dollars he would need for a presidential bid. Smoot thumbed through a thin list of potential donors that Obama had gathered during his 2004 Senate bid in Illinois and as he helped other politicians raise money for elections in 2006.

Das hier schreibt Schmitz weiter:

Der fragte besorgt: “Was sollen wir tun?” Smoot antwortete n├╝chtern: “Greif sofort zum Telefon. Und vergiss nicht, sie nach ihren Kreditkartennummern zu fragen.”

Und so liest sich das in der Washington Post:

“It wasn’t much to work with,” Smoot recalled. “But that was how we started. He asked me what he should do, and I said, ‘Start calling. And don’t forget to ask for their credit card numbers.’ “

Desweiteren Schmitz:

Barack Obamas Bank hat ihren Sitz im 11. Stock eines Hochhauses in Chicago. Hier arbeiten seine Geldsammler, und an den W├Ąnden feuern sie Motivationsspr├╝che an wie: “Lauf dem Geld nach!”

Und wieder Matthew Mosk aus Washington:

Obama’s campaign offices are spread across the entire 11th floor of a Chicago high-rise. The finance team’s desks are scattered around a Ping-Pong table. Tabloid headlines — “Record Haul for Obama,” “Run for the Money” — are taped to the walls.

Schmitz will das von der Spendensammlerin geh├Ârt haben:

Die Obama-Finanzchefin spielt ihre eigene Leistung herunter: “Alle Demokraten respektieren und bewundern die Clintons. Aber die Leute wollen nun etwas anderes. Es ist also gar nicht so schwer, Spender von Obama zu ├╝berzeugen.”

Offensichtlich hat sie das gleiche auch zu Mosk gesagt:

“All Democrats respect and admire the Clintons and are grateful for what they’ve done. But people want someone different now,” Smoot said. “And you know what?” she added, her tone softening as if she was about to share a secret: “It’s not a hard sell.”

Wenn man sichn jetzt noch den Spass macht und ein paar andere Zitate dieses Features ins Englische r├╝ck├╝bersetzt, findet man weitere “Quellen”, die der Spiegel suchen sollte – etwa diesen Beitrag in der New York Times zu Obamas Redenschreiber. Nebenbei w├╝rde ich mir an Stelle der neuen Online-Chefs auch mal die ├Ąlteren Beitr├Ąge von Gregor Peter Schmitz anschauen. Sowas “passiert” selten nur einmal. Dass es passieren kann, ist mir durchaus bewusst, ein ehemaliger Chefredakteur von mir hat mit einer vergleichbaren Sache einen Medienskandal in der Schweiz ausgel├Âst.

Aber an Stelle des Spiegels w├╝rde ich handeln – und dann eine Weile die Klappe halten, wenn es um Qualit├Ątsjournalismus geht.

(Tip via mail)

[UPDATE] Fehler meinerseits.