22.7.2009 | 2:53 von DonAlphonso

PRevanchisten und die Erfindung des Mobs

Vielleicht ist es ganz sinnvoll, in Sachen Vodafone vs. Web2.0 innezuhalten und mal nicht sofort irgendwelche Schuldigen auszumachen, wenn ein Blog verschwindet (dazu spĂ€ter mehr). Vielleicht ist es ganz sinnvoll, sich mal den gescheiterten Diskurs zwischen Bloggern und Vodafone fĂŒr ihre Kampagne auf der ganzen Strecke anzuschauen, um zu verstehen, was da im Einzelnen passiert ist. Ich denke, man kann diese Kommunikation in drei Phasen einteilen, in denen der Diskurs von einer gewissen Aufmerksamkeit jedesmal in Ablehnung umschlug.

1. Phase: Vom geschenkten Handy bis zur Vodafone-Pressekonferenz

Es beginnt im Mai, als die von Vodafone beauftragte Agentur Scholz & Friends in Person von Nico Lumma einige ausgewĂ€hlte Blogger (man könnte auch sagen: Bekannte) informiert, sie könnten das neueste Google-Handy zusammen mit einem befristeten Vertrag von Vodafone zum Testen haben. SpĂ€ter, Ende Mai, kommt es in Berlin zu Dreh des Werbespots, wo viele Blogger als Statisten in einem Bus mitfahren. Angeblich ohne dafĂŒr bezahlt zu werden, verkĂŒnden diese Leute die frohe Kunde unter dem Hashtag vfdreh dem Internet; bisweilen wird auch in dĂŒmmlich-schleichwerberischer Manier darĂŒber gebloggt. Tenor: Vodafone ist supi nett zu Bloggern. Von den mit geschenken bedachten Bloggern und auf anderen KanĂ€len wurde auch die Kunde verbreitet: Da kommt eine ganz tolle Pressekonferenz! Jeder kann dabei sein! Vodafone entdeckt das Web2.0!

Was statt dessen kam, war eine einzige Peinlichkeit. Die Pressekonferenz war Marketing-Bullshit, und die Zuschauer fĂŒhlten sich gröblich reingelegt, und Ă€usserten das auch, in Tausenden von Kommentaren und vielen BlogeintrĂ€gen. Kritik an Vodafones Haltung zur Internetzensur und den Testimonials wurde laut, namentlich an Sacha Lobo. So weit, so schlecht.

2. Phase: Nachbereitung der Pressekonferenz bis zum Versagen der PR bei Firma und Testimonials:

Auf das Debakel kontert die Pressesprecherin einerseits mit Verleugnung und Beschönigung, andererseits mit dem Wunsch, Partner der “Generation Upload” zu werden.. Eine Reihe von Marketing- und PR-Fritzen sowie Journalisten mit begrenzter Distanz sehen das auch so, ich nicht. Unmittelbar darauf veröffentlicht Nico Lumma eine lĂ€ngere ErklĂ€rung, mit der er ziemlich offen die Probleme bei der Umsetzung anspricht und versichert, dass man weiter hart an der Sache arbeiten werde. Im Grossen und Ganzen beginnt damit das Warten auf Besserung. Bislang ist ja nur eine PK schief gelaufen.

Und dann wurschtelt Vodafone weiter, als wĂ€re nichts gewesen. Sagen, dass es in Sachen Service spĂ€ter im Sommer Neues geben könnte. Geben grosskotzige Interviews, die die Probleme negieren. Lassen ihren Lobbyisten aus Berlin ran, um die Nutzerfragen zum Thema Internetzensur abzubĂŒgeln, als sei das Internet eine freche Grundschulklasse. Dazu kommen technische Peinlichkeiten; die Seite der Kampagne ist nicht fertig, und ein angeblicher Twitternutzer, dessen Existenz Scholz & Friends vortĂ€uschte, war ein Fake, bis jemand anderes den Benutzernamen kaperte.

Dazu fĂŒhrte Testimonial Sascha Lobo ein reichlich selbstverliebtes Interview, und sein GeschĂ€ftspartner beim Blogvermarkter Adnation Johnny Haeusler gab zu Protokoll, dass er sich die Werbung gerade nicht aussuchen könnte. Kurz, man sieht die Sache mit der bis vor Kurzem bekĂ€mpften der Zensur durch Vodafone kritisch, aber das Geld nimmt man trotzdem. In beiden FĂ€llen waren die Reaktionen nicht gerade freundlich; und so baute sich fĂŒr den ganzen Komplex eine eher ungute Stimmung auf, mit dem Tenor: Der ganze Verein will uns reinlegen. Die interessieren sich nicht fĂŒr unsere Anliegen. Und so kam es zum 1984-Mashup, zu PlakatverĂ€nderungen und sehr, sehr vielen unerfreuten BlogeintrĂ€gen. Die Medien berichteten eifrig, und irgendwann war wohl auch jemandem bei Vodafone klar: Mit dieser Haltung der Verweigerung der RealitĂ€t machen wir uns lĂ€cherlich, wenn wir gleichzeitig Partner dieser Generation sein wollen.Ungeachtet dessen gab es auch genug Stimmen, die ein Ende der Debatte verlangten (oder eine Anzeige gegen mich, wie es ein PRler twitterte).

3. Phase: Neue Hoffnung bis zum Fall Schnutinger.

FĂŒr die Freunde der PR muss die nĂ€chste Nachricht aus dem Vodafone-Blog eine Freude gewesen sein: Vodafone geht auf die Kritik ein und nimmt sich die Reaktionen zu Herzen! Der Dialog kommt doch noch! Sie lernen! Da war er also, der von 25 Gremien abgenickte Befreiungsschlag, mit der Bitte, nochmal neu anzufangen, es nochmal, nun schon zum dritten Mal zu versuchen. Man will lernen und reden. Und so wurden wieder viele Stimmen laut, man solle es doch nochmal probieren.

Ich weiss nicht, was dann kam. Ich hĂ€tte zwei Ideen anzubieten. 1. “Äh, also, Dialog mit denen, Ă€h, das ist mir zu heiss, nehmen wir doch die Schnutinger mit dem entzĂŒckenden Baby, da haben wir noch so einen Text von der, das ist eine von denen und völlig unverbraucht, das wird denen gefallen.” 2. “Nico Lumma und Sascha Lobo brauchen mal ne Pause und sind stinksauer wegen ihrer Reputation, können wir nicht die Schnutinger reinhauen, dann haben die eine Weile ein anderes Thema, und vielleicht knallt es ja so, dass wir die Blogger als Mob hinstellen können.”

Wie auch immer: Jemand bei Vodafone schaltete reichlich ĂŒberraschend das unkluge Schnutinger-Posting frei. Man gestatte mir ein freies Wort: Dass sowas geschrieben wird, ist in der PR normal, aber wer so etwas in dieser ohnehin schon ĂŒberkritischen AtmosphĂ€re dann auch noch veröffentlicht, sollte sofort gefeuert werden. Dazu kamen noch ein paar Jubelperserkommentare, und so liess man es 200 Kommentare lang laufen, einfach so, statt das einzig Richtige zu tun, den Stecker zu ziehen und sich zu entschuldigen.

VorlÀufige Bilanz:

Vodafone hat dreimal versucht, den Dialog nach seinen Regeln zu starten. Man hat dreimal versucht, gute Stimmung zu machen. Und hat jedesmal in die gereizte, Resultate erwartende Stimmung hinein eben nicht kommuniziert, sondern den nÀchsten gigantischen Blödsinn gemacht, assistiert von eben jenen Leuten, die es angeblich können. Relativ zu dem hauseigenen Vodafone-Dreck gesehen war das Schnutinger-Posting ein Klacks. Aber es war das falsche Wort von der falschen Person an der falschen Stelle. Die Reaktionen darauf waren gar nicht mal so wild wie bei der Pressekonferenz, aber in der Folge ist das Blog zu und nun heisst es:

MOB

Wobei der Vodafone-Pressesprecherin Carmen Hillebrand nichts Besseres eingefallen ist, als Schnutinger noch tiefer reinzureiten:

vielleicht dachte sie, dass sei bekannt? Keine Ahnung. Sie hat diesen Text geschrieben und nicht ich oder jemand anderes von Vodafone

ja er wurde tatsÀchlich von Ute Hamelmann erstellt. Zu 100 Prozent.

OK. Soweit die Geschichte. Und jetzt kommen sie also aus ihren Löchern und sagen: Böser Mob. Leute wie Don Dahlmann, den ich schÀtze. Don schreibt also einen Beitrag, dass man doch nun bitte nicht das WerbegeschÀft von Schnutinger betrachten sollte, sondern den Menschen. Die alte Geschichte, dass man im Erfolgsfall gerne als GeschÀftsmann verdient, aber beim Versagen als Mitblogger nett behandelt werden will.Und wer das nicht mache, habe eine schlechte Erziehung.

Und wie so viele andere Leute in diesem Spiel vergisst er da ein paar Dinge:

– ĂŒber Adnation lĂ€uft bei ihm Vodafone-Werbung.
– ĂŒber Adnation lĂ€uft bei Blogwerk, wo er arbeitet, Vodafone-Werbung.
– wenn die Vodafone-Kampagne scheitert, scheitert auch Nico Lumma, und der ist auch bei Adnation dabei, und fĂŒr den fĂŒr Adnation relevanten Bereich Social Media bei Scholz & Friends zustĂ€ndig.
– wenn die Kampagne scheitert, kann sich Adnation die Behauptung, die meinungsfĂŒhrenden Blogs zu haben, in die Haare schmieren, und damit einpacken.
– und dann ist Don Dahlmann noch fĂŒr Vodafone bei einem Autorennen unterwegs gewesen.
– Als Don Dahlmann Opeltester war und ein gewisser Poodlepop nach einem bösen Beitrag ĂŒber die Testerei und einem Flamwar sein Blog dichtmachte, gab es dieses aktuelle VerstĂ€ndnis auch nicht.

Wie gesagt: Ich halte ihn trotzdem fĂŒr integer. Aber genau das sind die Punkte, die es so enorm schwer machen, ĂŒberhaupt noch zu wissen, mit wem man es zu tun hat. Weil diese Leute den Wechsel vom Profibloggen zum Bekannten innerhalb eines Wortes vollziehen, weil sie die Vorteile beider Rollen nutzen und die Nachteile vermeiden wollen. Geht es ihnen wirklich um menschliche Belange, oder ist es nur ein Trick, um eine unliebsame Debatte zu stoppen? In welcher Rolle ist Stefan Niggemeier bei Felix Schwenzel in den Kommentaren unterwegs? Hauptnutzniesser der Kampagne mit drei Adnation-Blogs? Wozu die Nachsicht bei Vodafone, wenn er die gleichen Fehler bei der Bildzeitung sofort anprangern wĂŒrde?

Es ist meines Erachtens sinnlos, mit PRevanchisten solche Debatten durch Harmonie zu Tode zu busseln oder mit einem Basta zum Schweigen zu bringen. Sascha Lobo hat ĂŒber die Kritik an Adnation einmal im Spiegel gesagt, eine Subkultur auf dem Weg zur Kultur bĂ€ume sich auf. Es macht nicht den Anschein, als sei die Kultur nach den Vorstellungen von Lobo, Haeusler, Lumma und Co. konsensfĂ€hig, und es macht auch nicht den Eindruck, als verstĂŒnden Firmen die Subkultur. Es wird immer wieder Versuche geben, es werden sich neue Lobos um die Beraterposten drĂ€ngeln und neue Schnutingers verheizt, wenn man jemand fĂŒr die Schusslinie braucht.

Das alles gewinnt keinen Schönheitspreis. Aber vielleicht lernt die eine oder andere Firma, Agentur oder Berater etwas daraus. Und sei es nur, dass Berater Ehrlichkeit nicht ersetzen können.

16.7.2009 | 8:25 von DonAlphonso

Vodafail bei Horizont

Heute Abend war mein Vodafail-Informant aus Bukarest wieder auf der Durchreise zurĂŒck nach Berlin. Man kann nicht sagen, dass ihm Bukarest gut getan hat, aber er musste schnell untertauchen, weil man bei Vodafail einen Schuldigen sucht und er dachte, wenn er nicht da ist, nehmen sie einen anderen. Jedenfalls brennt bei Vodafail die HĂŒtte, und nach einer Authorisierungskonferenz wurde ein geplantes Interview des Vodafail-Marketeers GrĂŒndeis aus versehen an alle und auch meinen Informanten verschickt, statt nur an den hauseigenen Zensurdienst im Iran. Kann passieren. NatĂŒrlich werden die Iraner ihr bestes tun, aber ich bin nicht die Heilsarmee und gönne Horizont keinen Scoop. Deshalb exklusiv und nur hier:

Das originale Vodafail-Interview zu ihrer neuen Socalled Media Kampagne! Die kursiven Teile sind jene Passagen, auf die die Iraner genz besonders genau schauen sollen:

—————–Anfang—————-

Herr GrĂŒndeis, die zahlreichen Kommentare auf HORIZONT.NET sowie viele BeitrĂ€ge in Blogs und anderen Medien lassen den Schluss zu, dass die neue Vodafail-Kampagne bei der deutschen Werbe- und Web-2.0-Gemeinde nicht sonderlich gut ankommt. Haben Sie mit solchen Reaktionen gerechnet?

GrĂŒndeis: Es gab positives und negatives Feedback, und ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei einem Dutzend Freunde aus PR, Startups und Marketing bedanken, die quasi in Vorleistung fĂŒr AuftrĂ€ge hingesetzt haben und so nette Sachen ĂŒber uns schrieben. Uns war klar, dass wir uns im Web 2.0 mit einem sehr kritischen Publikum auseinandersetzen, das kein Blatt vor den Mund nimmt. Was wir leider erst spĂ€ter erfahren haben war, dass es diesmal nicht reicht, unsere AnwĂ€lte loszuschicken. Auch hat das mit der Garantiequote hilfreicher Schleichwerbepostings der Busdrehinsassen nicht ganz so toll geklappt, aber immerhin, auf Heiko HĂ€ppigs MĂ€dels von Lesfakes war dann doch Verlass! Und wir wussten, wir werden auch polarisieren, in den Powerpoints von Nico Summa war etwa die Rede von ĂŒberwĂ€ltigender Zustimmung, aber auch normaler Begeisterung und dann wieder der Bereitschaft, auf Lebenszeit Sklaventarife mit Seelenverkauf abzuschliessen. Äh ja. Also, da waren wir vielleicht etwas zu gutglĂ€ubig. Wir werden auch kritisch hinterfragt und wir nehmen das auch ernst.

Können Sie die Schelte in AnsÀtzen nachvollziehen?

GrĂŒndeis: Es gab konstruktives und weniger konstruktives Feedback. Manche haben es sogar gewagt, uns, UNS! zu verspotten! Sie haben unsere Tarife abgelehnt! EINFACH SO! Da könnten wir ja gleich dichtmachen, wenn wir nicht jeden Cent aus denen rausquetschen wĂŒrden. Und dann auch noch trotz unseres Verbots weiter ĂŒber unsere Netzsperren geredet! Wir reden jetzt mit unseren kompetenten iranischen Beratern, wie man damit fertig wird. Mit den konstruktiven Argumenten und VorschlĂ€gen setzen wir uns auseinander, die Anfragen zu Werbeschaltungen laufen bereits. Ich mein, wir haben den Haeuchler auf Linie gebracht und den Sobo, wir wissen ja, dass die da draussen scharf auf unser Geld sind: Wir sind angetreten, um auch mit und fĂŒr die Web 2.0 Welt etwas zu tun.

Mit der Verpflichtung von bekannten Bloggern wie Lascha Sobo und Ute Geissfrau als Testimonials haben Sie sich auch bei der Web-2.0-Gemeinde offenbar eher Feinde als Freunde gemacht. Hat Vodafail die Blogger und Web 2.0-Macher, die ja eigentlich WortfĂŒhrer der neuen Vodafone-Zielgruppe Generation Upload sind, falsch eingeschĂ€tzt?

GrĂŒndeis: Lascha Sobo und Ute Geissfrau sind keine Testimonials. Das haben wir zwar in der Pressekonferenz noch ganz anders behauptet, aber inzwischen hat Nico Summa unseren Access to successfull speech 4 meaningleaders of teh internetz noch mal rebrandet und mich empowert zu sagen: Sie sind Menschen aus dem Leben wie Zladco und die Vorletztplatzierte der 2. Staffel des Dschungelcamps, die Vorreiter eines Trends sind, nĂ€mlich: Sich auch mit Pleiten und CDU-Mitgliedschaft bei den hippen jungen Leuten durchlavieren. Mit dem, was sie tun, stehen sie beispielhaft fĂŒr die Generation Upload und sind darin bekannt geworden, was eine tolle Leistung ist, nachdem die TschĂ€nĂ€rĂ€schn Aploht inzwischen schon aus 6 Testimonials Ă€h Menschen aus dem Leben wie Zladco und die Vorletztplatzierte der 2. Staffel des Dschungelcamps besteht.

HĂ€tten Sie sich nicht denken können, dass Blogger, die ja nicht unbedingt als Freunde von Kommerz und Werbung bekannt sind, laut aufschreien, wenn sich einer ihrer bekanntesten Vertreter von einem Unternehmen fĂŒr dessen Werbung vereinnahmen lĂ€sst?

GrĂŒndeis: Lascha Sobo macht keine Werbung fĂŒr Vodafone, das sieht nur so aus, weil die Blogger noch nicht ihr Hirn rebrandet haben, sonst wĂŒssten sie es so besser, wie ich es auch weiss, seitdem Lascha mir das noch mal erklĂ€rt hat. Er steht fĂŒr eine Einstellung, fĂŒr Menschen, die die Möglichkeiten der digitalen Kommunikation nutzen, um ihr Leben aktiv und kreativ zu gestalten, also schicke Werber wie Äff-Ämm, Moderatoren von 9live, die Autoren von politically incorrect und meine nigerianischen Freunde, deren Investmentideen genauso aggressive und successproven sind die Powerpoint von Nico. Wir wollen echte Typen, echte Werbung mit authentischen Menschen. Wie Zladco. Nur mit krasserer optischer ID, und sie mĂŒssen zumindest so tun, als könnten sie tippen. Ansonsten wĂ€re Zladco natĂŒrlich unsere erste Wahl gewesen, aber den Iro wollte er nicht.

Glauben sie trotz aller Kritik weiterhin, dass Sie mit der neuen Zielgruppe, dem Claim und der Kampagne auf dem richtigen Weg sind, oder wird es Anpassungen geben?

GrĂŒndeis: Wir glauben daran, dass die digitale Kommunikation unser Leben extrem verĂ€ndert, wenn wir endlich mal alle dazu gebracht haben, nur noch unsere kostenpflichtigen Vodafail-Angebote zu besuchen, in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium fĂŒr Familie und Wahrheit. Und wir halten die Zielgruppe, den Claim und auch die Kampagne fĂŒr richtig, denn die anderen Ideen von Schultz & Feinds wie der Spot mit den lustigen WalfĂ€ngern, den coolen Gentechniker und Atomlobbyisten kam uns dann doch eher komisch vor, auch wenn sich unsere Netzelite aus dem Busdreh dort genauso in den Hintergrund gesetzt hĂ€tte, und die angefragten Blogwerber auch Handlangern chinesischer Mörder ein PlĂ€tzchen geben. Werbung soll Aufmerksamkeit erzeugen und das ist zweifelsohne gelungen, nicht ganz so gut wie Vattenfall mit KrĂŒmmel, aber heute meinte mein Boss schon, das alles wĂ€re ja voll verstrahlt und giftig – wir sind also auf einem guten Weg. Aber wir haben auch den Ehrgeiz, konstruktive Kritik in unsere Produkt- und Serviceentwicklung einfließen zu lassen und fĂŒr die Generation Upload eine bevorzugte Plattform zu bieten. Das Grusswort von Frau von der Laien ist schon im Packegepreis fĂŒr unsere Netzsperren enthalten.

—————-Ende——————

Soweit also die PR-Stretegie von Vodafail. Nachdem ich gerade bei Horizont das wirklich famose Interview mit dem Marketingchef von Vodafone gelesen habe, das in seiner einsichtigen und von tiefem VerstĂ€ndnis geprĂ€gten Art als Musterbeispiel gelungener Krisenkommunikation fĂŒr die vollkommen zu Unrecht beschimpfte Firma und den unverschĂ€mt kritisierten Sascha Lobo gelten kann, gehe ich davon aus, dass auch Vodafail bald seine Ruhe im Konflikt mit Bloggern, Netzsperrengegnern und anderen nicht mit Werbung abgespeisten Internetkreaturen haben wird.

14.7.2009 | 16:58 von DonAlphonso

Adnation, der Vodafonelobbyist und das Ende der Zensurdebatte

WĂŒrden manche Blogger nicht gerade zufĂ€llig ĂŒber den Blogvermarkter Adnation fĂŒr Vodafone Werbung schalten oder gar direkt fĂŒr Vodafone arbeiten, wĂŒrden sie vermutlich gerade die Rebellen geben und sich furchtbar ĂŒber Alexander Panczuk und Vodafone beschweren. Pancuk ist

Politischer Referent im Bereich Konzernkommunikation, Politik und Stiftungen von Vodafone in Berlin. In der neu geschaffenen Position ist er Ansprechpartner fĂŒr Parlament und Regierung zu Verbraucher- und Jugendthemen.

Und damit auch die Person bei Vodafone, die sich mit dem Thema Netzsperren in Berlin bei unserer geliebten Zensursula beschĂ€ftigt, was im Kern dazu fĂŒhrte, dass man Vodafone als Vorreiter beim Handlangertum der Netzsperren bezeichnen kann.

Und nun meldet sich Alexander Panczuk nach der Kritik an Vodafones Zensurmassnahmen selbst zu den Netzsperren zu Wort – wohin ist eigentlich Carmen Hillebrand verschwunden? – und das mit einem Text, den ich hier fĂŒr Normalsterbliche ĂŒbersetzen möchte, kursiv das original, der Rest ich: [http://blog.vodafone.de/2009/07/14/reaktion-auf-livepk-teil-3-zugangserschwerung-kinderpornographie/]

**********Anfang************

Reaktion auf LivePK: Teil 3 Zugangserschwerung Kinderpornographie

Zensur? Welche Zensur? Es gibt keine Zensur!

Die Debatte zu unserer LivePK hat unter Anderem unsere Haltung zu der Zugangserschwerung von kinderpornographischen Seiten in den Mittelpunkt gerrĂŒckt.

Obwohl mein Umgang mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift ausbaubar ist, wurde ich nach 25 Konferenzen dazu bestimmt, mich mit diesem Dreck im Internet zu beschĂ€ftigen. Meine Chefs glauben, ich reiche fĂŒr diese widerlichen Kinderpornohelfer aus. Und Ursula sieht das sicher auch so.

Die sexuelle Misshandlung von SĂ€uglingen und Kindern ist eines der menschenverachtendsten Verbrechen die man sich vorstellen kann.

Ich will da gar nicht lange reden, weil ohnehin klar ist, dass mit dem Reizwort Kinderporno jede Debatte ĂŒberflĂŒssig ist. Und ihr wollt doch nicht den PĂ€dokriminellen helfen?

HierĂŒber besteht breiter Konsens.

Sagt auch die BILD-Zeitung.

Wir sind der Meinung, dass vor dem Hintergrund dieser extremen Natur des Kindesmissbrauchs eine ausgesprochene Sonderstellung des Themas vorliegt und entschlossenes und konsequentes Handeln erforderlich ist.

Wir sind der Meinung, dass hinter dem Vordergrund der populistischen Debatte der Familienministerin eine ausgelogene Sonderstellung des Themas vorliegt und zur Wahrung unserer sonstigen GeschÀftsinteressen ein entschlossenes und konsequentes Handeln erforderlich ist.

Wir haben stets betont, dass wir Internetsperren fĂŒr andere Themenfelder ausschließen.

Wie haben stets betont, dass wir Internetsperren ansonsten total und kategorisch ausschliessen, solange wir daraus nicht ein Quentchen Vorteil fĂŒr unsere GeschĂ€ftsinteressen ziehen können.

Die Ausweitung von Zugangserschwerungen auf andere Inhalte lehnen wir strikt ab.

Die Ausweitung von Zugangserschwerungen auf andere Inhalte lehnen wir angesichts der erregten Debatte strikt ab, und zwar mindestens bis zum nÀchsten Lobbytreffen mit der Musikindustrie; dann schaun wir mal, ob wir uns da nicht beteiligen können, an den Downloadern etwa, denn uns interessieren eh nur schicke Aplohter wie der Sascha Lobo, die bereit sind, unsere Tarife zu bezahlen.

Die breite Öffentliche Debatte zeigt, dass die Bevölkerung sehr sensibel fĂŒr das Thema Internetzensur ist.

Wir hĂ€tten dieses blöde Thema sowieso besser in den Hinterzimmern auwsknobeln sollen. Was mischt Ihr Euch ĂŒberhaupt ein? Hat Euch jemand gefragt?

Um langfristig zu dem Thema eine sachliche Debatte zu fĂŒhren, ist es aus unserer Sicht wichtig, den Extremfall Kinderpornographie aus der Diskussion um Internetsperren als erledigt ausklammern zu können.

Langfristig wissen wir auch, dass das Thema wiederkommen wird. Und dass wir auch bereit zur Debatte sein werden, egal wie wir letzt behaupten, Netzsperren abzulehnen. Und bevor wir uns mit den LĂŒgen der Ministerin auseinandersetzen, haben wir uns gedacht, wir zeigen gleich mal, was Sache ist, und machen mit. GrundsĂ€tzlich sind nĂ€mlich Netzsperren erst mal voll ok. Basta.

*********Ende*******

Nun gut, zumindest Ende, was den “Diskurs” von Vodafone angeht. Ob den betreffenden Bloggern bei Adnation das Thema wirklich am Herzen liegt, wie sie teilweise vorgaben, oder ob sie das so akzeptieren und das mit einer weiteren GeschĂ€ftsbeziehung mit Vodafone ausdrĂŒcken? Ich weiss es nicht. Vermutlich heulen sie erst dann wieder auf, wenn sie das Geld eingestrichen haben, und Vodafone die Netzsperren auch fĂŒr Downloads fĂŒr vertretbar hĂ€lt. Dann wird es einfach heissen:

Das massenhafte Stehlen von Musik und Filmen ist eines der urheberrechtsverachtendsten Verbrechen die man sich vorstellen kann.

Fragen Sie doch mal den Herrn Haeusler, zum Beispiel, Adnation-GrĂŒnder und Spreeblick-Boss.

14.7.2009 | 1:43 von DonAlphonso

Vodafone – Kommunikation ohne Reissleine

Mal abgesehen davon, dass ich eher mit Brunzkacheln als mit Marken reden wollte – bei ersteren hat man es wenigstens nicht mit Cretins zu tun, zu deren Gunsten bezahlte PR-Schleimbatzen Kommentare schmieren, wobei ich natĂŒrlich absolut rein gar nichts gegen den ehrenwertesten Agenturbesitzer Mirko Lange sagen will, der regelmĂ€ssig bei seinen Abhandlungen fĂŒr Vodafone zu erwĂ€hnen vergisst, dass er die PR fĂŒr einen Teilbereich von Arcor gemacht hat, das ist allenfalls nur der gute alte Jambastil und Egopromotion – mal abgesehen davon gestaltet sich mein Umgang mit Vodafone und ihrer neuen Kampagne erfreulich still.

Weil diese Leute einfach nicht reden wollen. Oder können. Ich habe keine Ahnung, ich habe nur ein paar SprĂŒche gelesen, mit dem sich Leute aus der Debatte verabschieden. Nehmen wir nur mal dieses superflauschige PR-Interview, das sich bei Meedia anschickt, jedes Fitzelchen heisse Luft aus Nico Lumma, den Verantwortlichen fĂŒr Social Media der Vodafone-Kampagne abzuzapfen:

Wir werden auf der Kampagen-Website www.es-ist-Beine-breit.de [editiert] und auch auf Facebook, MySpace, StudiVZ, dem Vodafone-Blog sowie mittels Twitter dafĂŒr sorgen, dass der User im Mittelpunkt steht. Sei es durch Aktionen, sei es durch einen Dialog-orientierten Ansatz in Diskussionsforen, sei es durch einfaches Zuhören im Web.

Göttin des Zuhörens und des Dialogs bei Vodafone ist meines Erachtens deren Pressesprecherin Carmen Hillebrand mit einer GesprĂ€chsbereitschaft, die man seit dem Untergang der DDR und den Pressstellen der dortigen Ministerien auf deutschem Boden nur noch selten erlebt hat. Ich mein: Da wird Vodafone von ein paar tausend Wortmmeldungen gesagt, dass ihr Image durch die Pressekonferenz noch mieser wurde, als es ohnehin schon ist, dass man sich von der Buzzwortscheisse deren Chefs verarscht fĂŒhlt, um es deutlich zu sagen, dass man die Tarife fĂŒr bescheuert hĂ€lt, dass man den Spot schlecht findet und der Meinung ist, dass der Laden was zu Zensursula und dem eigenen Treiben sagen sollte.

Und Carmen Hillebrand schreibt auf diese Welle hin am Freitag nur einen Beitrag ins Blog, dass sie ein eForum einrichten wollen [blog.vodafone.de/2009/07/10/reaktionen-auf-die-livepk-service/]. Aber erst im SpĂ€tsommer, also ungefĂ€hr dann, wenn die Kampagne vorbei sind. Drunter wird auch Kommentarspam in den Kommentaren zugelassen, ansonsten hat Frau Hillebrand nichts mehr zu sagen. Keine Antwort, keine weitere Reaktion, auch nicht bei Twitter [twitter.com/vodafone_de], wĂ€hrend man draussen weiter debattiert. Über die eigentlichen Themen. Aber vielleicht war es einfach Wochenende, da arbeitet man nicht. Vielleicht hĂ€tte man der Pressesprecherin mal sagen sollen, dass es mit einer PR-Verlautbarung heute nicht mehr getan ist. Und dass das Netz ein klein wenig schneller und lauter als ein paar mit Handies und SondervertrĂ€gen erfreute Blogger und Journalisten ist.

Heute, Montag dann auf dem Blog ein Beitrag aus Ghana, wo PR-Mitarbeiter sicher auch nicht fleissiger sind, und nur 24 Stunden nach dem Formel-1-Rennen vom NĂŒrburgring ein Blogeintrag – es haben ja sicher nur 235.000 andere Medien inzwischen davon berichtet, nur noch nicht ĂŒber die spannenden Dinge in der Box des gesponsorten Teams. Weiterreden mit der TĂ€nĂ€rĂ€schn Aploht? Kann offensichtlich warten. Und inzwischen hat man ja auch die tolle Projektsite angeschmissen.

Dort soll man mitmachen. Und zwar, weil es was dafĂŒr gibt [esistdeinezeit.de/werde_held_fuer_einen_tag]:

Es gibt vieles zu gewinnen, unter anderem einen Tag als Held auf es-ist-deine-zeit.de und Karten fĂŒr ein exklusives Event in Berlin.

Sandförmchenbacken mit Nico Lumma? Ein 99-Cent-Döneressen mit Sascha Lobo? Ein Twitter-Vermeidungs-Seminar mit Carmen Hillebrand? Die 1000 schönsten Buzzwords in einer Performance mit Gregor GrĂŒndgens feat. ÄFF-ÄMM von Scholzens Frienz? Seit drei Tagen rollt die Kampagne, seit drei Tagen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man bei Scholz & Friends und Vodafone auch nicht so genau weiss, wie das laufen soll, und was man eigentlich jenen bietet, die da mitmachen sollen. Und wer das nicht glaubt, drĂŒcke mal auf diesen Link:

http://www.esistdeinezeit.de/rechtshinweise.html

Vielleicht wĂ€re es einfach mal an der Zeit zuzugeben, dass man zwar den Spot und die Website so halbwegs fertig hatte, aber mit einem reichlich unfertigen Ding an die Öffentlichkeit ging. Anderes Beispiel: Mitmachen! Tut die TschĂ€nĂ€rĂ€schn Aploht ja so gerne! Man kann auf dieser Site folgenden Text anclicken:

Schauen, Staunen, Voten! Wirf einen Blick auf unsere Heldenclips und -fotos und vote fĂŒr Deinen Favoriten.

Dabei kommt man bei den Imagevideos der Testimonials raus. Und nein, dort gibt es nichts, wofĂŒr man voten kann. Null. Nada. Nicht mal die grosse Garde der Mastdarmakrobaten vom Rektalturnverein PRevanschissmus 09 könnte mitmachen, selbst wenn sie wollte. Ich finde das ja putzig, wenn so die Kommunikation und das Empowern der User ins Nichts auslĂ€uft, aber mal ehrlich: Riesenetat, Riesenfirma, Riesenagentur, und das ist alles, was die können? Und entsprechend mau wird es auch angenommen, wenn man sich mal die Microsite bei Youtube anschaut:

[youtube.com/vodafonedeutschland]

Wie bei solchem Kommerzdreck ĂŒblich, lĂ€uft sofort das Video los. Das ist einerseits widerlich, weil es den Nutzer natĂŒrlich nicht empowert, sondern ihm was reindrĂŒckt. Andererseits ist es fĂŒr unsere Zwecke prima, denn jeder Aufruf wird auch als Abruf des Videos gezĂ€hlt. Und da sind wir 3 Tage nach Beginn der Kampagne bei 2785. Das auf der Youtube-Startseite verlinkte Video kam bislang auf 16685 “Abrufe”. Und wenn das im Vergleich zu Werbung in drittklassigen TV-KanĂ€len mickrig ist: Es gibt dort auch haufenweise Videos, die nach Start der Kampagne auf ein paar Dutzend Aufrufe kommen, ohne klickende Omi, Cousinen und Freunde der Testimonials rauszurechnen. Vodafone könnte diesen “Dialog” bei mir am Tegernsee mit einem wackligen Projektor und Leinwand oben auf der Baumgartenschneid auf 1336 Meter Höhe im Regen machen, und sie hĂ€tten in drei Tagen mehr Zuschauer. Sie könnten es auf dem Marktplatz in Gmund Nachts um Drei von Sascha Lobo und Carmen Hillebrand spielen lassen, und sie hĂ€tten mehr Zuhörer. Der eklatante Unterschied zwischen den 16685 Nutzern, die auf der Seite gelandet sind, und den paar Typen, die an einer weiteren BeschĂ€ftigung Interesse hatten, macht selbst Keilschrifttafeln zu einer Massenkommunikation. Auch in Altakkadisch, noch heute. Und das, obwohl Vodafonemitarbeiter auf ihrer gekauften StudiVZ-Seite nicht mĂŒde werden, immer wieder den Link zu youtube in die Runde zu werfen:

Danke an schon weit mehr als 4000 Freunde von Vodafone Deutschland hier auf studiVZ und meinVZ!
Wir möchten an dieser Stelle noch einmal auf unsere Aktion hinweisen und uns fĂŒr die bisherigen Verlinkungen bedanken.
FĂŒr alle neuen Freunde, die den Spot und Making Of Material anschauen wollen, ist hier der YouTube Link:
http://www.youtube.com/vodafonedeutschland

Dialog, hm?

Ich finde das prima. Wirklich. Eigentlich mĂŒsste ich Scholz & Friends bezahlen, denn damit sorgen sie dafĂŒr, dass all die mit social Media belaberten Kommerzdödel auf Jahre wieder andere Methoden verwenden, die genauso blöd, aber nicht so offensichtlich anfĂ€llig gegen verĂ€rgerte oder gelangweilte Nutzer im Internet sind. Scholz & Friends schlachtet einen Markt, und das mit grösster Aufmerksamkeit. Fachlich gesehen ist die Kampagne ein Totalversagen auf allen Ebenen, aber ideologisch betrachtet bin ich auch hier glĂŒcklich, dass Leute wie Kosmar, RobGreen und PickiHH unzusammenhĂ€ngenden Blödsinn in die PR-Site von Vodafone twittern, ich danke Frau Hillenbrand fĂŒr die vorzĂŒgliche Indolenz angesichts des Meinungssturmes, ich beglĂŒckwĂŒnsche jene, die ein Autorennen öde niedertwittern lassen, ich freue mich aufrichtig, wenn industrienahe Journalisten jammern, dass sich die Blogs einen BĂ€rendienst erweisen wĂŒrden, ich mag das Verbraten von Möchtegernwebgrössen in kranken Pressekonferenzen und langweiligen Spots, ich lache herzlich ĂŒber den Glauben der Verantwortlichen, dass jemand ausserhalb dieser Hungerleider-Ingroups was mit den Figuren anfangen kann, ich finde es super, wenn Hofschranzen erkennbar WerbesprĂŒche absondern, fĂŒr die bezahlt werden, und ich bin ein Fan der Geschwindigkeit, mit der all das Gerede von der Kommunikation ohne Reissleine in den Asphalt geknallt ist.

Ich mag diese Kampagne. GeschĂ€tzt 50 Millionen, ein grandioses Desaster, verbrannte Erde und verkohlte Testimonials, bitte keine Verschwörungstheorien, ich hatte die HĂ€nde nicht im Spiel – aber da haben sie etwas abgeliefert, was Hunderten von MitlĂ€ufern, GeschĂ€ftemachern und Adabeis die TĂŒren der Konzerne in die Fressen knallen wird. Mit all der Wucht der fehlenden Reissleinen bei Scholz&Friends und Vodafone.

10.7.2009 | 13:53 von DonAlphonso

Das angeblich originale Vodafail-Blogposting

Vorhin kam hier ein ziemlich kaputter Typ vorbei. Er roch etwas nach Alkohol, sein Iro war eingedĂ€tscht, und er sah so aus, als hĂ€tte man ihn eine Nacht am Busbahnhof schlafen lassen. Jedenfalls zeigte er mir auf seinem Iphone einen Text, von dem er behauptete, das sei das Original eines Blogeintrages einer gewissen Firma namens Vodafail, ich solle es bekannt machen, denn die Firma habe es nochmal geĂ€ndert, und das fĂ€nde er superunauthentisch, er wolle, dass das echte Posting bekannt wĂŒrde. Ich schrieb es ab, und er setzte sich in den Bus nach Bukarest. Hier jedenfalls ist dieses Posting von Vodafail, die kursiven Teile sollen gestrichen worden sein:

“Kurz und gut geht es uns nach der Flasche Wodka zwar nicht, aber wir hatten ja auch noch die Pillen: Die vielen Reaktionen auf unsere Live-Pk haben uns schlichtweg ĂŒberwĂ€ltigt, das hatte ich ja schon per Twitter zum Ausdruck gebracht, was auch meine letzte unkontrollierte Veröffentlichung gewesen sein sollte, denn jetzt haben sie bei uns erst mal die Schauze voll von diesem Internet. Damit hatten wir nicht gerechnet, schliesslich haben uns Äff-Ämm und der Nico und der Lobo was ganz anderes erzĂ€hlt, als wir ihnen das Geld gegeben haben: AnnĂ€herend 2100 Kommentare gingen wĂ€hrend der Pressekonferenz ein, und genauso sind wir auch eingangen, beim Management waren die Gesichter so lang wie eine Handyechnung nach dem Urlaub. Der Anteil der Fragen, die wir live weiter gereicht haben, war verschwindend gering, denn wir sind doch nicht so blöd und geben Euch Deppen da draussen auch noch eine Stimme, wenn Ihr Euch nicht so benehmt, wie uns das des fette Punktestimonial in seinem authentisch schlecht sitzenden Anzug versprochen hat. Also, eine wichtige Lehre, die wir neben dem Kauf eines Fremdwörterlexikons, der besseren Versorgung mit weissem Zeug, effektiver Bestechung fĂŒr die MeinungsfĂŒhrer und der Anwesenheit eines Anwaltteams, das jeden frechen Blogger sofort bei meiner Freundin von der Leyen anzeigt, daraus ziehen: den Anteil des Dialogs höher ansetzen bzw. den Dialog richtig entwickeln, indem wir nur noch mit Auftragsgeiern, Mitwirkenden unserer Tour, Werbepartnern und erwiesenen Arschkriechern erster QualitĂ€t reden, das in unser Clipping ĂŒbernehmen und so tun, als gĂ€be es den Rest nicht. Daraus folgt auch eine entsprechende Änderung des Formats und der fĂŒr diese Katastrophe verantwortlichen Berater, statt einer Pressekonferenz, wo das AbfĂŒllen und das geschenkte Handy noch waren, haben wir es in Zukunft wohl eher mit einer Öffentlichen Konferenz zu tun, um das vorgeschlagene denglische Konstrukt “Public Konferenz” nicht zu bemĂŒhen und nochmal was von unserem leitenden Management in die Fresse zu bekommen – das nĂ€chste Mal haben sie uns eine RĂŒbenkur angedroht, Und zwar nicht von Vorne. Jetzt gilt es nach Sichtung der Kommentare durch unsere trĂ€nenverschmierten Augen, Ihr widerlichen Scheusale, Ihr verkommenen Drecksinternetwichser, URSULA HATTE RECHT MAN SOLLTE EUCH ALLE EINSPERREN!!!!, diese auszusortieren, zu löschen und das genehme Geschleime nacheinander zu beantworten. Eine der Fragenblöcke und Kommentare verlangte nach Taten statt unserer supertollen Testimonials, die doch so locher und nett sind, d.h. einfachere Tarife und besonders auch faire ‘richtige’ Datentarife, die uns fast so viel kosten wĂŒrden, wie diese ultraschicke Kampagne und mein Gehalt als Pressesprecherin. Sonst noch WĂŒnsche, Ihr verkommene Bande? Glaub Ihr, wir wollen Euch was schenken??? WIR WOLLEN DAS GELD!!!!!! Genau daran arbeiten wir, wenn endlich diese fliegenden Nashörner aus dem Raum verschwunden sind, die kurz nach den Pillen hereingekommen sein mĂŒssen. Wenn wir wirklich der Partner der Generation Upload werden wollen, wie gestern blöderweise, diese grossmĂ€uligen Freunde von Scholz, das wird schon gut gehen! HAHA! DIE SIND AN ALLEM SCHULD! angekĂŒndigt, mĂŒssen wir auch entsprechende Werkzeuge in Form von Tarifen und Hardware zur VerfĂŒgung stellen, die noch kleingedruckteres Kleingedrucktes haben, wir mĂŒssen die Leistung frĂŒher drosseln und dafĂŒr sorgen, dass “Flat” RoaminggebĂŒhren beinhaltet, wenn man auch nur den Landkreis wechselt. Das ist massenhaft Arbeit fĂŒr die Hausjuristen, und wenn die fertig sind, IHR BIESTER, dann kommen Sie auch zu Euch. Daran mĂŒssen wir uns messen lassen, denn sonst werden unsere Chefs von der Zentrale sowas von geteert und gefedert, und ich habe keine Lust, KEINE LUST, hört ihr, von all meinen netten Kollegen nicht mehr beneidet und beschleimt zu werden, wenn ich bald wieder PlĂ€tze im Bus an besonders liebe Blogger wie diese sĂŒssen Girls von Lesmads vergeben kann, die nicht so ekelhafte, GEMEINE HINTERHÄLTIGE IHR MIESEN SCHURKEN MAMA WIESO SIND SIE SO GEMEIN ZU MIR??????????????????.

Oh. Gerade musste ich zu meinem Erstaunen feststellen, dass Vodafone wohl einige Textbausteine auch verwendet hat, um ihre eigene, gestrige Aktion zu loben:

http://blog.vodafone.de/2009/07/09/reaktionen-auf-die-livepk/

Naja, PRler halt.

9.7.2009 | 3:25 von DonAlphonso

Es ist Beine breit

habe ich erst gelesen, aber das war natĂŒrlich falsch. Es liegt an der Abbildung und vermutlich auch meinem Glauben, der Konzern da wĂŒrde es wirklich mit Ehrlichkeit und nicht nur Marketingbullshit versuchen.

Wenn sich seit meiner aktiven Zeit in der New Economy nicht allzu viel geĂ€ndert hat, wird morgen ein denkwĂŒrdiger Tag bei besagter Firma und ihrer Agentur: Man wird SĂŒndenböcke fĂŒr das heutige Debakel suchen und finden. Heisser Tipp: Jene Sportsfreunde, die vermutlich wider besseren Wissens immer behauotet haben, dieser Kotzcocktail aus Marketinggeseiere und gekauften WerbefigurensprĂŒchen kĂ€me totaaal authentisch rĂŒber und kĂ€me supi gut an. Vielleicht wird man auch das Plakat mit Sascha Lobo, an dem sich vor allem die Kritik entzĂŒndet, ein klein wenig weniger machen, und viele BedenkentrĂ€ger im Konzern werden genau das sagen, was ich auch schon lĂ€nger in Bezug auf die Berliner Blogvermarktungskreise sage: Wir haben es ja schon immer gesagt.

Die ganze Geschichte wird in den Blogs vermutlich nach dem Schema Yahoo-Werbung ablaufen: Man wird auf Seiten des mit Werbebuchungen berĂŒcksichtigten Blogvermarkters Adnation betonen, dass die VertrĂ€ge mit dem Konzern schon gemacht wurden, bevor der Zensursula als DurchfĂŒhrungsgehilfe zur Seite trat, dass auch alle anderen das machen und ĂŒberhaupt, man mĂŒsse Geld verdienen und sei natĂŒrlich dennoch frei, das Verhalten auch zu kritisieren. Trotzdem uncool, wenn man sich wie Spreeblick im Vorfeld mit Kritik an Frau von der Leyen zu profilieren suchte.

So weit, so gut. Ich gehe davon aus, dass es auch diesmal so laufen wird, wie bei Yahoo oder der Opel-Aktion. Man wird sich beiderseits ĂŒber die Distanz schleppen, und andere Agenturen werden das als warnendes Beispiel vorfĂŒhren. Es wird keine Wiederholung geben. Ich glaube nicht, dass Agenturen wirklich viel Lust haben, sich auf diesen teuren und gleichzeitig komplexen Krempel des social Webs einzulassen, dessen Bewohner nicht gerade zwingend auf sie warten – von den KĂ€uflichen mal abgesehen. Es ist teuer, ineffektiv und voller Scharlatane, die nur auf die nĂ€chsten Deppen warten.

Ansonsten? Vodafone wird kotzen, und das mit besten GrĂŒnden. Die beteiligten Blogger werden sich gern wieder anbieten. Und die Medien werden natĂŒrlich weiter behaupten, dieser Lobo sei sowas wie das Gesicht des neuen Internets, ein Vorzeigeblogger, und er wird das vermutlich weiter ausnĂŒtzen. Und ich weiss nicht, was ich dĂŒmmer finden soll: Den alten Hass der Medien auf Blogger oder die Verarschung, so jemanden in der Öffentlichkeit als “den bekanntesten Blogger” hinzustellen. Aber egal. Dank Vodafone und 200 sinnlos durchgeblasenen Millionen wird man erst mal wieder etwas Ruhe haben. Ich bin da nicht Kunde.

6.7.2009 | 11:54 von DonAlphonso

Wie das mit dem Bloggen geht I

Ich kann das hier ja bedenkenlos schreiben, ohne mir Sorgen um meine Marktposition machen zu mĂŒssen: Eine kleine Serie, warum Blogs von normalen Journalisten in aller Regel nicht taugen. Neben banaler Inkompetenz und der berufstypischen Ahnungslosigkeit kommt nĂ€mlich auch noch eben jenes Missverstehen dazu, das die Grundlage journalistischer Arbeit ist, wenn es etwa darum geht, in einer Krise positive Entwicklungen zu entdecken, keinen Einsatz der Nationalgarde gegen die Verbrecher der Wallstreet zu fordern oder zu behaupten, die Bundeskanzlerdarstellerin mache sowas wie Politik. Aus diesem Knick in der Optik stammt auch die erste zentrale FehleinschĂ€tzung neubloggender Journalisten:

Bloggen hat was mit SubjektivitÀt zu tun.

Journalisten glauben das, weil Blogger anders sind. Journalisten denken, sie wĂ€ren objektiv, Blogger sind anders, also sind sie subjektiv. Also reicht es beim Bloggen, auch subjektiv zu sein, dann kommen Zillionen von Kommentaren und Trackbacks, sie werden eins mit der Szene und alles ist ganz prima, weil sie das auch können. Und nachdem Journalisten, wenn sie einmal ein Vorurteil gefassr haben, den Fehler immer wieder neu begehen, sind die meisten Blogs von Journalisten der gleiche subjektiv geschriebene MĂŒll, den man auch bei Myblog unter anderen geistig schlecht belichteten Teenagern findet, und der dort auch die gleiche Beachtung von Grossmutti und drei Freunden bekĂ€me.

Was Journalisten nicht kapieren – weil es ihr Selbstbild beschĂ€digen wĂŒrde – ist:

Bloggen hat was mit Charakter zu tun.

NatĂŒrlich sind Blogger subjektiv. Aber nicht aus Prinzip. Sondern weil ihr Charakter stark oder zumindest vorhanden ist, und sich in Form subjektiver Sichtweisen Bahn bricht. Niemand hat einem Blogger eingetrichtert, keinen Charakter zu haben. Genau das ist aber der Unterschied zu jenen faulen Besitzstandswahrern, die genau wissen, dass Charakter in der Inhaltebehörde nur der Karriere schadet. Man mĂŒsste mit Charakter auch mal widersprechen oder einem Kollegen ans Bein pinkeln, man mĂŒsste Instanzen ĂŒbergehen und nicht lang um Erlaubnis fragen, und man dĂŒrfte keinesfalls beginnen, den eigenen Charakter am Charakter der Redaktion anzudocken. Damit kommen am Ende nur Blogs raus, die genau so gleichgepolt wie die Redaktion sind. WĂŒrden alle deutschen Chefredakteure heute fĂŒr 10 Jahre in Urlaub fahren, wĂŒrden sich alle ihre Zeitungen nach der Dekade ebenso lesen wie zu Beginn. Ihre Untergebenen wĂŒrden schon dafĂŒr sorgen, dass nichts, keine Faser aus dem Ruder lĂ€uft.

Journalisten möchten natĂŒrlich nicht glauben, dass sie keinen Charakter und nach Jahren in der Redaktion das Seelenleben einer Amöbe haben und Angst, furchtbare Angst, nach all den Jahren der einfachen, hirntoten Anpassung nun so etwas wie Charakter neu entwickeln mĂŒssen. Umdenken! Schrecklich. Da ist es leichter zu glauben, es wĂ€re eine Frage von SubjektivitĂ€t und ObjektivitĂ€t. NatĂŒrlich kann ein charakterloser Mensch auch subjektiv sein. Jeder Depp kann subjektiv.

Aber Leser, die ohnehin damit rechnen, dass sie mal so und mal so angelogen zugunsten diverser SubjektivitĂ€ten werden, ist das egal. SubjektivitĂ€t ist in Zeiten der INSM gar nichts mehr. Es spielt fĂŒr lLeser keine Rolle, ob so jemand in welchem Format auch immer objektiv oder subjektiv tut.

Es geht um den Charakter. Blogger mit Charakter können subjektiv sein, oder sich um ObjektivitĂ€t bemĂŒhen: Es ist egal. Der Charakter zĂ€hlt. Es kann auch ein mieser Charakter sein, solange er nur ehrlich ist, es gibt da keine Vorschriften, aber das ist es, was anspricht, interessiert und zum diskutieren anregt.

Und Journalisten noch vor dem ersten Text als Blogger zumeist unbrauchbar macht.

3.7.2009 | 16:45 von DonAlphonso

Was die NZZ meint

Im Herbst sitze ich mal wieder auf dem Podium der Medientage in MĂŒnchen – man wĂŒnscht sich offensichtlich mal wieder einen Woilf im Pudelzoo. Auf dem gleichen Podium ist auch Herr Reitz von der “Bloggen fĂŒr lausige 300 Kröten”-WAZ und Herr Blau von der Zeit online, wo er den bloggerfeindlichen Dreck seiner Printkollegensolltemandasnichtnennen verantworten muss. Eingeladen bin ich explizit als freier Blogger, ich bin nur mir selbst Rechenschaft schuldig, ich kann denen das kommunizieren, was im Klima der Angst in deren HĂ€usern vermutlich keiner mehr macht (“Oh Gott mein Job” – Es gibt Tage, da lohnt es sich, nicht arm geboren zu sein und auf die Meinung solcher Leute nichts geben zu mĂŒssen, und danach zum Tegernsee zu fahren, wĂ€hrend die zurĂŒck in den Essener Sumpf und in den Hamburger Schlick mĂŒssen). Und da ist einiges zu sagen. Darunter dieser Beitrag in der NZZ, die die Blogangebote diverser Medien in Deutschland vergleicht. Es gibt da sowas wie einen Sieger und viele Verlierer.

OK, die Konkurrenz, muss man sagen, war auch nicht gut.