hat ihren Grund vor allem darin, dass die Grundidee der Buchbegleitung inzwischen weitgehend obsolet ist. Der im Buch behandelte Konflikt Blogger vs. Journalsiten wurde schon bei der Vorstellung Anfang 2004 totgesagt und ist heute lebendiger denn je, manche Aussage hat sich bewahrheitet, und das Nischenthema ist in das Zentrum eines nicht immer positiven Interesses ger├╝ckt, mit allen Risiken und Nebenwirkungen, die man vor drei Jahren nicht erwarten konnte – im Guten wie im Schlechten. Die Softwareempfehlungen von 2004 entsprechen nicht mehr dem heutigen Stand, ein Pressebereich f├╝r das Buch ist mittlerweile ├╝berfl├╝ssig.

Insofern ist es nur logisch, diverse alte Funktionen ins Archiv zu packen. Alle alten Beitr├Ąge bis zum 1. Juli werden deshalb immer noch im alten Layout angezeigt, die neuen hingegen erhalten die nicht ganz unumstrittene Art-Deco-Optik. Dennoch bleibt die Blogbar eine weiterf├╝hrende Arbeit an den Thesen des Buches, eine Art Service f├╝r die K├Ąufer und dar├╝berhinaus – nun, ich denke, man muss nicht gross erkl├Ąren, was die Blogbar wurde und wof├╝r sie steht. Ich weiss noch immer nicht genau, wieviele Leute das hier lesen, Verlinkungen sind mir weitgehend egal, solange es keine st├Ârende Trafficsaugerei ist, und eine Blogroll gibt es hier auch nicht. Auch keine Werbung. Und –

auch keine Kooperation mit einem Medienunternehmen. Das stand Anfang des Jahres mehrfach zur Debatte, denn neben den ├╝blichen Scharlatanen, die hier auf ihre Projekte hinweisen wollen, hatten sich auch ein paar seri├Âse Medien gemeldet, die Interesse an einer journalistischen Zusammenarbeit mit der, wie es einmal hiess, “Marke Blogbar” hatten. Wenn ich schreibe “journalistische Zusammenarbeit”, dann ist genau das und nur das gemeint, keine Werbepartnerschaft, keine Vermarktung, keine Promotion irgendwelcher Medien. Meine Pr├Ąmissen bei den Gespr├Ąchen waren: Journalistische Unabh├Ąngigkeit, wenn es inhaltlich sein muss auch gegen den Partner, verl├Ąssliche, langfristige Zusammenarbeit, im Gegenzug daf├╝r eine inhaltlich erweiterte Plattform im Netz und Beratung f├╝r Heranf├╝hren alter Medienkolosse an das, was gerade im Netz geschieht.

Die Gespr├Ąche waren ├Ąusserst interessant und haben in mir ein paar Erkenntnisse reifen lassen:

1. Es gibt kein Interesse an der Menge journalistischer Freiheiten, die ein Blog meines Erachtens braucht.

2. Die Branche ist komplett durchgeknallt und denkt nicht in Jahren, sondern allenfalls in Monaten.

3. Aber der Irrsinn h├Ąlt sie nicht davon ab, Entscheidungen auf die ganz lange Bank zu schieben und rumzuwackeln.

4. Bis Medien dort ankommen, wo Blogs heute sind, werden Jahre vergehen – wenn das ├╝berhaupt reicht.

5. Die Kontrollfreaks sitzen nicht bei denen, die die Sache wirtschaftlich leiten, sondern in den Redaktionen.

6. Und solange mein Konto im Plus ist, ist es angenehmer, dem Niedergang der Medien von aussen zuzuschauen, denn zu versuchen, im Inneren bei beratungsresistenten Leuten etwas zu ├Ąndern, die im tiefsten Inneren das Internet der Blogs, Wikis und Communities hassen und verabscheuen.

Was bedeutet: Die Blogbar bleibt komplett unabh├Ąngig und dockt nirgendwo an. Ich pers├Ânlich w├╝sste nach den Gespr├Ąchen ohnehin nicht mehr viele Konzerne, bei denen mich so etwas interessieren w├╝rde, und ich glaube, dass diese Ignoranz ├╝berall zu finden ist. Bildlich gesprochen: Ich gehe lieber weiter wellenreiten, statt die Planken von Ozeanriesen zu schrubben, die unter der Wasserlinie komplett durchrostet und verfault sind. Den Job werden in Zukunft andere Blogger ├╝bernehmen, man sucht ja weiter, nur eben nach Leuten, die sich unterordnen und den bloggenden Gr├╝ssaugust im 2.0-Medienmix von der Spannergemeinschaft bis zur Wirtschaftszeitung machen. Dass es zu einer Art “Huffington Post Deutsch” kommt, halte ich inzwischen f├╝r ausgeschlossen. Und ich finde das noch nicht mal schlimm.

Also, lasst uns wellenreiten gehn – den Spass leisten wir uns, wenn wir die 60.000* Jahresgage daf├╝r in den Wind schiessen.

* vollzeit, fest, knallharter arbeitsbeginn und branchen├╝bliche ├╝berstunden f├╝r weitaus mehr ger├Âdel als nur die blogbar f├╝llen