Es war einmal vor langer langer Zeit ein Prinz Matze im kleinen, nicht wirklich reichen Blogkönigreich der Germanblogs. Über den dĂŒrren Steppen herrschte König Holtzbrinck, der andernorts als Kaiser auch fruchtbare LĂ€nder besass, aber mit Germanblogs keine grossen Kosten wollte und die Prinzen und Prinzessinnen mit 200 Euro im Monat abspeiste. Prinz Matze aber war das egal, er schrieb lustig Hofberichte aus Berlin, machte Bilder mit seinem Kronjuwel, der Digicam, und fuhr von Burg zu Burg.

Bis sich der Prinz eines Tages in den bösen Tatzelwurm der deutschen Bahn verirrte – und als er ihn verliess, stellte er fest, dass sein Kronjuwel verschwunden war! Ach, welch Geschrei erhob sich da im Königreich Germanblogs, Prinz Matze nannte das blöde Volk, das sich im Tatzelwurm seines Juwels bemĂ€chtigt hatte, in gar unprinzlichen Worten, doch nichts half. Da aber hatte Prinz Matze eine Idee. Er stellte sich auf den Söller der stolzen Burg und tat den paar unten rumstehenden Untertanen, denn derer gab es nicht viele, seinen weisen Beschluss kund: Wer ihm genau das gleiche Kronjuwel nochmal schenke, zu dem werde er kommen und drei Tage lang sein Leben bei Germanblogs niederschreiben und abbilden, in allen modernen Formaten, und das sei wahrlich grosser Ruhm und wahrer Lohn, und niemandem bislang geschehen in diesem Reich.

Doch die wenigen Untertanen waren nicht bereit, Prinz Matze zu beschenken. Blödes Pack, wollte Prinz Matze schon sagen, da trat aber eine alte Frau Ute mit einem grĂŒnen und roten Auge hervor und rief laut hinauf zum Söller: Prinz Matze, ich verstehe Dein schweres Leid! Auch mir widerfuhr Unrecht! Weil Du aber so danach trachtest, ein neues Juwel zu bekommen, kann ich es Dir fĂŒr zwei Wochen zum Testen leihen, vielleicht gefĂ€llt es Dir ja!

Nicht schlecht, dachte sich Prinz Matze und sprach: Ja, liebste alte Dame, schicken Sie es mir! Und so kam es auch, die Frau schickte Prinz Matze die Kamera zum Testen, und es wundete ihn ĂŒberhaupt nicht, dass diese Ute von einem anderen Blog kommt, das zu einer Firma namens Bluebuy gehört, die billigste Digicams in den finsteren Gassen des Internet verkauft und vielleicht ein wenig Werbung fĂŒr ihre Produkte will. Und wenn König Holtzbrinck nicht den Saft abdreht und Bluebuy nicht das Amtsgericht besucht, dann machen Prinz Matze und Ute vielleicht noch viele wunderbare Geschichten miteinander, knipsen ihre gesponsorten Marketingkinder und halten sie vom Söller herab auf das Publikum und sind sowas von Synergie und Konvergenz, dass sie in den Powerpoints leben, bis sie irgendwann mit Web 2.0 gestorben sind. Das war das MĂ€rchen, liebe Kinder – hier ist der wahre Kern.