Vielleicht ist es ja einfach der Rachefluch des an sich h√∂chst lebendigen, realen Papiers, wenn es, wie in Bloggerkreisen beliebt, als “totes Holz” bezeichnet wird. Ich pers√∂nlich kann den Begriff nicht leiden, Papier ist ein ganz erstaunliches Kulturph√§nomen, und als Tr√§ger von Informationen immer noch jeder Festplatte √ľberlegen – in ordentlicher Qualit√§t ist es praktisch unbegrenzt haltbar und auch ohne Strom und Interfaces nutzbar. Dieses Papier jedenfalls hat sich in Deutschland als den Blogs nicht un√§hnliche Zeitung als erstaunlich resistent erwiesen. Bloggen und Zeitung, das geht als Serie nicht wirklich gut zusammen: Nicht bei der News Frankfurt, nicht bei der Welt, und auch nicht aktuell bei der Frankfurter Rundschau, die die Basis ihrer Blogschau einstampft. Die Gr√ľnde sind – wie auch die Qualit√§t der journalistischen Arbeit – mitunter sicher unterschiedlicher Natur, aber man darf festhalten, dass Blogs nicht so popul√§r sind, dass ihr Fehlen in einer Zeitung die Leser vergraulen w√ľrde. Umgekehrt scheinen die Printerw√§hnungen auch keinen besonderen Traffic bewirkt zu haben.

Das mag f√ľr manche Blogger vielleicht ein wenig gew√∂hnungsbed√ľrftig sein, wenn sie an die Relevanz von Blogs jenseits des Internets glauben, ist aber durchaus mit meinen Beobachtungen in Einklang zu bringen: Auch grosse, ausf√ľhrliche Geschichten in einer Computerzeitschrift mit sechsstelliger Auflage haben den erw√§hnten Bloggern keinen erkennbar h√∂heren Traffic gebracht. Gleiches galt auch f√ľr Geschichten √ľber mich und andere im Focus und in der MAX – beide haben riesige Auflage, Auswirkungen waren aber zumindest bei meiner vierstelligen Leserzahl nicht feststellbar. Dazu passt auch eine aktuelle Untersuchung, die zeigt, dass Printleser nicht zwangsl√§ufig Onlineleser sind.

Was im Endeffekt wohl bedeutet: Es ist nicht so wie in den Bl√ľtentr√§umen mancher Profiblogger, dass einem die Awareness in den Medien die Nutzer zutr√§gt – das Sonderfall Bildblog mag da noch mal eine Ausnahme sein. Man wird nicht darum herumkommen, sich sein Publikum selbst zu erschreiben, von Print-Medien gemachte Blogstars wird es wohl kaum geben. Denn sie selbst sind noch nicht mal in der Lage, ihre hauseigenen Blogger nach vorne zu bringen, was man an den kaum beachteten Rohrkrepierer-Blogs von Zeit, S√ľddeutscher zeitung, Stern, Focus, VNU, Frankfurter Rundschau, Kurier, Handelsblatt (mit einer Ausnahme), Wiwo, FTD, VISDP und so weiter beobachten kann. Im Gegenteil sind die Zeitungen in ihrer offenkundigen Hilflosigkeit nach Jahren des St√∂pselns und Versagend inzwischen so weit, dass sie konzernweise Blogger anheuern – Holtzbrinck marschiert voran, Burda zieht nach, n√§chstes Jahr gehen dann die Leute von Gruner + Jahr auf die Jagd. H√∂rt man so, ab und zu.

Angesichts dessen kann man das Scheitern der Blogzeitungen verschmerzen. Print ist nun mal ein ganz anderes Medium.

Und v√∂llig off Topic: Das Multiuser-Metablog Blogosfear scheintŇĹs derbr√∂selt zu haben.