1.12.2007 | 1:36 von DonAlphonso

Trigami, die Peinlichkeiten und die Loyalität im Web2.0

Das Paid Blogging im Kommen ist, kann wohl keiner abstreiten, und wenn der Markt nun belebt wird, werden vielleicht auch die Hardliner einsehen, dass nicht alles schlecht ist was bezahlt wird.
von hier, mit dem Hardliner bin wohl ich gemeint

Wäre ich ein Anteilseigner der Schweizer Trigami AG, die nach meiner Einschätzung der momentan führende Anbieter für Amateur-PR und gekaufte Gefälligkeitsberichte in Blogs sein dürfte, würde ich an diesem Wochenende ein paar Flaschen Wein aufmachen, und darin das Vergessen suchen. Denn während früher noch der Gründer Remo Uherek gerne Stellung zu all den Fehlschlägen und Problemen seiner Kunden vom unseriösen Jobportal über das Sektenhilfwerk bis zum Erotiktest bezog, herrscht momentan eher Schweigen. Vielleicht möchte Uherek, der sich gezwungen sah, einen minderjährigen Trigamiautoren wegen Verletzung der AGB auszuschliessen, einfach nur nicht darüber reden, dass es noch mehr derartige Fälle gibt – und das ausgerechnet bei den bekannteren, erklärten Fans für Trigami. Da ist beispielsweise der 15-jährige Y. E., der auf seiner Domain blog**** keinen Hehl aus seinem jugendlichen Alter macht, und der damit angibt, Trigami sechs neue Blogger zugeführt zu haben. E. hat einige Berichte für Trigami gechrieben, wie auch der 17-jährige S. C., und bei beiden fragt man sich,

a) wieso Trigami deren Alter übersehen konnte, obwohl es auf den Webseiten steht, und sich beide wiederholt zu Trigami geäussert haben
b) ob Trigami dort jetzt auch Konsequenzen zieht, oder so tut, als würde man das hier nicht mitbekommen und
c) wie zum Teufel soll das in Deutschland eigentlich versteuert werden, wenn es Einnahmen aus einem selbstständigen Gewerbe sind?

Das sind Probleme für Steuerrechtler, die uns hier erst interessieren müssen, wenn es dereinst bei einem Blogger Probleme gibt. Bis dahin stellen sich für mich aber ganz andere Fragen. Nämlich nach dem Verhältnis der Firma und ihren Bloggern. Im Fall des Erotikcamportals, das als das angeblich grösste seiner Art in Deutschland angepriesen wird, ist nämlich erneut ein Problem zu vermelden: Das Projekt, das so erfolgreich und bekannt sein will, taucht bei einer Recherche im Internet fast nur bei Verzeichnissen, Linkfarmen, fragwürdigen Forumseinträgen und ähnlich drittklassigen Quellen auf. Und wenn man die von Alexa gemessenen Besucherzahlen dieses kleine, ganz sicher nicht führende deutsche Blog mit der angeblich so wichtigen Seite aus dem wirklich grossen Erotikbereich vergleicht, nun, dann sieht es nicht gut aus, für den Trigami-Auftraggeber. Es scheint zumindest so, als hätte der Kunde da ein wenig gross getan in seiner Selbstbeschreibung. Eine wunderhübsche Stilblüte der Kundenkomunikation zwischen Trigami und den Bloggern findet sich auf eine Anfrage von Eliwagar:

“Es geht ja darum die Site zu testen. Wie du das machts oder, ob du dich miteinbeziehen willst (also nackich machst) ist deine Sache! Wenn du Bock darauf hast, wieso nicht?”

Doch wie Elewagar beschreibt, wurde aus der Sache nichts: Sie wurde abgelehnt und mutmasst nun, dass “der Anbieter sicherlich darauf hofft, durch sein Angebot an sich genug ins Gespräch zu kommen.” Bei Eliwagar findet sich übrigens noch ein anderer reizender Kunde von Trigami, der verlangte, dass man nach der Rezension etwas bei ihm bestellen und natürlich auch bezahlen sollte. Bitte inclusive des Kommentars lesen, das Ding ist Realsatire und zeigt ziemlich schön, wie Trigami und ihre Firmenkunden die Autoren betrachten.

Und jetzt? Zweierlei. Es gibt einen neuen Anbieter für gekaufte Blog-PR. Der hat sich bei Trigami bei Idee und Umsetzung so bedient, wie sich Trigami schon beim amerikanischen Vorbild Reviewme Inspirationen *hust* geholt hat. Prompt haben sich inzwischen fast 100 Blogger, mutmasslich meist alte Trigami-Autoren, beim neuen Dienst angemeldet. Und viele schreiben fleissig darüber in ihren Blogs, obwohl bislang nicht bekannt ist, ob die dahinter stehende Firma Travix GmbH – nun, wie soll ich sagen… schaut mal, es ist so: Es zeugt nicht gerade von Internetkompetenz, wenn bei den Referenzen wie folgt beschrieben wird:

WM-Tipp.de – Formel 1 Hier gehen Sie ins Rennen! Tippen Sie auf die besten Fahrer je Rennwochenende oder einfach nur den Formel1-Weltmeister 2005!

Und die Website selbst, wir schreiben November 2007 und Ferrari hat längst die Titel, verkündet:

Am 18. März 2007 ist es wieder soweit. Die Formel1-Saison 2007 startet mit dem 1. Rennen in Melbourne.

Trotzdem freuen sich auch erfahren Trigamiautoren nach den diversen Missgeschicken und Pannen über die Konkurrenz für Trigami. Das andere Problem für Trigami erklärt sich aus dem Vorgehen von Google gegen deren Autoren. Google hatte in zwei Wellen Trigamiteilnehmer massiv abgestraft – wegen des Handels mit bezahlten Links. Das Geschrei bei den Betroffenen war gross, man überlegte, Google auszusperren und Alternativen zu finden – aber wie sich jetzt zeigt, geht es auch anders: Mit einer Trennung von Trigami, dem Löschen sämtlicher Auftragsarbeiten und einer kleinen Selbstbezichtigung, gern im Stil der Widerrufe in Ketzerprozessen, ist der allmächtige Grossinquisitor Google bereit, die verirrten Schafe wieder aufzunehmen. Kurz, Google stellt die Trigamiautoren vor die Wahl: Entweder weiter die Suchmaschinen mit gekauften Texten und Links zumüllen – oder von Google gemocht zu werden.

Beide Verhaltensweisen, das Ãœberlaufen und das Zurücknehmen, sagen viel über die Loyalität im Web2.0 aus: Es gibt sie nicht. Was es gibt, sind wechselnde Zusammenschlüsse: Trigami ignoriert das Alter seiner Schreiber, und beendet das Verhältnis, wenn es auffliegt. Trigamiautoren verteidigen die Firma und attackieren Kritiker – wie meine Wenigkeit – als Fundis, Gutblogger und ähnliches, und wenn die andere Firma bessere Aufträge bietet, werden sie genauso diese Firma verteidigen – solange sie bezahlt werden. Es sind Söldner auf eigene Rechnung, sie lassen sich von jedem kaufen, der ihnen Geld gibt, ihre Loyalität wechselt, weil sie nur eine echte Loyalität haben: Zu sich selbst. Und natürlich sind sie enttäuscht, wenn sie feststellen, dass Trigami teilweise höchst unerfreuliche Kunden anschleppt. Trigami, deren halbseidene Kunden und die devoten PR-Dienstleister: Da bekommt jeder, was er verdient. Und Google macht den Sach zu und haut drauf ein.

Und ich finde es höchst amüsant. (Und sicher wird wieder einer der hofft, der Deutschlandvertriebler von Trigami zu werden, rumquäken. Heult doch!)

29.11.2007 | 15:28 von DonAlphonso

Da lacht der Landser: StudiVZ und der Umgang mit Rechtsradikalen

Es bedurfte vor einem Jahr einiger öffentlicher Aufmerksamkeit durch dieses und anderer Blogs, um die Löschung einiger rechtsradikaler Gruppen bei StudiVZ in die Wege zu leiten, nachdem das Management dort mehrfach Meldungen ignoriert hatte.

Und heute?

Nun, offensichtlich treiben sich dort immer noch Leute herum, die die Wehrmacht toll finden, den zweiten Weltkrieg verharmlosen und die Schuld bei anderen sehen. Eine hübsche, aktuelle Zusammenstellung dieser Umtriebe findet sich bei Channelshift.

Und wie reagiert StudiVZ auf eine Wehrmacht Gruppe, in der Propagandabildmaterial der Nazis mit von den Mitgliedern geschriebenen Texten wie

8.10.1939: Getreu den Kapitulationsabmachungen verteilen deutsche Truppen
Lebensmittel an die hungernden Bewohner der polnischen Hauptstadt.

Von Rotarmisten hingerichteter dt. Soldat

Michael Wittmann knackte während seiner Soldatenlaufbahn bei der “SS” 138 Panzer,
132 PAK`s und ca. 118 andere gepanzerte Fahrzeuge und Transporter. Im Sommer `44
erhielt er die Schwerter zum Ritterkreuz. Welch beachtliche Leistung……

Berlin bleibt Deutsch und Wien wird wieder Deutsch…..Solche Pantherstellungen
wurden wirklich nur in Berlin `45 aufgebaut. Diese kleinen Festungen waren aufgrund
seiner Tarnung und der Durchschlagskraft dank der 75-mm-KwK 42 L/70 ein unangenehmer Gegner……

Kamerad, Kamerad, alle Mädels müssen waren.
Kamerad, Kamerad, die Sturzkampfbomber starten.
Kamerad, Kamerad, es lautet der Befehl:
Rann an den Feind, rann an den Feind, Bomben auf Engeland…

verbreitet wird? Nun, mit offensichtlicher Milde, denn der (inzwischen zurückgetretene) Gründer schrieb an seine 180 Kamraden – von denen übrigens 150 keine Scheu haben, ihre Zugehörigkeit offen zu dokumentieren, über die Meldung der Gruppe bei StudiVZ:

****** ****** schrieb
am 17.11.2007 um 17:39 Uhr
Hab ne Nachricht vom Administrator bekommen. Ich rate euch manche Bilder zu
entfernen, sonst wird die Gruppe gelöscht. Ist mir sogar fast egal. Also seht zu

Schönes WE

Mitglieder sind übrigens viele ohne Klarnamen, und mit, sagen wir mal, “zeittypischen” Bildern “ihrer” Person. Offensichtlich hat es bei StudiVZ auch keiner für nötig erachtet, sich derartige “Studenten” mal genauer anzuschauen – trotz der Meldung. Ãœberhaupt ist Kriminalisieren solcher Umtriebe nicht erwünscht – finden die Mitglieder vermutlich auch, die fordern, man solle einfach mal das Positive der Armee sehen (man beachte die Deutschkenntnisse):

Weil wie ich schon mal erwähnt hatte war die Wehrmacht maßgebend für armeen der heutigen zeit!

Und ich wüsste nur zu gerne, was für StudiVZ massgebend ist. Das Verbreitungsverbot von NS-Propaganda kann es bei einigen der dort gelagerten Bildern – über 200 in weniger als 2 Monaten – wohl kaum sein. In den zwei Wochen seit der Meldung sind noch weitaus mehr dazugekommen. Ãœbrigens auch Meldungen der Gruppe. Und ein Blogeintrag. Aber StudiVZ reagiert nicht. Obwohl sie es wissen.

Da lacht der Landser. Tolle Firma, die Holtzbrinck da hat.

28.11.2007 | 14:59 von DonAlphonso

Debatten über Blogs und Journalismus von vorgestern für übermorgen

Hätte diese kommende Veranstaltung im Januar 2004 stattgefunden, hätte ich gesagt: Wow! Aber hallo! Heute jedoch. Nun.

Es ist diesmal alles dabei von den Bloghassern bis zu den überzeugten Onlineliebhabern, und ich bin dann immer in der seltsamen Rolle, das Netz loben zu müssen, wenngleich ich selbst vielem, was gerade im Umfeld der Blogs geschieht, kritisch bis ablehnend betrachte. In gewissen Bereichen ist es für den Journalismus einfach, Blogs runterzumachen; seien es nun gekaufte Rezensionen a la Trigami, die im seriösen Journalismus theoretisch überhaupt nicht gehen, seien es die diversen politisch unerfreulichen Randerscheinungen. Es sind in meinen Augen aber ein paar Nachteile, die man für die umfassenden Vorteile des jedermann offenen Netzes in Kauf nehmen soll und darf.

Trotzdem ist die Debatte auch nach meinem Empfinden gefühlt zwei Jahre zu spät. All die Themen, Qualitätssicherung im Netz, was kann wer schreiben, wo ist die Rolle der Blogs im Verhältnis zu den Medien und was bedeutet das für das Papier, sind weitgehend klar. Die Bloggerei hat alle Versuche der Medien, in diesem Segment Einfluss zu gewinnen, oder auch nur adäquat mitzuspielen, abperlen lassen. Taz, Faz, Stern, Freundin, WAZ, Welt, Bequeen, sie alle könnten ihre Leute sonstwo schreiben lassen, bei Blog.de oder myblog, es würde kaum einem auffallen, und würde man heute, sofort, alle Blogs der Medien zumachen, gäbe es ausser bei Thomas Knüwer und vielleicht off-the-records kein einziges Projekt, dessen Ende eine Erwähnung im Sinne von “Oh wie traurig” nach sich zöge. Die Szene ist so atomisiert, so fein und kleinteilig, dass der Versuch einer erfolgreiche Installation eines Blogs auch erfahrene Blogger mit Budget scheitern lässt – man werfe nur mal einen Blick auf die Peinlichkeiten, die sich aktuell die WAZ-Blogs leisten, und dem unsäglichen Versuch, mit “Reich und Schön” ein Promiblog auf Gossenebene zu etablieren. Passt da eigentlich jemand auf, was da so geschrieben wird?

Warum dann überhaupt noch mit Bloggern reden? Ich denke, für Journalisten sind Blogs das kleinste verfügbare Übel. Da gibt es noch ein paar Gemeinsamkeiten, schliesslich geht es ums Schreiben, Erzählen, Kommentieren und eine Art mehr oder weniger offene one2many-Kommunikation. Das eigentliche Problem des Journalismus ist aber die Konkurrenz völlig offener und hierarchiefreier Systeme, wie Communities, Wikis und Profildatenbanken. Da drin geht es niemandem mehr um welchen Journalismus auch immer. Deren Macher haben das Zeug und möglicherweise auch die Mittel, den Einfluss der Medien auf die Mediennutzung im Net massivst zurückzudrängen, mit allen Folgen für Meinungsbildung und Erträge. Ein Problem, das Blogs nicht haben, weil sie in ihrer Gesamtheit wieder eine Community bilden, in der jeder mit den gleichen Mitteln fast überall agieren kann.

Ich denke, über diese Fragen werden wir dann in drei Jahren sprechen. Mit denen, die aus solchen Veränderungen der Mediennutzung die richtigen technischen und inhaltlichen Antworten ableiten, und nicht mehr nur mit den Journalisten. Mit Verlaub: Journalisten sind Leute, die von der Entwicklung überrollt werden und den Presslufthammer der Blogs erst wahrnehmen, wenn sie schon halb unter der Dampfwalze der Communities sind. Vielleicht geht es dann um Fragestellungen, was eigentlich im Internet noch “regional” ist. Und was sich der Nutzer wirklich wünscht. Ich wage nämlich zu behaupten, dass die Idee, ihm verschiedene Internetkästen hinzustellen, aus denen er sich dann das Passende rauskramen muss, demnächst ebenso veraltet sein wird, wie das Erstellen von Paiermüllbergen für den immer gleichen Käse der Agenturabsonderungen.

Und ob ich dann noch auf dem Podium sitze – keine Ahnung. Ich weiss nur, dass der Abstand zwischen denen, die solche Diskussionen organisieren, und denen, die sich barcampgestählt on the cutting edge der Entwicklung fühlen, so gross ist, dass es noch nicht mal einen fundierten Konflikt geben könnte. Was sich in den letzten Jahren vom klassischen Medienverständnis wegentwickelt hat, ist bereits weit hinter dem Horizont und ausserhalb der Reichweite der Kanonen beider Fraktionen.

26.11.2007 | 23:02 von DonAlphonso

Trigami bietet Porno-Webcam “Rezension” Minderjährigem an

Ich habe aus meiner Abneigung gegen den Schweizer PR-Blogdienstleister Trigami und seine von Peinlichkeit zu Peinlichkeit stolpernden Gründer noch nie einen Hehl gemacht. Deren Autoren behaupten gerne, Trigami würde dazulernen, oder sich Mühe geben, oder aktiv Qualitätsmanagement betreiben. Und aus Fehlern lernen.

Und jetzt bietet Trigami, die offensichtlich nicht mal das Alter ihrer Blogautoren prüfen, denselben gekaufte “Rezension” für 2cam4u, einer Webcamgemeinschaft, oder neudeutsch von der Seite der Schweizer Betreiber iPeek AG, “Internet Erotik Content” an. Und einer, dem das offeriert wird, ist noch nicht mal volljährig. Trigami, wie man es kennt. Da weiss man wirklich nicht mehr, was man noch sagen soll.

Ausser vielleicht: Ich denke, der zukünftige deutsche Vertriebler von Trigami braucht eine höllisch gute Rechtsschutzversicherung. Die Typen, die das bisher machen, sitzen bekanntlich hinter der Grenze und damit noch nicht mal in der EU, aber für den deutschen Kopfhinhalter könnte sich bei solchen Fällen demnächst der Jugendschutz interesssieren.

26.11.2007 | 16:59 von DonAlphonso

Sekten & Co.: Mit Blogs in die Reputationshölle

Wer rückgratlose Schleimerei über sich in Blogs lesen möchte, sollte sich vielleicht mal an die Apollo Ltd. in Honkomg wenden, die aus Rumänien das Projekt “Gamegoods” betreibt und dort als Gold- und Itemhändler für das Onlinespiel World of Warcraft auftritt. Gamegoods jedenfalls hat sich zum Promoten ihrer Dienste vertrauensvoll an den Schweizer PR-Dienstleister Trigami gewandt, und Trigami hatte tatsächlich einen Haufen Blogger bei der Hand, die das illegale, weil auf Urheberrechtsverleztung aufbauende Geschäftsmodell von Gamegoods ausprobierten – was auch juristischen Ärger nach sich ziehen kann – und in ihren Beiträgen durch die Bank für gut befanden. Das gleiche klappte auch beim “Hilfswerk” einer radikalen, evangelikalen Sekte, die sich dann der Unterstützung von bekannten kommerziellen Bloggern wie Trigamis Vorzeigeautor Roman Hanhart erfreuen konnte – bis sich dieses Blog hier mit der Sache auseinandersetzte.

Wie man es besser nicht machen sollte: Momentan spamt die angebliche Hilfsorganisation World Vision deutsche Blogger, um einen “Blogday für Patenkinder” anzustossen. Blogger sollen bitte auf das Anliegen von World Vision hinweisen, und sie haben offensichtlich von anderen Pleiten gelernt, denn die Mail beginnt so:

Wir bitten Sie heute nur persönlich um ein paar Minuten Ihrer Zeit und entschuldigen uns ausdrücklich für das Herausfischen Ihrer Emailadresse aus dem Impressum.

Nicht schlecht – wäre es nicht verhältnismässig einfach, sich World Vision mal etwas genauer anzuschauen. Zum Beispiel bei Wikipedia, die umfassend über die evangelikalen Bezüge des Hilfswerks berichtet:

In Deutschland ist seit 1991 der evangelische Pfarrer Wilfried Reuter Vorsitzender von World Vision Deutschland e.V.. Reuter war bis zum Jahr 2005 10 Jahre lang Leiter der evangelischen theologischen Ausbildungstätte „Geistlichen Rüstzentrum Krelingen”, das in der evangelischen Landeskirche arbeitet und vom Evangelischen Pressedienst wiederholt als “evangelikal” und “evangelikal-konservatives Zentrum in Deutschland” bezeichnet worden war.

Ich bin nicht herzlos, und ich finde durchaus, dass es unerfreuliche Zustände auf dieser Welt gibt, die man öffentlich machen und immer wieder anprangern soll und muss, die ganze Kette von den Verursachern über die Verharmloser bis zu den Nutzniessern. Aber dazu möchte ich nicht einer Organisation zuarbeiten, die einen Zustand zu beheben verspricht, und dabei Teil eines anderen, unerfreulichen Zustandes ist. Mit so einem Vorleben jedenfalls sollte man es sich als Organisation gut überlegen, Blogs für kostenlose Werbung anzuquatschen. Es sorgt eher dafür, dass man hinschaut, mit wem man sich da einlässt. Und wer da keine weisse Weste hat, findet sich trotz freundlicher Anrede nicht als Unterstützter, sondern als Kritisierter wieder.

25.11.2007 | 20:16 von DonAlphonso

Nagelprobe für Spammer

Seit einer Woche schlagen hier extrem vermehrt Kommentare von völlig neuen Leuten auf, die ganz offensichtlich vor allem Werbung für ihre Site und ihre Projekte machen wollen. Ein mehr oder weniger langer Kommentar, der Link zu ihrer Klitsche oder ihrem Blog, fertig, und weg sind sie. Es gibt eine gewisse Grauzone, in der man das nicht sicher sagen kann, und dort mache ich folgendes:

Ich ändere den Link ab, dass es nach einem Vertipper aussieht.

Wie gerade bei einem “Neuling”, der zwei Beiträge in seinem Blog hat – aber mutmasslich spnsored Links, sprich Werbung, folgendermassen als Angabe zum Layout seines WordPress Blogs versteckt:

Theme By: Seo Blog |Triathlon Training Products|Blog Directory|Free Web Hosting

So will man wohl Google täuschen, damit es keine Abwertung gibt. Ein klarer Fall für einen Abmahnanwalt, wegen Schleichwerbung. Es war die richtige Entscheidung, den Leute den Link zu zerschiessen. Keiner von denen hat sich bislang getraut nachzufragen, was denn da schief läuft. Wenn sie es überhaupt mitbekommen haben. Denn ich nehme stark an, dass ich diesen Zuwachs einem Internet-Tätigen aus Lauf an der Pegnitz namens Tristan Hahner (siehe Google) zu verdanken habe, der Spamabschaum des Internets in seinem Blog trotz meiner Aufforderung, das zu unterlassen, empfiehlt, ihr eigenes Projekt durch Kommentare und Links auf dieser und anderen Seiten zu pushen.

Nachdem ich nicht der einzige bin, der momentan mit den Folgen dieser Typen zu kämpfen hat, würde ich auch anderen Betroffenen raten wollen, ab und zu etwas über Tristan Hahner und seine Tipps zum Spammen von Blogs zu erwähnen, und darauf hinzuweisen, dass diese Form der Verpestung der Suchmaschinenergebnisse weder rechtlich in Ordnung ist, noch erfreulich, und zu schmerzhaften Konsequenzen führen kann.

23.11.2007 | 13:26 von DonAlphonso

Asoziale Netzwerke in Reinform

oder wenn aus dem Freund der virtuelle Versicherungsvertreter wird: Gerade kam eine Spammail rein, in der ich gefragt werde, in einer Art Schneeballsystem meine Freunde und Bekannten zu einem sog. “social shopping System” einzuladen, das alles hat, was Web2.0 in den kranken Hirne der Marketinfratzen ausmacht. Ich muss nicht betonen, dass ich weniger als nichts von solchen Versuchen, soziale Bindungen zu monetarisieren, halte:

Unsere Idee basiert auf der simplen Tatsache, dass wir als Gemeinschaft durch Interneteinkäufe Provisionen von den Onlineshops erhalten und diese zum größten Teil an das Mitglied zurückgeben, die den jeweiligen Einkauf getätigt hat.

Da die Mitgliedschaft völlig kostenlos ist, setzen wir auf das Marketingtool der Weiterempfehlung, da jeder Werber bis zur 3. Generation dauerhaft auch an den Provisionen beteiligt ist, die seine
Geworbenen erwirtschaften. Wir betrachten diese Idee als economic revolution, weil es diese Form der Verbraucheremeinschaft im Internet noch nicht gegeben hat.

Um das Einkaufen im Internet so bequem wie bisher zu gestalten, kann sich jedes Mitglied ein Softwaretool in seinen Browser (derzeit erst für Firefox möglich) einbetten, welches immer anzeigt, wenn man sich auf der Seite eines (Name des Spammers)-Partners aufhält. Derzeit sind es bereits über 1000 Stück und das System funktioniert bereits, auch wenn wir noch offiziell in der Betaphase sind.

Super. Neben den Shoppero-, Adical-, Verwandt.de-, myonid-, yasni- und Trigami-Buttons gibt es damit hoffentlich bald ein neues Widget für diejenigen, die ihre Leser für das Kommerzschwein halten, das es zu schlachten gilt. Man sollte solche Leute nicht mehr als Blogger bezeichnen, sonder als virtuelle Staubsaugervertreter und Drückerkolonnen.

21.11.2007 | 13:59 von DonAlphonso

Die Pagerank-Lügen um Trigami

Die PR-Vermittlungsfirma Trigami, das meines Erachtens unschönste Beispiel des Blogmarketings nach den Spendenbetteleien des rechtsaussen Hassblogs Politically Incorrect, behauptet gerne, dass die Verlinkungen ihrer PR-verfassenden Blogger Verlinkung zu den Kunden von Trigami allenfalls den positiven Nebeneffekt einer Verbesserung des Pageranks der Firma habe, das aber keinesfalls im Zentrum stehe. Dort sei der journalistische Erfahrungsbericht zu verorten, der von anderen schlichtweg als gekaufte Lobhudelei betrachtet wird. Google sah das bekanntlich nicht unähnlich und hat Trigami-Schreiberlinge reihenweise abgewertet und mit anderen Linkhändlern inzwischen mit einem Pagerank von 0 versehen, weil durch das Spammen von Google mit Kaufeinträgen die Suchergebnisse massiv verfälscht wurden.

Für die Koofmichs von Trigami ist das ein massives Problem, sorgen doch gerade Treffer von Google und der Pagerank massgeblich für Einnahmen. Trigami hat daraufhin den Bloggern geraten, mit “No Follow”-Tags im Code die Links zu den Firmen für Google irrelevant zu machen. Ich halte das für sinnlos, denn vermutlich geht es Google nicht nur um die Pagerankaufbesserung der Trigamikunden, sondern generell um das Vermüllen der Suchergebnisse. Trotzdem hat das jetzt ein Trigamiautor gemacht – und prompt Ärger mit einem Kunden bekommen, für den die Verlinkung offensichtlich entscheidend für das Buchen der “Besprechung” seiner Dienste war:

also schlage ich vor, dass entweder an anderer stelle ein link gesetzt wird, oder no follow wieder entfernt wird.
unter diesen vorraussetzungen wäre niemals ein beitrag gebucht worden.

(http://www.strandgucker.de/trigami-kunden-wird-laestig.html) (vorsicht Rächdscheipung unt Kommadda)

Das sind doch mal nette Kunden – die beweisen nämlich, dass Google absolut recht hat, die Linkverticker von Trigami gnadenlos abzustrafen und so weit wie möglich aus dem Index zu kicken. Kein nettes Geschwalle von redaktioneller Freiheit mehr, da geht es um gebuchte Beiträge, um den Link und Druck, sich gefälligst den Kundenwünschen unterzuordnen. (via)

Man kann wirklich nur hoffen, dass Google auch weiterhin mit allen Mitteln gegen die Beteiligten dieser Deals vorgeht. Kann schon sein, dass es das Eigeninterese von Google ist, aber die wissen genau, dass sie nur so lange Erfolg haben, solange sie die besten Suchergebnisse liefern, und sich nicht von kleinen Abzockern und Freizeitspammern in die Suppe spucken lassen – für die Sorte unerfreulicher Kunden, die nun mal mittels Trigami alles mögliche bis zur Urheberrechtsverletzung bis zur Sekte unterbringen können.