Es ist nicht ganz ohne Ironie, wenn blognahe Veranstalter von PR- und Werberevents, die sich offiziell als Treffpunkt der Internetaktiven promoten, sowas spiessiges und langweiliges wie “Medienpartner” haben. Medienpartner, das klingt gleich nach angenehmen publizistischen Umfeld und maximale Reichweite um den Preis von GefĂ€lligkeitsschreibe, und wirkt, wir kommen zum Thema “Re:Publica”, ziemlich lĂ€ppisch fĂŒr Leute, die letztes Jahr noch mit dem Slogan “Print ist tot” in eine neue Medienwelt starten wollten. Ganz natĂŒrlich rangieren im Pressespiegel der Re:Publica die Blogberichte unter den Medienberichten – und die wiederum fallen nicht allzu freundlich aus, wie schon im letzten Jahr, und wieder ist die Aufregung gross.

Warum eigentlich? Weil sich Journalisten mit Themenkomplexen konfrontiert sehen, mit denen sie sich nicht allzu gut auskennen? Die ihnen gar ein wenig obskur vorkommen?

Ich denke, es gibt da ein hybrides Problem: Blogger erwarten und fordern von den Medien, dass sie nicht jeden PR-Brocken einfach so fressen, der ihnen hingeworfen wird. Die Botschaft des Werberkongresses Re:Publica, dessen Macher ihre Werbevermarkter und Copycats und zahlenden Partner an den Mann bringen wollen, ist in ihrer unfeflektierten Anspruchshaltung, eine “kritische Masse” darstellen zu wollen, eben auch nur ein PR-GewĂ€sch, wie etwa “die CSU ist Bayern” oder “Roland Koch bringt innere Sicherheit”. Der kleine Unterschied zwischen Parteien und Bloggern ist aber, dass man sich gewöhnlich bemĂŒht, die andere Seite nicht als verreckendes Kadaver am Rande des Highways, den man in Richtung Zukunft durcheilt, darzustellen, und dabei noch erwartet, dass dieses StĂŒck Aas das gefĂ€lligst toll findet.

Denn, wenn man schon sowas wie eine Neue Zeit mit im GepĂ€ck hat, könnte man auf die Medien auch verzichten. Oder ihre Berichte als irrelevant abtun. Tut man nicht. Viele derer, die in Berlin die Avantgarde geben, haben eine ziemlich hohe Meinung von sich, und sind zudem der Überzeugung, dass die Medien das einfach zu akzeptieren hĂ€tten. Und sehen nicht den geringsten Anlass, den anderen das mal zu begrĂŒnden, Beispiele zu bringen, den Anspruch zu legitimieren. Statt dessen erwartet man, dass die Medien vor der in der SMS-Wand symbolisierten Masse den Hut ziehen, und wundert sich, wenn Medien reagieren wie Willhelm Tell, und das Gefasel nicht unaufgespiesst durch die von ihnen beherrschte hohle Gasse kommen lassen.

Der RealitĂ€tscheck wĂ€re ganz einfach: Welcher bekannte deutsche Blogger, der sich auf dem Kongress zeigte, hat eigentlich was zu Themen wie der globalen Finanzkrise zu sagen? Mindestlohn? Vertiefende Analysen zur Verarmung des Mittelstandes? Wie viele Buchkritiken gab es im letzten Jahr, wo sind die Texte, die gekonnt mit Konditionalsatz und Konjunktiv hantieren wĂŒrden, wo wird Leistung erbracht, die die Debatte der Allgemeinheit erreichen und beeinflussen? Es ist nicht so, dass es das nicht gibt, es geschieht, man muss es finden, fördern, vorzeigen und verstĂ€ndlich machen, wenn man auf der Suche nach Akzeptanz jenseits unserer Kreise ist. Man kann nicht erwarten, dass Medien eine Selbstironie verstehen, wenn sie schon durch eine RealitĂ€t ausgeschlossen werden, die ihren Scheinelitarismus durch Ingroups, Diskursverweigerung und abgeriegelte Weltbilder bewahren möchte.

Also: Entweder man packt es nicht allein, und macht es mit denen. Dann aber nach deren Regeln – erklĂ€ren, runterbrechen, vermitteln, Beispiele, Fakten und Zahlen liefern. Oder man sitzt wirklich im Cockpit der richtigen Maschine in Richtung Zukunft. Dann kann es einem egal sein, was die davon halten.