es folgt keine beschwerde, einfach nur die folge eines etwas komischen gefĂŒhls

Plötzlich hagelt es Kommentare. Egal, wo man hinschaut, plötzlich sind wahnsinnig aktive Kommentatoren in der BlogosphĂ€re unterwegs. Überall, bei den meisten grösseren Blogs fallen sie auf, manchmal nur mit kurzen, hingerotzten Meinungen, andere gleich mit einer gezielt schrĂ€gen Anmache.

Ohne hier Namen nennen zu wollen: Beteiligung ist was Schönes. Dass man sein eigenes Blog durch Kommentare bekannt macht, ist sicher ein Geben und Nehmen. Man veröffentlicht seine Meinung und erhĂ€lt dadurch eine gewisse Bekanntheit. Und es ist sehr schwer, “Nach Vorne” zu kommen, wenn man nicht mit anderen Bloggern in Form von Kommentaren interagiert. Da können kluge, aufmerksame DiskussionsbeitrĂ€ge durchaus dafĂŒr sorgen, dass einen die Leser anderer Blogs interessant finden und dann anfangen, das eigene Blog zu lesen. Wenn man partout “Nach Vorne” kommen will – was meines Erachtens weder Ziel noch Wunsch sein sollte, denn die BlogosphĂ€re verteilt fĂŒr Bekanntheit weder Geld noch Ruhm, sondern allenfalls Neid, Missgunst, die Ernennung zum Anlaufpunkt fĂŒr Stalker und minderwertige Interviews mit Dochnichtswerdern bei minderwertigen Medien (Readers Edition oder noch schlimmer, Wirtschaftswoche). Das ist das Everyday Business, das von wenigen Verdienstmöglichkeiten begleitet wird, kurz: Da Vorne ist nichts, wo man was verpasst.

Aber wenn man einen Kommentator eines vor ein paar Wochen eröffneten Blogs tĂ€glich auf 10 verschiedenen Blogs antrifft, kommen einem doch Zweifel. Ich glaube nicht, dass man in der Lage ist, nebenbei 10 verschiedenen Diskussionen zu folgen. Liest man dann diese Kommentare, sind es meist auch nur schnell hingeschluderte EinwĂŒrfe, bei denen ich oft den Eindruck habe: Da will jemand lediglich Awareness fĂŒr sein Blog. Ganz ehrlich? Es bringt nichts. Ich schaue mir natĂŒrlich in der Regel jeden Link an. Aber wenn das Blog dahinter öde und langweilig ist, wie der Kommantar, war ich dort das letzte Mal. Man weiss aus Erfahrung, dass Kommentare bei A-Listern in der Regel 5 bis 10 Besucher bringen, aber das sind Zapper, und keine bleibenden Leser. Alle, die “Da Vorne” sind, haben einen Leserstamm im vierstelligen Bereich, und der ist da, weil sie schreiben können, etwas zu erzĂ€hlen haben oder sonstwie “einzigartig” sind – was immer das im Einzelnen bedeutet.

Sprich: Es dĂŒrfte weitaus sinnvoller sein, sich bei wenigen Debatten sinnvoll und klug einzubringen, als jeden Tag 10 Blogs mit minderwertigem KommentarmĂŒll zu bepinkeln. Ob die Konzentration auf grosse Blogs Sinn macht, wĂŒrde ich auch bezweifeln: Da kommt so viel rein, dass der einzelne Kommentator wiederum kaum auffĂ€llt. Und ohne eigene, eigenstĂ€ndige Inhalte im eigenen Blog bringt auch die beste Awareness nichts. Im Gegenteil, wer frĂŒhzeitig als Hansdampf von allen Bloggassen auffĂ€llt, muss nachher um so mehr Leistung bringen, um den Ruf der Linknutte, um hier auch mal das böse Wort zu gebrauchen, zu revidieren.

Ich schreibe hier bewusst keine Namen rein, die Angesprochenen mögen das zur Kenntnis nehmen, beherzigen – oder das schlechte Spiel bitteschön nicht auf Blogs betreiben, auf denen ich gute Debatten lesen will.