Durchsage an den Bonker: Sperrt besser Eure Praktis ein, sonst macht das langsam echt keinen Spass mehr. Ich mein, ein klein wenig echte Recherche möchte ich schon noch haben, wenn es um Eure GeschÀftsplanung geht. Ist ja nicht auszuhalten, das Geschnatter.

– Die auslĂ€ndischen Töchter von StudiVZ in Polen, Italien, Spanien und Frankreich dĂŒmpeln vor sich hin. Wie auch SchĂŒlerVZ, das bislang auch von Testusern aus StudiVZ betrieben wird. Es gab mehreren Informanten zufolge ein paar Verstimmungen, weil Ehssan Dariani den Weg in die SchĂŒlerherzen allgemein als viel zu leicht dargestellt hatte. Ebenso wenig erfolgreich: Der Versuch, andere Player auf dem SchĂŒlermarkt gegeneinander auszuspielen. Nachdem es nichts wurde mit dem Blitzsieg auf den Schulhöfen unter Beteiligung der StudiVZ-Nutzer, und die Mitarbeiterbasis bröckelte, ist jetzt das Werbebanner fĂŒr SchĂŒlerVZ bei StudiVZ verschwunden.

– Übler jedoch als die Entwicklung neuer GeschĂ€ftsfelder soll es im Bereich Advertising gelaufen sein. Die Kooperation mit Universal hat gerade mal etwas mehr als 2000 Leute dazu gebracht, sich in dieser Gruppe zu registrieren – wirklich aktiv sind nur ein paar hundert. Passend dazu: Die neueste Aktion von Universal, eine britische Band zu bebloggen, wird nicht mehr ĂŒber StudiVZ vergegeben. So hat man sich die Werbung mit Gruppen wohl doch nicht vorgestellt, und wie mit den paar Leuten Geld verdient werden sollte, wusste wohl auch Dariani nicht allzu genau. Milestone verfehlt, heisst das in der GeschĂ€ftssprache, die so laut ar, dass es sogar meine bayerische Klause erreichte. Abgang Dariani, berichten informierte Kreise. Der Umstand, dass entgegen den Hoffnungen die Sache mit den Videos und der Nazistileinladung immer noch in den Medien kursierte, hat den Abschied auch nicht wirklich erschwert. (Hier bitte das GerĂ€usch eines Messers vorstellen, das eine Kerbe in die Seitenleiste der Blogbar schnitzt)

– Inzwischen kursieren in der StudiVZ-Umfeld zwei Szenarios. Szenario 1: Jetzt wird Geld verdient. Und zwar mit MĂ€rkten, auf denen sich Holtzbrinck auskennt. Zum einem – das konnte man heute schon betrachten – gibt es jetzt normale Werbebanner, die im Gegensatz zur alten Überzeugung stehen, man könne Sponsoren fĂŒr einzelne StudiVZ-Gruppen gewinnen. Momentan voll mit Angeboten von Holtzbrinck, aber diese Banner sollen zĂŒgig ĂŒber den Werbevertrieb von Holtzbrinck verkauft werden. Expandiert werden soll dagegen nicht nur zur finanzschwachen Jugend, sondern im Gegenteil: Richtung Absolventen und BerufstĂ€tige. Name des Projekts: JobVZ, und dem Vernehmen nach sollen die PlĂ€ne bereits fertig sein. Die URL gehört seit November 2006 zu StudiVZ. Wenn Personalverzeichnis und StudiVZ erst mal zusammen eines der HauptgeschĂ€fte von Holtzbrinck, die Stellenanzeigen, bedienen sollen, wĂŒrde ich allen dringenst raten, sich nochmal diesen Beitrag ĂŒber die Folgen der persönlichen Daten bei StudiVZ durchzulesen. Dann ist berufliches Jobnetzwerk und haschischrauch-brustnippelleckendes StudiVZ ein und die gleiche Firma. Na? KlingeltÂŽs?

– Und falls das alles nichts nĂŒtzt, kommt mittelfristig Szenario 2 ins Spiel, das auch mehrfach als “Angedacht” vernommen wurde: Bekanntermassen hatte auch Springer Interesse an StudiVZ. Sollte sich StudiVZ als WerbetrĂ€ger Ă€hnlich schlecht vermarkten lassen wie das amerikanische Vorbild Facebook, die internationalen Töchter und SchĂŒlerVZ scheitern und JobVZ gegen die OpenBCs und LinkedIns dieser Welt nicht bestehen können, bleibt als kostensparende Massnahme immer noch der Teilverkauf an andere.

Ich sagÂŽs mal so: FĂŒr Veteranen der New Economy nichts Besonderes. Man tauscht das Management aus, man setzt grauhaarige Geldeintreiber rein, man versucht einen Change of Business Model, und wenn alles nichts hilft, eine Exit Option fĂŒr den RĂŒckzug. Irgendwas kriegt man schon fĂŒr den Laden. Sind ja genug Daten drin.