Vor ein paar Wochen war ich – als Blogger – zu Gast bei einer Unterorganisation des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) in MĂŒnchen, und sprach ĂŒber die aktuellen QualitĂ€tsprobleme der Medien – namentlich ĂŒber die Abzocker und Peanutsanbieter von Essen bis MĂŒnchen, die nach den Angebereien auf den Podien die Kosten fĂŒr Web2.0 auf die Mitarbeiter umlegen. Und die Illusion, dass die Haptik von Papier irgendwas garantiert. Letztes Jahr war ich bei einer Tagung des DJV in Berlin eingeladen, ich kann also nicht gerade behaupten, dass “der” DJV bloggerfeindlich ist. Vielleicht auch nicht immer bloggerfreundlich, aber man interessiert sich zumindest fĂŒr das, was Blogger so tun.

Insofern bin ich schon etwas ĂŒberrascht, wenn Michael Konken, der Bundesvorsitzende des DJV vor kurzem folgendes gesagt hat:

Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstĂ€rkt unter qualitativen Kriterien werten mĂŒssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um MĂŒll von QualitĂ€t zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch fĂŒr Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, ObjektivitĂ€t, VollstĂ€ndigkeit halten. Sie treiben ihr mieses GeschĂ€ft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.

Na, das kennt man ja, sollte man meinen: Bilderklau fĂŒr Galerien, schlampig zusammengeschmierter Dreck, die Lust am selbstfabrizierten Niedergang von Pete Doherty und anderen Promis, die Probleme haben oder im Knast landen, Kampagnenjournaille, gekaufte Artikel, meine Rede, wenn es um die Kombination schlechter Ausbildung und gnadenlosem Kostendruck in den Onlinemedien geht – aber dann sagt Konken weiter:

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen AusnahmefĂ€llen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz fĂŒr Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Oha. Ich finde es nicht schlimm, dass Konken so denkt. Es ist nicht gerade neu, dass sich Journalisten nur ungern mit Neuerungen auseinandersetzen, die ausserdem an ihrer monopolsartigen Position als Gatekeeper sÀgen.

Es ist mehr der Vorwurf der Feigheit, den ich mir von einem real existierenden Journalisten ungern anhöre. Und der Umstand, dass hier das eigentlich Grosse des Bloggens, das Schreiben ohne Agenda, Zielgruppe und Markt, ignoriert wird. Der Mann konzentriert sich meines Erachtens auf die paar halbwegs journalistischen Blogs, die immer wieder zitiert werden und möglicherweise auch einen gewissen Einfluss und eine Agenda haben. Es gibt etliche rechtsextreme und gnadenlos dumme Funblogs, auf die dieser Vorwurf tatsÀchlich zutrifft, aber nackte Frauen auf Seite 3 und kaum kaschierte Lobbytexte von der INSM und der Bertelsmann Stiftung sind auch in den Medien nicht selten anzutreffen.

Aber wo soll die politsche Aussage sein, wenn ich mit meinen Lesern ĂŒber Torten spreche, Katzenbilder zeige, Texte vorlese und andere empfehle? NatĂŒrlich gibt es ab und an allgemein gesellschaftspolitische Aussagen aus meiner Perspektive, das nennt man hierzulande Meinungsfreiheit, und deren Nutzung ist nicht allein auf Journalisten begrenzt. Das alles sind SelbstverstĂ€ndlichkeiten, da muss man eigentlich nicht drĂŒber reden, dachte ich immer.

Aber ich habe mich wohl getĂ€uscht. Es gab in den letzten Wochen noch so ein paar Erlebnisse, die mich glauben lassen, dass Blogs und Medien noch sehr, sehr lange bestenfalls nebeneinanderher existieren werden; sei es durch die versuchte Abwertung der Blogger als mediales 200-300-Euro-Subproletariat, sei es durch due Niegung mancher Blogger, sich jedem PR-Dealer an den Hals zu werfen, oder eben durch solche Ansagen. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass sich das mit dem Nachwuchs der Journalisten Ă€ndern wird; die sind viel zu sehr damit beschĂ€ftigt, in den Beruf reinzukommen, als dass sie sich gross fĂŒr alternative Publikationsformen begeistern wĂŒrden. Das Letzte, was man mir nachsagen kann ist, dass ich ein Web2.0-Apologet wĂ€re, aber genauso fĂŒhle ich mich, wenn ich Journalisten, egal ob alt oder jung, von dem erzĂ€hle, was ich im Netz erlebe. Das ist nicht deren Ding, hinter StudiVZ, der eigenen Medienseite und deren Community gibt es kein Internet mehr. Aber bitte. Wie heisst es nicht so schön?

Es ist schliesslich deren BegrÀbnis.